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Abgase machen Allergene aggressiver

Den Frühlingsbeginn können nicht alle genießen - seit Wochen halten blühende Gräser und Bäume vor allem Pollenallergiker auf Trab. Entwarnung können Experten dafür keine geben. Im Gegenteil: Heuer rechnen viele mit einem Rekord-Pollenjahr. Und nicht nur Pollen, auch andere Allergene sind auf dem Vormarsch.

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„Allergien nehmen eindeutig zu“, bestätigt die Leiterin des Allergieforschungsinstitutes an der Medizinischen Universität Wien, Erika Jensen-Jarolim, im Interview mit ORF.at. Schuld daran seien veränderte Umweltbedingungen, wie etwa eine erhöhte Abgasbelastung und mehr Ozon in der Luft. Diese würden Allergene „schärfer“ machen.

Schon jetzt leidet bereits jeder Vierte an einer Allergie. Jensen-Jarolim glaubt jedoch, dass dieser Wert in Wahrheit noch höher ist, da Allergien bei manchen Bevölkerungsgruppen unterdiagnostiziert seien. So sei etwa erst seit kurzem bekannt, dass auch bei älteren Personen noch Allergien auftreten können.

Lebensmittelallergien werden mehr

Die Hauptallergene sind demnach Gräser und Hausstaubmilben. Zunehmend auftreten würden aber auch Lebensmittelallergien. Von ihnen seien sechs bis acht Prozent der Kinder und ein bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen. Die Reaktionen können dabei von Juckreiz im Rachen bis zu schweren Asthmaanfällen oder im schlimmsten Fall gar bis zu einem anaphylaktischen Schock reichen.

Oft leiden Menschen neben einer Pollenallergie gleichzeitig auch an einer Nahrungsmittelallergie. Wenn jemand auf Birkenpollen allergisch ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass derjenige Äpfel, Nüsse und Erdbeeren nicht verträgt. Diese Allergien werden Kreuzallergien genannt, weil Pollen und Nahrungsmittel eine ähnliche Eiweißstruktur haben - mehr dazu in noe.ORF.at.

Unverträglichkeit ist nicht gleich Allergie

Nicht zu verwechseln sind Lebensmittelallergien mit Lebensmittel-Intoleranzen. „Das wird ein bisschen vermischt“, sagte Jensen-Jarolim gegenüber ORF.at. Diesen weit verbreiteten Irrtum bestätigt auch eine kürzlich in Österreich durchgeführte Studie - mehr dazu in noe.ORF.at.

Eine Intoleranz oder Unverträglichkeit existiert dann, wenn eine Person Defizite beim Abbau bestimmter Stoffe hat. Die bekanntesten Beispiele sind Milchzucker- (Laktose), Fruchtzucker- (Fruktose) und Histamin-Intoleranz. „Viele Menschen mit Laktose-Intoleranz glauben, sie haben eine Milchallergie. Das stimmt aber nicht. Denn bei Ersterem ist der Milchzucker das Problem, und bei der Milchallergie sind die Proteine schuld“, erklärt Jensen-Jarolim.

Erdnüsse: Allergische Reaktion schon bei Kuss

Auch bei den Symptomen gibt es große Unterschiede: Sie treten bei einer Allergie im Gegensatz zu einer Unverträglichkeit sehr schnell und auch viel heftiger auf. Dabei reichen oft schon kleinste Mengen des Allergens aus, um eine Reaktion hervorzurufen. So kann etwa eine Person mit Erdnussallergie Symptome zeigen, wenn diese nur eine andere Person küsst, die davor Erdnüsse gegessen hat, erklärt die Wissenschaftlerin. Dazu kommt für die, die erst einmal eine Allergie haben, dass diese „wirklich schwierig wieder loszubekommen ist“, so Jensen-Jarolim gegenüber ORF.at.

Häufiger Verursacher von Kopfschmerzen: Histamin

Im Gegensatz dazu können Symptome bei einer Laktose-Unverträglichkeit etwa Blähungen und Bauchschmerzen sein. Eine Histamin-Intoleranz kann zu pulsierenden Kopfschmerzen, Rötungen im Gesicht und Dekolletee sowie Herzrasen führen. Nur sehr selten treten laut Jensen-Jarolim Fruktose-Unverträglichkeiten auf, diese können in ganz wenigen Fällen Leberschäden verursachen.

Die Verbreitung solcher Unverträglichkeiten ist in Europa weit geringer als bei Allergien: An Laktose-Unverträglichkeit leiden laut der Wissenschaftlerin etwa 15 Prozent der Europäer, im afroasiatischen Raum seien es dagegen bis zu 85 Prozent. Zur Häufigkeit von Histamin-Intoleranz gibt es dagegen keine verlässlichen Daten, da es dafür bis vor kurzem ungenügende Diagnosen gegeben habe.

Fehlende oder falsche Diagnosen

Nicht korrekte oder überhaupt nicht gestellte Diagnosen sind auch bei Allergien ein häufiges Problem: Wenn Personen merkten, dass sie etwas nicht vertragen, würden sie oft einfach darauf verzichten, ohne sich auf eine Allergie untersuchen zu lassen. Das Problem wird damit aber nicht gelöst, erklärt Jenser-Jarolim.

Immer neue Allergenquellen erschwerten außerdem eine korrekte Diagnose. So würden bei Kindern häufig Allergien fälschlicherweise etwa als virale Infekte diagnostiziert, wenn diese von Quellen herrühren, die man traditionell nicht mit Allergien in Verbindung bringt. Als Beispiel nennt Jenser-Jarolim die Reptilienhaltung. Das Aufbewahren von Futter für diese Tiere, wie etwa Heuschrecken und Heimchen, in Wohnungen könnte bei Kindern zu teils schweren Asthmaproblemen führen.

„Zu wenig ernst genommen“

„Das Bewusstsein ist teilweise noch immer ungenügend, und vor allem Lebensmittelallergien werden zu wenig ernst genommen“, so Jensen-Jarolim. „Das Bewusstsein muss sowohl bei Konsumenten als auch bei Vertretern der Nahrungsmittelindustrie noch wachsen.“

Abhilfe durch Lüften und „Schmutztherapie“

Der beste Weg, um Allergien schon im Kindesalter vorzubeugen, ist noch immer die „Schmutztherapie“: Das Aufwachsen oder zumindest der Urlaub auf dem Bauernhof, wo Kinder mit Schmutz in Berührung kommen, wirkt sich günstig auf den Immunschutz aus, ist die Wissenschaftlerin überzeugt.

Vorsicht ist beim Lüften in der Nacht geboten: Dann nämlich senken sich die Pollen aus der Luft ab, legen sich in einer Schicht nieder und können deshalb verstärkt durch Fenster in Räume geweht werden.

Petra Fleck, ORF.at

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