„Gehen in Generation ohne Zukunft“
Um die Chancen für Jugendliche zu verbessern, möchte Sozial- und Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) die Ausbildungsgarantie für Jugendliche zu einer „Ausbildungspflicht“ umwandeln. Sein Ziel sei es, dass es in Österreich in den nächsten fünf, sechs Jahren keinen Jugendlichen ohne Ausbildung gibt, sagte Hundstorfer am Sonntag in der „Pressestunde“ auf ORF2.
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Rund 10.000 der 100.000 jungen Menschen, die jedes Jahr aus der Schulpflicht kommen, verrichten entweder gleich Hilfsarbeiten (rund 50 Prozent) oder sind weder am Arbeitsmarkt noch in einer Ausbildung auffindbar. „Meine Sorge sind die 10.000 Jugendlichen pro Jahrgang, weil die gehen in eine Generation ohne Zukunft.“
Beihilfe streichen, „wenn alle Stricke reißen“
Befragt nach allfälligen Sanktionen betonte der Minister, dass, „wenn alle Stricke reißen, zu fragen ist, ob die Familienbeihilfe ausgezahlt werden soll“. Er sei dafür, diese „Sanktionsmöglichkeit aufzumachen“, so Hundstorfer. Es gebe schließlich auch eine Schulpflicht, sagte Hundstorfer. Es gehe ihm aber primär darum, für die Jugendlichen „Chancen und Angebote“ zu schaffen.
Unternehmen sollten Jugendliche, die nicht in Ausbildung sind, nicht mehr ohne weiteres anstellen dürfen, so Hundstorfer. Es solle unterstützt werden, dass Betriebe 16-Jährige aufnehmen, die im Ausbildungsprozess sind, und nicht 15-Jährige ohne Qualifikation. Diese Jugendlichen würden ansonsten zu „frühzeitig als Hilfskräfte abgestempelt“.
Grüne diskussionsbereit
Dem Vorschlag nicht abgeneigt zeigten sich die Grünen: „Für Zwangsmaßnahmen gegenüber Jugendlichen habe ich keine große Sympathie, allerdings sehe ich in der Idee einer Ausbildungsverpflichtung mehr Chance als Risiko“, sagte Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz. Primär solle es dabei darum gehen, die Politik „in die Pflicht“ zu nehmen und nicht nur die Jugendlichen, ihre Eltern und die Unternehmen.
Die Streichung der Familienbeihilfe sieht sie jedoch als wenig geeignete Maßnahme an, um Verstöße gegen diese Pflicht zu sanktionieren. „Die Grundidee einer Ausbildungsverpflichtung ist aber sicherlich sinnvoll, darüber sollte weiter diskutiert werden, sobald das konkrete Modell auf dem Tisch liegt.“
Leitl: „Richtiger Gedanke“
Auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zeigte sich grundsätzlich erfreut über die vorgeschlagene „Ausbildungspflicht“ für Jugendliche: „Das ist ein sehr richtiger Gedanke. Die ‚Ausbildungspflicht‘ muss auf jeden Fall bei den Jugendlichen selbst ansetzen und nicht bei den Unternehmen.“
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