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Mit „Deckschicht“ gegen Radioaktivität

Der Betreiber des japanischen Katastrophen-AKW Fukushima I, TEPCO, erwägt erstmals öffentlich, das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben. „Es ist nicht unmöglich, die Reaktoren mit Beton zu überziehen“, teilte TEPCO am Freitag mit.

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Zunächst solle aber versucht werden, die Reaktoren abzukühlen. Nach der Katastrophe in Tschernobyl wurde ebenfalls mit Sand und Beton eine Deckschicht geschaffen. Vielleicht sei es die einzige Möglichkeit, eine katastrophale Ausbreitung von Strahlung zu verhindern, sagten japanische Ingenieure. Das Unglück 1986 in Tschernobyl gilt als weltweit schwerwiegendster Atomunfall. Damals war ein sowjetischer Reaktor explodiert.

Fukushima I zu begraben hielte Helmuth Böck vom Atominstitut der Technischen Universität (TU) Wien für den falschen Weg. Für Sarkophage a la Tschernobyl sei es „fünf bis sieben Jahre“ zu früh. Außerdem sei die Situation der beiden Unglücks-AKWs absolut nicht vergleichbar. Böck hält eine Normalisierung der Lage in Fukushima für durchaus denkbar.

Katastrophe hinaufgestuft

Die japanische Atomsicherheitsbehörde stufte unterdessen die Schwere des Unfalls in Fukushima I herauf. Dieser habe nun die dritthöchste Stufe auf der internationalen Bewertungsskala INES, teilte die Behörde am Freitag mit. Damit werden die Ereignisse am Kraftwerk nicht mehr als „Unfall“ der Stufe vier, sondern als „ernster Unfall“ der Stufe fünf bewertet. Die Bewertungsskala hat insgesamt sieben Stufen; die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hatte Stufe sieben. Die Vorkommnisse in den Reaktoren 1, 2 und 3 wurden nun als Störfall der Kategorie fünf (zuvor vier) eingestuft, den Zwischenfall in Reaktor 4 als Kategorie drei, wie die Behörde mitteilte.

Zerstörtes AKW Fukushima

Reuters

Aufnahmen zeigen die Schäden an den Gebäuden von Reaktor 4.

Die Bemühungen, das Kraftwerk wieder unter Kontrolle zu bringen, seien ein „Wettlauf gegen die Zeit“, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, im japanischen Osaka.

Deutsche Roboter „stehen bereit“

Als weiterer Hinweis darauf, dass sich die Behörden auf ein Worst-Case-Szenario in Fukushima I einstellen, gilt eine internationale Anfrage. Japan hat nach Angaben des Sprechers des deutschen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit über die IAEA eine Anfrage an alle Mitgliedsstaaten zur Bereitstellung fernlenkbarer Gerätschaften gerichtet. Deutschland hat daraufhin Japan die Lieferung von Robotern für den Einsatz im Atomkraftwerk Fukushima angeboten.

„Die Geräte stehen bereit“, sagte am Freitag ein Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Berlin. Jetzt warte das Ministerium auf eine Entscheidung der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA), welche Roboter konkret benötigt würden. Bei den Robotern handelt es sich um Maschinen, die aus sicherer Entfernung in verstrahlte Anlagen gesteuert werden können. Ihr Aufgabenbereich erstrecke sich auf „alles, was in verstrahlten Bereichen bewegt werden muss“, erklärte der Ministeriumssprecher. Sobald

An sich sind Roboter in der Atomindustrie keine Seltenheit. Sie wurden nach den Katastrophen von Three Mile Island und Tschernobyl eingesetzt. Europäische Maschinenbauer haben ein Modell entwickelt, das in radioaktiv verseuchten Regionen Wände hinaufklettern kann. Die USA gehen davon aus, dass es noch Wochen dauern kann, bis die desolate Atomanlage unter Kontrolle gebracht werden wird. Zugleich betonten die US-Behörden, es bestehe keine Verstrahlungsgefahr für die USA.

Kan ließ TEPCO-Mitarbeiter nicht abziehen

Die japanische Regierung hatte TEPCO einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Wie die Zeitung „Mainichi Shimbun“ am Freitag berichtete, äußerte TEPCO bereits am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten. Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es „schwierig“ sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen.

„Eine Abberufung ist unmöglich“, zitierte die Zeitung Kan. „Es geht nicht darum, ob TEPCO kollabiert, es geht darum, ob Japan zusammenbricht“, soll er demnach entgegnet haben. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der Betreibergesellschaft sagte dem Blatt, das bedeute, die Arbeiter sollten sich der Strahlung aussetzen und „sterben“.

Kan selbst sagte in einer Fernsehansprache, in der vom Erdbeben stark beschädigten Anlage gebe nach wie vor „enorme Schwierigkeiten“. Seine Regierung werde aber „entschlossen“ die dortige Lage unter Kontrolle bekommen. Japan werde diese „Tragödie“ überstehen. „Wir befinden uns in einer Krisensituation, die unser Volk auf die Probe stellt“, sagte er: „Mit unser aller Kraft werden wir das Land erneut wiederaufbauen.“

Mehrere Explosionen und Brände

Der durch das Erdbeben der Stärke 9,0 verursachte Stromausfall vor einer Woche hatte zum Ausfall der Kühlsysteme in den Reaktoren 250 Kilometer nordöstlich von Tokio geführt. Bisher ereigneten sich durch die gefährliche Erhitzung in den Reaktoren vier Wasserstoffexplosionen und zwei Brände in vier der sechs Reaktoren, es trat bereits radioaktives Material aus. Wenn die Kühlsysteme nicht wieder in Gang gebracht werden, drohen eine Kernschmelze und ein Super-GAU, durch den eine lebensbedrohliche Menge an Radioaktivität freigesetzt werden könnte.

Video zeigt Ausmaß der Zerstörung

Berge aus Schutt und Asche: Mehrere Videos vom Überflug über das havarierte Atomkraftwerk zeigen unterdessen das erschreckende Ausmaß der Zerstörung. Die Aufnahmen wurden von Bord eines Hubschraubers gemacht und am Donnerstag von der Zeitung „Asahi Shimbun“ ins Internet gestellt.

Zu sehen sind die völlig zerstörten Reaktoren der Atomanlage. Von den einst hellblauen Gebäuden sind nur noch Trümmer, verbogene Stahlträger und Steine zu sehen. Die Bilder lassen erahnen, wie gewaltig die Explosionen im Inneren waren. An mehreren Stellen steigen in den Videos Rauch und Dampf aus den Trümmern.

Der Hubschrauber fliegt offenbar von Norden die Reihe der Kraftwerksblöcke entlang. Zuerst sind die unversehrten Reaktoren 5 und 6 zu sehen. Danach überfliegt der Hubschrauber die größtenteils völlig zerstörten Reaktoren 1 bis 4. Die Aufnahmen stammen nach Angaben der Zeitung von Mittwoch.

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