USA für größere Evakuierungszone
Die Evakuierung der Gegend um das japanische Atomkraftwerk Fukushima I wird nach Informationen des staatlichen japanischen Fernsehsenders NHK ausgeweitet. Wegen der Gefahr radioaktiver Verstrahlung müssten weitere 28.000 Menschen in der Präfektur Fukushima ihre Häuser verlassen, meldete der Sender am Donnerstag (Ortszeit).
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Viele Notunterkünfte in der Region seien aber schon zu überfüllt, um neue Atomflüchtlinge aufzunehmen. Deshalb würden die Menschen jetzt auch auf umliegende Präfekturen verteilt. Unklar ist, wie weit der bisherige 20-Kilomter-Radius ausgeweitet wurde. Wer zwischen 20 und 30 Kilometer entfernt wohnt, sollte laut japanischer Regierung im Haus bleiben. Die US-Regierung hatte kurz vor der neuen Evakuierungsorder klargemacht, dass sie die bisherige Evakuierungszone für zu klein hält.
Die Obama-Regierung legte den an Ort und Stelle ausharrenden US-Bürgern am Mittwoch ans Herz, das Gebiet im Umkreis von 80 Kilometern zu verlassen. Wer das nicht könne, solle sich am besten nicht im Freien aufhalten. „Auf der Basis unserer Analyse ist es das, was wir tun würden, wenn sich dieser Vorfall in den USA ereignen würde“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Indirekt distanzierte sich die US-Regierung damit vom japanischen Krisenmanagement.
Sorge und Wut
Die Menschen in der japanischen Präfektur Fukushima sind angesichts der katastrophalen Lage im AKW Fukushima I nach den Worten der dortigen Regierung zutiefst besorgt und wütend. „Dieser nukleare Unfall hat die Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, und ich will, dass das ganze Land Verständnis für sie zeigt“, sagte der Gouverneur der Region, Yuhei Sato, am Mittwoch.
„Die Sorge und Wut der Menschen in Fukushima haben ihre Grenze erreicht“, fügte Sato hinzu. Im Umkreis von 30 Kilometern um das AKW waren rund 200.000 Menschen vor der radioaktiven Strahlung in Notlagern gebracht worden. Doch werden sie immer noch nicht mit ausreichend Nahrung und den nötigen Hilfsmitteln versorgt. „Lebensmittel, lebensnotwendige Güter und Öl sind auf dem Weg, sie haben die Notfallzentren aber noch nicht erreicht“, kritisierte Sato.

APA/EPA/Asahi Shimbun
Menschen in einer Notunterkunft in einem Turnsaal in der Präfektur Miyagi
500.000 Menschen obdachlos
Hinzu kommt, dass die Temperaturen am Mittwoch unter den Nullpunkt fielen. Die Trümmerlandschaft war teilweise mit einer Schneedecke bedeckt. Zudem sind rund 850.000 Haushalte noch immer ohne Strom, fast eine halbe Million Menschen in der Katastrophenregion ist obdachlos. In den Küstenorten sinkt die Hoffnung auf Überlebende in den Trümmern. Die Zahl der bestätigten Toten wurde am Donnerstag mit 5.198 angegeben, immer noch werden offiziell rund 9.000 Menschen vermisst. Die tatsächliche Opferzahl dürfte Berichten zufolge aber weitaus höher liegen.
In einigen Regionen herrschen geradezu apokalyptische Zustände. Tausende Menschen mussten in den Trümmern ihrer einstigen Siedlungen ausharren, weil sich immer noch keine Rettungstrupps zu ihnen vorarbeiten konnten. Und immer wieder sorgen starke Nachbeben für Angst und Schrecken. Mittwochmittag (Ortszeit) erschütterte laut der US-Erdbebenwarte ein Beben der Stärke 6,0 die Region Kanto, in der auch die Hauptstadt Tokio liegt.
265 Millionen Euro Notfallhilfe
Die Regierung stellte in einem ersten Schritt rund 265 Millionen Euro als Notfallhilfe für die Bürger in den Katastrophengebieten bereit. Das Geld sei für Essen, Wasser, Decken und Medizin vorgesehen, gab Regierungssprecher Noriyuki Shikata im Kurzmitteilungsdienst Twitter bekannt.

Reuters/KYODO Kyodo
Eine Mutter mit ihren Kindern in der zerstörten Stadt Minamisanriku
Zudem kündigte das Verteidigungsministerium die Entsendung von Tausenden Reservisten in das Erdbeben- und Tsunami-Gebiet im Nordosten der Hauptinsel Honshu an. Rund 6.400 Reservisten würden zur Verstärkung der 70.000 Soldaten entsandt, die bereits im Einsatz seien, erklärte das Ministerium am Mittwoch in Tokio. Insgesamt sollen 100.000 reguläre Soldaten bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten helfen. Das sind rund 40 Prozent der japanischen Streitkräfte.
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