Immer wieder Probleme mit Reaktoren
Der Betreiber des Unglücks-AKW Fukushima I, die Tokyo Electric Power Company (TEPCO), gerät immer mehr in die Kritik. Schon vor zwei Jahren war auf Sicherheitsmängel in ihren Meilern hingewiesen worden. Und selbst der Premierminister empörte sich über die Informationspolitik nach der Explosion in den Reaktoren. Aber es ist nicht das erste Mal, dass TEPCO mit Vorwürfen dieser Art konfrontiert ist.
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Als die japanische Präfektur Miyagi am 11. März von einem der schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten heimgesucht und in weiterer Folge von einem Tsunami überrollte wurde, waren auch vier Atomkraftwerke betroffen. Darunter auch die AKWs Fukushima I und Fukushima II des größten Energiekonzerns des Landes, TEPCO. In einer langen Reihe von Skandalen droht Fukushima I nun zum größten Desaster in der 60-jährigen Unternehmensgeschichte zu werden.
Probleme schon bei Beben 2006
Dabei ist Japans größter Energiekonzern durchaus Krisen gewohnt. Schon 2007 entging TEPCO nur knapp einer Katastrophe, als sich in der Nähe des größten Kernkraftwerks Japans, dem Kashiwazaki-Kariwa-Meiler, ein Beben der Stärke 6,6 ereignete. Die Reaktoren fuhren zwar planmäßig herunter, doch die Auswirkungen auf die Anlage waren größer, als sie nach der internen Berechnung hätten sein dürfen. Die sieben Reaktoren wurden für 21 Monate außer Betrieb gestellt und auf ihre Bebensicherheit hin überprüft. Erst 2009 lief Reaktorblock 7 wieder an, die anderen sechs folgten in den letzten Jahren.
Skandal um gefälschte Sicherheitsdaten
Überhaupt schien es TEPCO mit der Bebensicherheit seiner Werke nie so genau genommen zu haben. 2002 war der Konzern in einen handfesten Skandal verwickelt, als sich herausstellte, dass sie bei behördlichen Routineuntersuchungen ihrer Kernkraftwerke falsche Daten weitergegeben haben. Als Folge wurden alle 17 Reaktoren ihrer Kernkraftwerke geschlossen. Fast der gesamte Konzernvorstand trat zurück.

Reuters/Issei Kato
„Verwendung verboten“-Schilder auf Nitrogenbehältern in einem von TEPCOs AKWs, 2007 nach einem Erdbeben.
Die Untersuchungen zeigten, dass über 20 Jahren lang in mehr als 200 Fällen falsche technische Daten weitergeleitet worden waren. TEPCOs neue Geschäftsführung versicherte, dass alle notwendigen Sicherheitsdaten nachgereicht würden. Aber es dauerte bis 2005, bis alle Reaktoren wieder mit behördlicher Genehmigung ans Netz gingen. Zwei Jahre später, 2007, wurde ein brisanter interner Untersuchungsbericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass eine ganze Reihe von Vorfällen in den Reaktoren vertuscht wurde.
Schon mehrere Vorfälle in Fukushima I
Einige dieser Fälle betreffen auch das Katastrophen-AKW Fukushima I. 1994 und 1997 soll es dort zu Rissen in Wasserrohren gekommen sein, 2006 trat radioaktiver Dampf aus einem Rohr aus. Zuletzt schwappte nach einem Erdbeben im Juni 2008 radioaktives Wasser aus einem Becken, in dem verbrauchte Brennstäbe lagerten. Diese und ähnliche Meldungen führten zu einem massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung und zu einer Diskussion über die Atomenergiepolitik in dem Land.
IAEA kritisierte 2008 AKW-Bebensicherheit
Doch wirklich viel gelernt haben dürfte TEPCO aus diesen Vorfällen nicht. Laut WikiLeaks-Depeschen beanstandete die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) 2008 erneut die Erdbebensicherheit japanischer Atomkraftwerke. Die Anlagen seien starken Beben nicht gewachsen, wird ein IAEA-Experte in einer diplomatischen US-Depesche zitiert, wie die britische Zeitung „Daily Telegraph“ berichtete.
Ein namentlich nicht genannter Vertreter der IAEA wies beim Treffen der G-8 Nuclear Safety and Security Group (NSSG) in Tokio darauf hin, dass die Sicherheitsrichtlinien zum Schutz der japanischen Atomanlagen vor Erbeben in den vergangenen 35 Jahren lediglich dreimal überprüft worden seien. In der Vergangenheit hätten Erdbeben aufgezeigt, dass in manchen Fällen das Grunddesign der Anlagen nicht geeignet sei, stärkeren Erdstößen zu widerstehen.
Japan hatte auf die Hinweise nur zögerlich reagiert. 2008 wurde die Belastungsgrenze hinaufgesetzt, aber in den Anlagen nicht umgesetzt. Wäre Fukushima I den Vorschriften der Regierung entsprechend baulich verbessert worden, hätte es das verheerende Beben eigentlich unbeschadet überstehen sollen. Das ging aus einem Vortrag des Seismologen Götz Bokelmann von der Universität Wien hervor - mehr dazu in science.ORF.at.
Regierungschef über TEPCO erbost
Und auch bei der Informationspolitik fällt TEPCO wieder in alte Muster zurück. Der eigentlich als besonnen geltende japanische Ministerpräsident Naoto Kan zeigte bei einem Treffen mit TEPCO-Vertretern am Dienstag ungewöhnliche Emotionen. „Das Fernsehen hat über eine Explosion berichtet. Aber zwei Stunden lang wurde dem Büro des Ministerpräsidenten nichts mitgeteilt“, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo den Regierungschef. „Was zum Teufel ist hier los?“
TEPCO baut in der Türkei
Keine guten Voraussetzungen für weitere Geschäftsaufträge, könnte man annehmen. Doch die Türkei hält an TEPCO als Betreiber eines seiner zwei geplanten AKWs fest, wie der türkische Energieminister Taner Yildiz Anfang der Woche sagte. Yildiz wird nicht müde zu erklären, dass das Werk in Sinop an der Schwarzmeer-Küste der neuesten Technologie entsprechend gebaut werde.
Das zweite AKW in Akkuyu am Mittelmeer soll vom russischen Konzern Rosatom gebaut werden. Einwände japanischer Umweltschutzorganisationen, dass vor allem Akkuyu in einem Bebengebiet entstehen soll, wurden von der Türkei bisher ignoriert.
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