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Rauchsäulen über Fukushima I

Im Atomkraftwerk Fukushima I sind offensichtlich gleich zwei Reaktoren in Brand geraten. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete am Mittwoch unter Berufung auf den Betreiber TEPCO, dass auch von Reaktor 3 Rauch aufsteige. Dessen Brennelemente enthalten auch hochgiftiges Plutonium. Zuvor war bereits im benachbarten Reaktor 4 Feuer ausgebrochen.

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Auf Livebildern waren große Rauchschwaden zu sehen, die von der Anlage aufstiegen. Laut Kyodo könnte der Rauch an Reaktor 3 direkt vom Behälter mit den Brennstäben kommen. Am Sonntag war in Reaktor 3 die Kühlung ausgefallen. Am Montag explodierte frei gewordener Wasserstoff. Das äußere Gebäude wurde zerstört, es blieb nur ein Stahlgerippe übrig. Der innere Reaktormantel soll aber unbeschädigt geblieben sein.

Mit Meerwasser wurde der Reaktor seitdem notdürftig gekühlt, um eine Kernschmelze zu verhindern. Zwischenzeitlich hatte man auch geglaubt, dass Feuer bei Reaktor 4 sei ganz erloschen. Mit Borsäure, auch via Helikopter aus der Luft ausgesprüht, will man weitere Kettenreaktionen verhindern - doch Techniker sehen dieses Unternehmen skeptisch.

Nach Ansicht der österreichischen Strahlenschutzbehörde können die Brände in den Blöcken 3 und 4 bestätigt werden. Zumindest in Reaktor 4 wütete das Feuer in der Früh weiter. Zudem sei für Reaktor 3 von einer dramatischen Verschlechterung der Situation auszugehen. Von einer kritischen Situation sei auch bei Reaktor 5 auszugehen, so die Behörde.

Stufe sechs auf INES-Skala

Ein unabhängiges US-Forschungsinstitut stufte die Nuklearkatastrophe angesichts der jüngsten Entwicklungen nun auf der Störfallstufe sechs von sieben ein. Die Explosionen und Brände in Fukushima I hätten zur Folge, dass der Unfall auf der internationalen Bewertungsskala INES nicht mehr als vier betrachtet werden könne, teilte das Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS) am Dienstag in Washington mit. Zuvor hatte bereits die Pariser Behörde ASN die Katastrophe auf Stufe sechs von sieben eingeordnet.

Hilfe von den USA?

Die japanische Regierung verhandelt nach den Worten ihres Sprechers Yukio Edano mit den US-Streitkräften darüber, dass US-Experten bei der Kühlung der Reaktoren helfen.

Detail des Reaktorblocks vier

AP/NHK TV

Ein Detailbild zeigt das Ausmaß der Zerstöung an Reaktor 4.

Alte Brennelemente in Reaktor 4

Die Situation in Reaktor 4 ist vor allem deshalb so gefährlich, weil die alten Brennelemente nicht in doppelten Sicherheitsbehältern und hinter dicken Stahlwänden gelagert werden. Durch den Ausfall der Kühlung fing laut Behörden das Kühlwasser zu kochen und in weiterer Folge zu verdampfen an. Durch den Dampf dürfte auch eine größere Menge an Radioaktivität frei geworden sein.

Die sechs Reaktoren des AKWs Fukushima I

AP (Montage)

AKW Fukushima I: Reaktor 1 und Reaktor 3 wurden durch Explosionen zerstört. Am Dienstag kam es in Reaktor 2 und 4 zu Explosionen mit Freisetzung von Radioaktivität. In Reaktor 5 und 6 ist die Kühlung defekt.

Schäden an Reaktorkern „möglich“

Mittlerweile sind vier der sechs Blöcke nach mehreren Explosionen schwer beschädigt. Schäden an einem der Reaktorkerne schloss die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Abend nicht mehr aus. Wasserstoff hatte in den vergangenen Tagen bereits in den Reaktoren 1, 2 und 3 zu Explosionen geführt. Die Reaktoren 5 und 6 waren nach IAEA-Informationen zum Zeitpunkt des Erdbebens zwar ausgeschaltet, sind aber weiterhin mit atomarem Brennstoff gefüllt.

Furcht vor weiteren Explosionen

Die Betreiberfirma TEPCO befürchtet allem Anschein nach Explosionen auch in den letzten beiden unbeschädigten Reaktoren. Nach Informationen der IAEA, die selbst wegen ihrer Informationspolitik ins Visier der Kritik geraten ist, zog TEPCO in Erwägung, Platten von den Reaktoren 5 und 6 zu entfernen, um dort mögliche Wasserstoffstaus zu verhindern. Das teilte die UNO-Behörde am Dienstagabend in Wien mit. Der Schritt sei bereits in der Nacht auf Dienstag erwogen worden.

Nach Regierungsangaben ist in drei der vier betroffenen Reaktorblöcke eine Kernschmelze möglich. Neben den durch Explosionen schwer beschädigten Reaktoren 1 und 3 dürfte auch in den Reaktoren 5 und 6 die Kühlung nicht mehr einwandfrei funktionieren. Offenbar machte der Betreiber im Krisenmanagement teils verheerende Fehler. Über den genauen Zustand der beschädigten Meiler in Fukushima I gab es weiter nur unzureichende Angaben.

TV-Hinweis

Das „Weltjournal“ widmet sich am Mittwoch um 22.30 Uhr in ORF2 dem Beben in Japan und den Folgen für Europas Atompolitik - mehr dazu in tv.ORF.at.

Haben Betreiber Mitschuld an Unglück?

Wäre das AKW den Vorschriften der japanischen Regierung entsprechend baulich verbessert worden, hätte es das verheerende Beben eigentlich unbeschadet überstehen sollen. Das ging aus einem Vortrag des Seismologen Götz Bokelmann von der Universität Wien hervor. Das Anfang der 1970er Jahre entstandene Kernkraftwerk sei auf Bodenbeschleunigungen von maximal 18 Prozent der Erdbeschleunigung (g) ausgelegt gewesen, 2008 habe die japanische Regierung diese Belastungsgrenze aber auf 60 Prozent g hinaufgesetzt. Das sei aber offensichtlich in Fukushima nicht umgesetzt worden.

Personal hoher Strahlung ausgesetzt

Durch die Strahlenbelastung wurde die Situation auch für die im AKW verbliebenen Mitarbeiter unzumutbar. Zuletzt befanden sich noch 50 der 800 Mitarbeiter auf dem Gelände und versuchten fieberhaft, die Kühlung in den insgesamt sechs Reaktoren aufrechtzuerhalten. Laut TEPCO ist die Belastung so hoch geworden, dass das Personal nicht mehr in den Kontrollräumen bleiben kann.

NHK: Evakuierungsanordnung wieder aufgehoben

Eine Evakuierungsanordung für Fukushima I wurde laut dem japanischen TV-Sender NHK allerdings wieder aufgehoben. Die Arbeiter können demnach zurück auf das Gelände, nachdem diese das Kraftwerk zuvor für kurze Zeit wegen der stark gestiegenen Strahlung verlassen mussten.

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