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50 Mitarbeiter betroffen

Die Entwicklungen in dem schwer beschädigten japanischen AKW Fukushima I werden immer besorgniserregender. Nach den Explosionen in der Nacht auf Dienstag (Ortszeit) dürfte die Strahlenbelastung nun so hoch sein, dass das Personal nicht in den Kontrollräumen bleiben kann. Die Kühlung dürfte nun auch in Reaktor 4 ausgefallen sein.

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Zuletzt befanden sich nur noch 50 der 800 Mitarbeiter auf dem Gelände. Unklar war zunächst, was das für den Kampf gegen die drohende Atomkatastrophe in dem Kraftwerk bedeutet. Auch aus welchem Reaktor die Radioaktivität ausgetreten ist, ist noch nicht bekannt.

Fest steht, dass nach den zwei Explosionen in der Nacht in den Reaktoren 2 und 4 und einem Brand nun auch die Kühlsysteme in den Reaktoren 5 und 6 schadhaft sind. In Reaktor 4 dürfte sich das Aufbewahrungsbecken für die verbrauchten Brennstäbe nicht mehr mit Wasser füllen lassen. Die Betreiberfirma TEPCO will nun mit Hubschraubern Wasser auf das Aufbewahrungsbecken abwerfen.

Die sechs Reaktoren des AKWs Fukushima I

AP (Montage)

AKW Fukushima I: Reaktor 1 und Reaktor 3 wurden durch Explosionen zerstört. Am Dienstag kam es in Reaktor 2 und 4 zu Explosionen mit Freisetzung von Radioaktivität. In Reaktor 5 und 6 ist die Kühlung defekt.

„Schwerer Unfall der Stufe sechs“

Der Präsident der französischen Atomsicherheitsbehörde (ASN), Andre-Claude Lacoste, bewertete das Geschehen am Dienstag mit Stufe sechs von sieben. Demnach würde Fukushima I unmittelbar vor einem Super-GAU stehen. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte die Stufe sieben auf der INES-Skala. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA teilte hingegen mit, die Daten aus Japan deuten darauf hin, dass die Radioaktivität rund um das AKW wieder sinkt.

Radioaktiver Dampf entwichen

Ein Brand in Reaktor 4 soll sich laut Behörden auf ein Treibstofflager beschränkt haben, das unter anderem die Stromversorgung für die Kühlung gewährleistete. Er konnte gelöscht werden, doch das Wasser in den Brennstäbebehältern erhitzte sich so stark, dass es mittlerweile verdampft, wodurch die Brennstäbe freiliegen. Eine Wiederauffüllung der Kühltanks dürfte fehlgeschlagen sein.

Experten gehen davon, dass die erste Radioaktivitätswolke über den Dampf entwichen sein dürfte und nicht direkt von den Brennstäben. Später ging die Radioaktivität zurück. Die Atomaufsichtsbehörde bestätigte aber, dass sowohl die Sicherheitsbehälter defekt sind als auch die Wände des Lagerbeckens beschädigt wurden.

Die Lage in Reaktor 2 ist noch unübersichtlicher. Die Brennstäbe dürften seit Tagen nicht mehr ausreichend gekühlt werden. Die Explosion in unmittelbarer Nähe zum Wasserbehälter dürfte den Stahlmantel um die Brennstäbe nicht beschädigt haben, jedoch den Boden in dem Behälter, wie Shigekazu Omukai von der Atomaufsichtsbehörde sagte.

Verheerende Fehler bei Krisenmanagement

Auch in den Reaktoren 5 und 6 funktioniert die Kühlung nicht mehr einwandfrei. Offenbar machte der Betreiber im Krisenmanagement teils verheerende Fehler. So wurde am Montag versehentlich das Luftstrommessgerät ausgeschaltet. Dadurch sei die Zufuhr kühlenden Wassers in den Reaktor gestoppt worden, wodurch es zur völligen Freilegung der Brennstäbe gekommen sei. Die Kühlung in den Reaktoren 1 und 3 des havarierten AKW ist nach Angaben der Regierung dagegen stabil. Nach Angaben der Betreiberfirma TEPCO schmolzen die Brennstäbe in den Reaktoren 1 und 3 bereits teilweise.

An evakuierten Menschen wird die Strahlenbelastung gemessen

AP/Wally Santana

Menschen in der Präfektur Fukushima werden auf Strahlenbelastung getestet.

Vorbereitung von Evakuierung

Ministerpräsident Naoto Kan rief am Dienstag Einwohner in einem 30-Kilometer-Radius auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Ohne dafür Gründe zu nennen, richtete die Regierung laut Kyodo am Dienstag zudem eine Flugverbotszone über dem Unglücksmeiler und im Umkreis von 30 Kilometern ein.

In drei Präfekturen rund um Fukushima begannen mittlerweile die Vorbereitungen zur Evakuierung. Die Regierung der Präfektur Yamagata stelle eine Liste mit Schutzräumen für die Flüchtenden zusammen, berichtete Kyodo. „Wir arbeiten daran festzustellen, wie viele Menschen wir aufnehmen und welche Einrichtungen wir als Unterschlupf nutzen können“, sagte ein Sprecher der Präfektur Tochigi.

Erstmals „Gesundheitsgefährdung“

Die Regierung hatte am Dienstag erstmals vor einer „Gesundheitsgefährdung“ durch erhöhte radioaktive Strahlung gewarnt. In einzelnen Bereichen des Kraftwerks waren 400 Millisievert pro Stunde gemessen worden - das übersteigt den Grenzwert der Strahlenbelastung für ein Jahr um das 400-Fache, schrieb Kyodo. Die Radioaktivität fiel mehrere Stunden nach der Explosion wieder deutlich und begann dann wieder aufs Neue zu steigen.

TV-Hinweis

Das „Weltjournal“ widmet sich am Mittwoch um 22.30 Uhr in ORF2 dem Beben in Japan und den Folgen für Europas Atompolitik - mehr dazu in tv.ORF.at.

Laut Kyodo wurde in Kanagawa in der Nähe von Tokio eine Strahlenbelastung gemessen, die zehnmal höher als der Normalwert war. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden in der Hauptstadt selbst aber nur sehr kleine Mengen gemessen und die Werte waren rückläufig. Der Wind über dem Kraftwerk Fukushima I zog am Dienstag zunächst Richtung Tokio, drehte aber am späten Vormittag (MEZ). Laut UNO-Wetterbehörde World Meteorological Organization (WMO) wehe der Wind nun aufs offene Meer. Es bestehe derzeit keine Gefahr für Japan. Im Großraum Tokio leben etwa 35 Millionen Menschen.

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