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Volksschullehrer wird Premier

Enda Kenny gehört zu der Gruppe irischer Politiker, die man anderswo als „Urgestein“ bezeichnen würde. Seit mehr als 35 Jahren sitzt er bereits für seinen Wahlkreis Mayo West im Parlament. Jetzt steht der 59-Jährige auf dem Sprungbrett zum höchsten Regierungsamt.

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Journalisten gaben ihm den Spitznamen „Daddy of the Dail“ (Vater des Unterhauses) - auch wenn er im Volk eher als blass gilt und ihm von Gegnern das nötige Charisma abgesprochen wird. Zweimal bekleidete Kenny schon Ministerämter, doch jetzt steht er ganz oben und soll die Iren als Taoiseach (irisch für Premierminister) aus der Krise führen.

Das Familienoberhaupt der Iren

Seit 2002 führt Kenny die Partei Fine Gael, deren Name so viel bedeutet wie „Familie der Iren“. Er war dort als „Feuerwehrmann“ eingesprungen, als die Partei bei den Parlamentswahlen unterging und mehr als 20 Sitze im Unterhaus einbüßte. Seitdem päppelte er Fine Gael langsam aber stetig auf und überstand auch einen parteiinternen Aufstand. Schon bei den Wahlen 2007 hatte die konservative Law-and-Order-Partei ihre alte Stärke wiedergefunden. Für eine Regierungsbeteiligung reichte es damals jedoch noch nicht.

Kenny, als Volksschullehrer ausgebildet, gilt grundsätzlich als europafreundlich. Dennoch hat er mit Brüssel vor allem den Kampf um die niedrige irische Körperschaftssteuer auszufechten. Die liegt derzeit bei konkurrenzlosen 12,5 Prozent. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen die Unternehmenssteuern in Europa harmonisieren.

„Wir haben der Kanzlerin klargemacht, dass aus unserer Sicht die Körperschaftssteuer von absolut fundamentaler Bedeutung für Irland ist“, sagte Kenny unlängst nach einem Gespräch mit Merkel selbstbewusst.

Im TV-Duell bestanden

Innerparteilich ist der Vater dreier Kinder nicht unumstritten. Er sei ein mäßiger Redner und wirke oft hölzern, meinen seine Kritiker. Dass er das erste TV-Duell mit seinen Kontrahenten Micheal Martin und Eamon Gilmore von den Parteien Fianna Fail und Labour im irischen Fernsehen einfach abgesagt hatte, schadete ihm aber nicht. Die Umfragen sahen seine Partei auch danach weiter klar vorn. Das zweite Duell - so werteten irische Zeitungen - überstand er zumindest „unbeschadet“. Seine eigentlichen Stärken liegen eher im Zwiegespräch.

Kenny steht für die Partnerschaft seines Landes mit dem großen Nachbarn Großbritannien. Schon im Wahlkampf lud er Queen Elizabeth II. zu einem Besuch in Irland ein. Es wäre der erste Besuch eines britischen Monarchen seit der Gründung der Republik Irland 1937. Für einen Erfolg als Premierminister muss Kenny aber mehr als Hände schütteln: Die Sicherung des maroden Finanzsektors und die Wiederherstellung des verloren gegangenen Vertrauens in die irische Politik im Ausland sehen Analysten als wichtigste Aufgaben.

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