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Kein Mann von Traurigkeit

„Um Gottes Willen, geh jetzt!“, hat eine Boulevardzeitung über dem Porträt von Irlands Premier Brian Cowen schon im November getitelt. Schon damals war klar, dass er demnächst das Handtuch werfen würde - im Jänner war es so weit.

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Sein Land steckt bis zum Hals in einem Schuldenberg, seine Umfragewerte waren kaum noch messbar, und die teilverstaatlichten Banken hängen zusätzlich am Tropf der Europäischen Zentralbank. Im Mai 2008 hatte Cowen von Bertie Ahern das Amt des Regierungschefs, des Taoiseach (auf Deutsch: Häuptling), übernommen. Der als „politischer Raufbold“ geltende Jurist hatte schon viele Ämter bekleidet.

Steile politische Karriere

Seine politische Karriere startete er bereits mit 24 Jahren, als er 1984 nach dem Tod seines Vaters, der ebenfalls Politiker war, als jüngster Abgeordneter ins irische Parlament einzog. Bereits 1992 war Cowen Arbeits- und Energieminister.

Ein Jahr später folgte das Amt des Verkehrsministers, bevor er sich zwischen 1997 und 2000 um die Gesundheit kümmerte. Von 2000 bis 2004 war Cowen Außenminister und hatte dabei während der irischen Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2004 auch den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne. Als Minister in sechs verschiedenen Ressorts galt er als einer der Macher beim Aufstieg des „keltischen Tigers“.

Beeindruckend oder überschätzt?

Gegenüber seinen politischen Kontrahenten tritt Cowen mürrisch und ruppig auf. Dementsprechend gehen die Meinungen über den gelernten Juristen stark auseinander. Im eigenen politischen Lager ist Cowen äußerst beliebt. „Was er in den fünf von ihm besetzten Ministerien erreichte, ist beeindruckend“, sagt etwa Finanzminister Brian Lenihan.

Andere halten Cowen für überschätzt. „Er hat sich nur als fähig erwiesen, Katastrophen zu verhindern“, meinte einmal ein Kommentator der „Irish Times“. Es sei schwierig, überhaupt eine Errungenschaft Cowens zu finden. Doch das war, bevor Irland so tief in die Krise rutschte. Spätestens danach war bewiesen, dass er die Katastrophe nicht verhindern konnte.

„Big ignorant fucker from Offaly“

Zugute hielt man Cowen lange seine ausgeprägte selbstironische Ader. Das zeigt sich schon in seinem Spitznahmen „Biffo“: Das Kürzel steht für „Big ignorant fucker from Offaly“, was freundlich übersetzt etwa „Dicker, dummer Mistkerl aus Offaly“ bedeutet. So wird Cowen sogar von Freunden genannt, und auch der Regierungschef selbst hat den Spitznamen akzeptiert.

Sein Repertoire an Spitznamen wurde um „Spliffo Biffo“ („Joint-Biffo“) erweitert, als Cowen im 2007 in einem Interview zugab, in seinen Studentenjahren Cannabis geraucht zu haben. Heute besucht der begabte Parodist und begeisterte Fußballfan zur Entspannung irische Pubs, in denen er nach einem Guinness auch gern einmal anfängt zu singen.

Immer für Lacher gut

Für zwei Lacher sorgte er 2009. Ein unbekannter Täter hatte im März des Jahres zwei nicht ganz schmeichelhafte Porträtgemälde Cowens in zwei Museen geschmuggelt und dort ausgestellt. Eines zeigt Cowen in voller Körperfülle mit einer blauen Unterhose - in der Hand. Auf dem zweiten thront der Premier am stillen Örtchen. Erst verdutzte Ausstellungsbesucher machten die Museen auf die ungewöhnlichen Exponate aufmerksam.

Wenige Tage zuvor hatte er selbst für Lacher gesorgt: Cowen hatte bei seinem Antrittsbesuch im Weißen Haus bereits die ersten Absätze seiner Rede vorgetragen, als er bemerkte, dass ihm das irgendwie bekannt vorkam: Cowen hatte gerade Wort für Wort die Ansprache wiederholt, die US-Präsident Barack Obama zuvor gehalten hatte. Der Ministerpräsident stoppte abrupt, schaute Obama an und sagte: „Das ist Ihre Rede!“ Der US-Präsident lachte, kehrte zum Podium zurück und half Cowen dabei, dessen vorbereitete Ansprache auf dem Teleprompter zu finden.

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