Leben an der Grenze
Direkt an der Grenze zu Mexiko, in Brownsville, liegt die Kriminalitätsrate weit über dem amerikanischen Durchschnitt und die Perspektiven für junge Menschen sind denkbar schlecht. Während sie in der Schule noch lernen, dass Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, fallen sie in der Realität bereits in einen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Ausweglosigkeit.
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Die junge österreichische Regisseurin Barbara Eder hat während ihrer Schulzeit selbst ein Austauschjahr in der texanischen Problemstadt verbracht und dort einen Einblick in die Lebenswelt der Jugendlichen unterschiedlichster sozialer Schichten gewonnen. Die Schwierigkeiten, mit denen sie damals konfrontiert war, inspirierten die Burgenländerin zu ihrem Abschlussprojekt „Inside America“ an der Filmakademie Wien.
Dokumentar- und Spielfilm
Für den Film, der seit Donnerstag in österreichischen Kinos zu sehen ist, wählte sie gemeinsam mit Produzentin Constanze Schumann einen ungewöhnlichen Zugang über den Dokumentar- und Spielfilm. Die Protagonisten wurden an Menschen angelegt, die Eder während ihres Auslandsjahrs kennengelernt hatte.

Thimfilm
„Inside America“ porträtiert den Alltag von Jugendlichen an einer Highschool.
Viele von ihnen hat Eder trotz mehrmaliger Rückkehr nie wieder gesehen - weil sie gestorben oder verschwunden waren. Ein Problem, mit dem die zwei Filmemacherinnen auch bei den Dreharbeiten zu kämpfen hatten. Neun Monate vor Drehbeginn waren sie nach Brownsville gereist, um die Darsteller zu casten. „Das war bitter, weil dann vieles anders war“, so Eder in Gespräch mit der APA. „Unser Hauptcharakter war bei Drehbeginn im Gefängnis, ein Zweiter nicht auffindbar, eine Dritte wollte gerade heiraten. Wir haben wieder von vorne anfangen müssen.“
Dreharbeiten ohne Dialogvorgaben
Schließlich gelang es dem österreichischen Team, eine Besetzung aus Laiendarstellern zu finden, mit denen ohne vorgefertigte Dialoge, nach einem Handlungsskript, „Inside America“ entstand. Gedreht wurde dabei auch an Originalschauplätzen wie der Highschool von Brownsville, an der Waffenkontrollen, Drogenrazzien und Gang-Kriege an der Tagesordnung stehen.
An der Schule mit der höchsten Drop-out-Rate in ganz Texas kämpfen sechs Jugendliche aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und ethnischen Gruppen exemplarisch um ein besseres Leben, obwohl sie sich ihrer Ausweglosigkeit wohl bewusst sind.
Kokainsüchtige Cheerleader und dealende Gangs
So sieht man das kokainsüchtige Cheerleader-Mädchen Aimee (Aimee Lizette Saldivar), das - unterstützt durch ihre Mutter - keinen anderen Wunsch hegt, als zum schönsten Mädchen der Schule gekürt zu werden und im Mittelpunkt zu stehen. Ihr Traum zerplatzt, als ihr Freund Carlos (Carlos Benavides), der patriotische Militärschüler, sie mit dem illegal eingewanderten Hausmädchen betrügt und sie zum Gespött der Schule wird.
Ganz andere Probleme haben das Gang-Mitglied Manni (Raul Juarez) und seine Freundin Patty (Patty Barrera). Als Mexikaner ohne Papiere träumen sie von einem besseren Leben, von dem sie wissen, dass es ohne legalen Aufenthaltsstatus niemals wahr werden wird.
Sozialporträt ohne moralischen Zeigefinger
Einen Kommentar oder wertende Dramaturgie sparte die Regisseurin ebenso aus wie Hintergründe über den Spielort Brownsville und die Highschool. Die authentische Mischung von bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller und ein sehr unkonventioneller ästhetischer Ansatz der Regie machen „Inside America“ zu einem berührenden Sozialporträt, ohne dabei auf Betroffenheitskino mit moralischem Zeigefinger zu setzen.
Der Film feierte bei der Diagonale 2009 seine Premiere, seitdem war er auf mehreren internationalen Festivals zu sehen. Beim Saarbrücker Festival Max-Ophüls-Preis wurde der Film als einziger österreichischer Langfilmbeitrag nominiert und mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.
Sophia Felbermair, ORF.at
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