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Berichte über Plünderungen

Angesichts der heftigen Proteste hat die ägyptische Regierung eine nächtliche Ausgangssperre verhängt - entgegen früheren Meldungen allerdings nicht für ganz Ägypten, sondern nur für die Städte Kairo, Alexandria und Sues. Des ungeachtet schien dort die Lage weiterhin chaotisch.

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Viele Ägypter hielten sich etwa in Kairo nicht an die Ausgangssperre. Auf den Straßen waren am Abend immer noch Autos und Demonstranten unterwegs. Nach den mehrstündigen Protesten am „Freitag des Zorns“ soll es zudem zu Plünderungen und Brandstiftungen gekommen sein.

Mubarak schweigt

Offen bleibt, wie Präsident Hosni Mubarak auf die Protestbewegung reagiert. Obwohl Ägyptens Langzeitpräsident bereits vor Stunden eine Ansprache angekündigt hatte, äußerte er sich weiterhin nicht öffentlich. Die Rede könnte Aufschluss darüber geben, ob er noch das Heft in der Hand hat. Unklar ist unter anderem, wer das Militär, das die Polizei in den Straßen von Kairo mittlerweile ablöste, entsandte.

Armeefahrzeug in Kairo

AP/Victoria Hazou

Ein Militärfahrzeug in der Innenstadt von Kairo

In Kairo kam es laut ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary zu Verbrüderungsszenen zwischen Demonstranten und Soldaten. Laut AFP zeigten mehrere Soldaten den Demonstranten das Friedenszeichen, diese wiederum reagierten mit Applaus. Die Armee war auch mit Panzern in Kairo unterwegs. Viele Demonstranten kletterten auf die Militärfahrzeuge, jedoch ohne dass es zu Zwischenfällen kam. „Wir wissen noch nicht, auf welcher Seite die Armee steht“, sagte ein junger Demonstrant, der mit Tausenden Menschen durch den Bezirk Dokki marschierte. „Aber wir alle respektieren die Armee.“

Einheiten der Armee bezogen auch vor dem Ägyptischen Museum im Stadtzentrum Kairos Stellung, um dieses vor möglichen Plünderungen zu schützen. Neben Regierungsgebäuden und dem Staatsfernsehen waren Soldaten auch vor einer Reihe von Botschaftsgebäuden, darunter jene der USA und Großbritanniens, im Einsatz.

Ausschreitungen vor Außenministerium

Auf Fernsehbildern des arabischen Senders al-Jazeera war zu sehen, wie das Hauptquartier der Regierungspartei NDP in Kairo in Flammen stand. Parteiquartiere der NDP waren neben anderen Regierungsgebäuden bereits zuvor in anderen Städten des Landes Ziel der Demonstranten. Laut dem TV-Sender al-Arabija sollen Demonstranten zudem versucht haben, das Außenministerium und das Gebäude des Staatsfernsehens zu stürmen.

Mubarak verhängte Freitagabend für Kairo, Sues und Alexandria eine von 18.00 bis 7.00 Uhr (jeweils Ortszeit; 17.00 bis 6.00 Uhr MEZ) geltende Ausgangssperre. Wieder zurückgezogen wurde von der amtlichen ägyptischen Nachrichtenagentur MENA, dass die Ausgangssperre auf das ganze Land ausgedehnt worden sei.

Ärzte: Mindestens 20 Tote

Trotz Demonstrationsverbots gingen nach dem Freitagsgebet mehr als hunderttausend unzufriedene Menschen im ganzen Land auf die Straßen und verlangten den Rücktritt von Mubarak. Mit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften postierte sich die Polizei in mehreren Städten des Landes, die Behörden drohten den Demonstranten mit „entschlossenen Maßnahmen“. Laut Berichten darf die Polizei auch auf Demonstranten schießen.

Bei Zusammenstößen mit der Staatsgewalt sollen auch mehrere Menschen ums Leben gekommen sein. Allein bei Zusammenstößen in Sues wurden am Freitag nach Angaben von Ärzten mindestens 13 Menschen getötet. Aus Kairo meldeten Rettungskräfte fünf Tote, in Mansura im Norden des Landes starben zwei Menschen. Dabei blieb offen, ob auch Polizisten unter den Opfern waren. Zudem seien im Großraum Kairo etwa 1.030 Menschen verletzt worden.

ElBaradei unter Hausarrest

Erstmals nahm auch der zurückgekehrte Friedensnobelpreisträger und Ex-Diplomat Mohamed ElBaradei an den Protesten teil. ElBaradei, der sich am Donnerstag als Alternative zu Mubarak angeboten hatte, nahm zunächst mit 2.000 Gläubigen am Freitagsgebet auf einem Platz vor einer Moschee im Zentrum Kairos teil.

Mohamed ElBaradei zwischen Demonstranten nach dem Beschuss mit Wasserwerfern

APA/EPA/Khaled el Fiqi

ElBaradei musste vor den Wasserwerfern flüchten.

Im Anschluss begannen Teilnehmer lautstark „Nieder mit Mubarak“ zu rufen. Die Polizei ging daraufhin mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vor. ElBaradei flüchtete sich in die Moschee. Er forderte ein Ende von Gewalt, Verhaftungen und Folter durch die Sicherheitskräfte. ElBaradei wurde anschließend unter Hausarrest gestellt.

Traditionspartei fordert Übergangsregierung

Der Vorsitzende der liberalen Wafd-Partei, Sajjid al-Badawi, forderte Freitagabend die Bildung einer Übergangsregierung und eine Änderung der Verfassung. Gleichzeitig betonte er, seine Partei lehne in dieser kritischen Phase „jede ausländische Einmischung“ ab. Die Wafd-Partei gilt als Traditionspartei. Sie war die erste politische Gruppe, die sich in der unübersichtlichen Situation in Kairo zu Wort meldete.

Gouverneurssitz in Alexandria in Flammen

Auch in Ägyptens zweitgrößter Stadt Alexandria ging die Polizei mit Tränengas und Gummigeschoßen gegen mehrere tausend Demonstranten vor. „Wir wollen ihn nicht“, riefen sie mit Blick auf Mubarak. Am Nachmittag stand in Alexandria der Sitz des dortigen Gouverneurs in Flammen.

Demonstration in Ägypten

AP/Muhammed Abu Zaid

Die Demonstranten prallen mit den Sicherheitskräften zusammen.

Auch in der Stadt al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel protestierten nach Angaben von Augenzeugen mehrere zehntausend Menschen gegen die Regierung. Auch in den Provinzen Somiat, Dmanhur, Mansura und Manufija kam es zu Ausschreitungen. Friedliche Demonstrationen gab es in den südlichen Städten Luxor, Kena und Assuan.

Internet und Handyverbindungen abgedreht

Da Demonstrationen in Ägypten meist nicht geduldet werden, benutzen die Regimegegner häufig das Freitagsgebet, um sich trotzdem zu versammeln. Damit sich die Demonstranten untereinander nicht absprechen können, hatte die Regierung am Freitag das Internet und Handynetz gekappt. Die Polizei attackierte auch Journalisten und nahm Kamerateams ihre Aufzeichnungen ab.

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