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Wie werden die Gewinne erzielt?

Nach jahrelangem Druck der Wall Street verspricht die US-Großbank Goldman Sachs mehr Einblick in ihr Geschäftsgebaren. Das mächtige Finanzhaus will Investoren und Aufsichtsbehörden künftig detaillierter offenlegen, wie es sein Geld verdient. Außerdem sollen Kunden besser über Interessenkonflikte der Bank informiert werden.

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Das alles sieht ein 39-Punkte-Plan vor, den das Management Mitte Jänner vorlegte. Als zentrales Ziel wird darin die Absicht genannt, den ramponierten Ruf des 142 Jahre alten Wall-Street-Giganten wiederherzustellen. Goldman reagierte damit auf Beschwerden von Aktionären und Kunden, die mehr Transparenz in den Bilanzen und über die Geschäftsinteressen fordern. Goldman gleiche in seinem Vorgehen eher einem Hedgefonds als einer Bank, lautet der Vorwurf.

Insbesondere sagt Goldman nun zu, mehr Einzelheiten über die Herkunft seiner Einnahmen im Handelsgeschäft zu liefern. Dabei geht es um die Frage, ob die Banker das Geld durch die Abwicklung von Kundenaufträgen oder Geschäfte auf eigene Rechnung erwirtschaften.

„Wir sind in vielen Bereichen aktiv“

Ferner kündigte die Bank die Schaffung von drei neuen Komitees an. Sie sollen potenzielle neue Geschäftsfelder genau unter die Lupe nehmen, die Eignung von Finanzprodukten für Anleger prüfen und einen fairen Umgang mit Kunden sicherstellen.

„Wir sind in vielen Bereichen aktiv, unter anderem als Berater, Vermögensverwalter, Wertpapierhändler und Emissionsbank“, heißt es in dem 63-seitigen Bericht. „Wir müssen uns selbst und unseren Kunden gegenüber im Klaren sein, um welchen Bereich es geht und welche Pflichten wir eingegangen sind.“ Manche Investoren hatten Goldman vorgehalten, auf ihre Kosten den eigenen kurzfristigen Nutzen zu verfolgen.

Schwierig selbst für Experten

Selbst ausgewiesene Experten taten sich bisher schwer, im Detail nachzuvollziehen, wie Goldman seine Einnahmen erzielt. Analysten und Investoren monieren einhellig, die Informationspolitik sei mangelhaft, Gewinnschätzungen äußerst schwierig, die Bank gleiche einer „Black Box“.

Goldman war in der Finanzkrise wegen hoher Bonuszahlungen unter Beschuss geraten, zudem kratzten Betrugsvorwürfe rund um den Verkauf komplexer Wertpapiere am Image. Eine Anklage der US-Börsenaufsicht SEC wurde gegen eine Zahlung von 550 Mio. Dollar (425 Mio. Euro) eingestellt. Dass die Bank nun einen Kurswechsel einleitet, dürfte aber vor allem auf politischen Druck und die US-Finanzreform zurückgehen.

„Was ist die wahre Kraft?“

Mit der Reform des Finanzmarktes soll die Branche krisenfest gemacht werden. Kernbestandteil ist die nach dem Regierungsberater und ehemaligen Notenbank-Chef Paul Volcker benannte Regel, die riskante Finanzgeschäfte eindämmen soll: Demnach müssen die Institute nicht nur den Eigenhandel eindampfen, sondern auch ihre Investitionen in Private-Equity- und Hedgefonds auf ein Minimum reduzieren.

Der Bericht befasst sich überwiegend mit Fragen der Aufsicht und Offenlegung. Empfehlungen für Änderungen in der Praxis des Alltagsgeschäfts finden sich darin kaum. Immerhin schlägt der von Kritikern als arrogant bezeichnete Finanzriese in dem Bericht einen zurückhaltenderen Ton an. Der umstrittene Konzernchef Lloyd Blankfein hatte bereits im April vergangenen Jahres in einer Anhörung vor dem US-Senat eine „große Seelenerforschung“ seines Hauses in Aussicht gestellt.

Analysten werteten den Bericht als Schritt in die richtige Richtung, dem aber weitere folgen müssten. „Was die Investoren jetzt wirklich wissen wollen, ist: Welche ist die wahre Kraft, die die Gewinne des Unternehmens antreibt?“, sagte Alan Villalon von Nuveen Asset Management.

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