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Scherze unter der Gürtellinie

Schon mit seinem ersten Satz hat Ricky Gervais als Moderator seine Marschroute bei der Golden-Globes-Gala vorgegeben: „Es wird eine Nacht der Party und der Alkoholexzesse. Oder wie Charlie Sheen es nennt: Frühstück.“ Es folgte ein Pointenfeuerwerk, das so manchen im Saal eher die Luft wegbleiben ließ. Doch dann hatte Gervais lange Sendepause – Grund genug für viele Spekulationen.

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Für über eine Stunde war Gervais nicht zu sehen. Auf Twitter und in Blogs, die die Show live begleiteten, fragten sich schon etliche, wo er denn bleibe. „Hat man ihn erschossen?“, fragten sogar einige User halb ironisch, berichtet der „Guardian“.

„Völlig inakzeptabel“

„Hat die Hollywood Foreign Press Association Gervais noch während der Show gefeuert?“, fragte sich etwa der Hollywood-Journalist Lewis Kay – schließlich war Gervais auch über den Veranstalter und deren Chef Philip Berk („Ich musste ihm gerade vom Klo helfen und seine Zähne reinstopfen“) hergezogen.

Als Gervais schließlich zurückkam, wirkte er deutlich kleinlauter, sagten Kommentatoren, die spekulierten, ob er in der Pause einen Maulkorb verpasst bekommen habe. Berk sagte am Montag dem „Hollywood Reporter“: „Er hat die Linie überschritten. Einige der Dinge waren völlig inakzeptabel.“ Dass Gervais während der Show aber auf Linie gebracht oder sogar von Moderationen abgezogen worden sei, bestritt er aber.

Spitze gegen Scientologen

Tatsächlich hatte Gervais mit seinen Scherzen da und dort weit unter die Gürtellinie gezielt. Allen voran bei einem Gag, der wohl John Travolta und Tom Cruise gelten sollte: Der Film „I Love You Phillip Morris“ sei nicht nominiert worden: „Jim Carrey und Ewan McGregor, zwei heterosexuelle Schauspieler, die vorgeben, schwul zu sein. Also das komplette Gegenteil zu einigen berühmten Scientologen.“ Vor allem hier war das Raunen im Publikum lauter als das Gelächter. „Meine Anwälte haben mir bei der Formulierung dieses Witzes geholfen“, ergänzte Gervais.

„The Tourist“ im Visier

Auch den nach schlechten Kritiken überraschend nominierten Film „The Tourist“ nahm er aufs Korn: „Es war ein großes Jahr für 3-D-Filme. ‚Toy Story‘, ‚Ich - einfach unverbesserlich‘, ‚Tron‘. Es scheint, als ob heuer alles dreidimensional war. Außer die Figuren in ‚The Tourist‘.“ Wobei ihm der Witz jetzt schon leid tue. Er sei nur ein Trittbrettfahrer und habe den Film gar nicht gesehen: „Aber wer hat das schon?“

Doch damit nicht genug: Er würde gerne mit dem lächerlichen Gerücht aufräumen, dass der einzige Grund für die Nominierung von „The Tourist“ gewesen sei, dass die Auslandspresse mit den Hauptdarstellern Johnny Depp und Angelina Jolie herumhängen kann: „Das ist nicht der einzige Grund: Sie haben Bestechungen akzeptiert.“

Stars reihenweise abgewatscht

Quasi im Vorbeigehen zog Gervais dann über Cher her („Wollen Sie Cher sehen? Nein. Und wieso nicht? Weil nicht 1975 ist.“), und auch die Darstellerinnen von „Sex and the City“ bekamen ihr Fett ab: Er sei sich sicher gewesen, der Golden Globe für Spezialeffekte würde an das Team gehen, das das Filmplakat mit dem Airbrush bearbeitet habe. Man wisse schließlich, wie alt die Darstellerinnen sind: „Eine von euch habe in einer Folge von ‚Bonanza‘ gesehen.“

Auch Mel Gibson, Tim Allen, Sylvester Stallone und Robert Downey Jr., verschonte Gervais nicht. Zumindest die Anwesenden zeigten sich nicht besonders amüsiert. Vor allem Bruce Willis, den Gervais als Vater von Ashton Kutcher, dem Mann seiner Ex-Frau Demi Moore, ankündigte, reagierte eher pikiert.

„Werden mich nicht mehr einladen“

Die US-Presse zeigte sich gespalten. Während die einen jubelten, fanden andere die Scherze zwischen „geschmacklos“, „vorhersehbar“ und „wenig inspiriert“. „Er wird es wohl heute Nacht nicht schaffen, aus der Stadt zu kommen“, scherzte Hollywood-Produzent Harvey Weinstein laut BBC.

Der britische Comedian, der 2004 für seine Hauptrolle in „The Office“ selbst einen Golden Globe erhielt, hatte bereits vergangenes Jahr die Gala moderiert. „Ich glaube, ich bin da nicht weit genug gegangen, weil sie mich wieder eingeladen haben“, sagte er im Vorfeld der heurigen Verleihung. „Also mache ich es wieder, mache eine guten Job und ich garantiere, dass sie mich dann nicht mehr einladen werden.“ Davon geht nun auch die „New York Times“ aus: „Es war die zweite Chance für Gervais, der Gastgeber bei den Golden Globes zu sein, er wird wohl keine dritte bekommen.“

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