Themenüberblick

Geschäfte mit Kulterer

Während seine Produkte regelmäßig in den Schlagzeilen sind, hält sich Firmenchef Gaston Glock so gut wie möglich vom Rampenlicht fern. Doch dieser Tage sind beide im Blickpunkt der Öffentlichkeit: So verwendete der Schütze von Arizona bei seinem Attentat eine Glock 19. Praktisch zeitgleich zeigten heimische Medien Geschäftsverbindnungen des Industriellen Glock mit der Hypo Group Alpe Adria auf.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Für jedes andere Produkt, das im Zusammenhang mit einem Anschlag mit sechs Toten in Zusammenhang steht, wäre es das pure PR-Gift. Die US-Waffenbranche tickt aber offenbar ganz anders. Die Nachfrage nach Waffen und insbesondere nach Glock-Pistolen ist rasant gestiegen, vor allem auch in Arizona selbst.

Nachfrage verdoppelt

„Wir verkaufen doppelt so viel als gewöhnlich“, sagte Greg Wolff, Besitzer von zwei Waffengeschäften in Arizona, gegenüber der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Auch der Waffenhändler Steve Zacher berichtete gegenüber der „Vancouver Sun“ in seinem Geschäft eine Verdoppelung des Absatzes bei Waffen.

Bei Magazinen, vor allem solchen mit bis zu 33 Schuss, sei die Nachfrage um 400 bis 500 Prozent gestiegen. Der Täter Tucson hatte ein solches Magazin verwendet, was einem laufenden Gesetzesantrag auf ein US-weites Verbot zumindest ein bisschen mehr Chancen einräumt.

Im Tagesvergleich zum Vorjahr wurden in Arizona am Montag nach der Tat insgesamt um 60 Prozent mehr Waffen verkauft als im Vorjahr, nämlich 263, berichtete Bloomberg unter Berufung auf FBI-Daten. In Ohio stiegen die Verkäufe um 65 Prozent, in Illinois um 28 Prozent und in New York um ein Drittel. In den USA insgesamt stieg sie um fünf Prozent auf 7.906 Waffen, die an einem Tag verkauft wurden.

Angst vor Verbot

Wenn so etwas passiert, fürchten die Leute, dass die Regierung etwas verbieten wird", erklärte Wolff. Andere vermuten Furcht hinter dem Run auf Waffen: „Immer nach so einem großen Ereignis, vor allem wenn es in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert, neigen die Leute dazu, etwas zum Schutz ihrer Familie zu kaufen“, sagte Waffenhändler Don Gallardo.

Auch wenn Tagesdaten wie auch einzelne Händleraussagen nicht repräsentativ sind, das Phänomen ist bekannt. Auch nach dem Massaker an der Virginia Tech im April 2007, als ein Student auf dem Campus in Blacksburg unter anderen mit einer Glock 32 Menschen und sich selbst getötet hatte, zogen die Verkäufe an.

Glock half Kulterer

In ganz andere Schlagzeilen geriet zuletzt der Firmenchef Gaston Glock. Wie der „Standard“-berichtete, kaufte er 2010 rund 22 Hektar Grund vom Ex-Chef seiner Hausbank, dem Ex-Vorstandschef der Hypo Group Alpe Adria, Wolfgang Kulterer. Der konnte den kolportierten Kaufpreis von rund zwei Millionen Euro offenbar gut brauchen, war er doch in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Kurz zuvor hatte Kulterer bereits seinen Reitstall in Muraunberg an Erich Schumach verkauft. Dieser war bis 2009 oberster Steuerfahnder in Kärnten und ist seit 2008 Vorstandsmitglied von Glocks Privatstiftung. Die abrupten Verkäufe trugen laut der Zeitung zu Kulterers Inhaftierung bei, da die Justiz Fluchtgefahr vermutete.

Drei Millionen in bar übernommen?

Weit mysteriöser sind aber ebenfalls kolportierte frühere Finanztransaktionen zwischen Kulterer und Gaston Glock. Wie der „Kurier“ am Wochenende berichtet hatte, sagte Leo Grötschnig, Anwalt der „CSI Hypo“, Kulterer habe die drei Millionen Euro, die er 2005 in Liechtenstein in bar von einem Konto der dortigen Hypo abgehoben hatte, Gaston Glock übergeben. Das habe der Verteidiger von Kulterer, Dr. Ferdinand Lanker, mündlich ausgesagt, aber nie schriftlich bestätigt.

Der Chef der Finanzprokuratur, Wolfgang Peschorn, sprach deshalb nur von Gerüchten und Andeutungen. Von Glock und seinen Unternehmen gab es keine Stellungnahmen. Die drei Millionen stammen ursprünglich von einem Schweizer Konto, von dem auch 51 Millionen in die Karibik überwiesen worden waren. Deren Verbleib ist weiterhin unklar.

Links: