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Kampf gegen Castingshow

Jahrelang ist der Spitzenplatz der britischen Weihnachtscharts fest in der Hand von Castingshow-Gewinnern gewesen. Nun macht sich schon zum zweiten Mal eine auf Facebook organisierte Gruppe daran, die Herrschaft der meistens besonders kitschigen Balladen zu brechen.

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Mehr als 40 britische Bands und Musiker - darunter Bloc Party, Billy Bragg sowie Mitglieder von Madness und den Kooks - gingen gemeinsam ins Studio, um eine Kampfansage an die Sendung „X-Factor“ und Hoffnungsträger der mittlerweile über 85.600 Facebook-Fans zu produzieren. Statt klassischer Weihnachtshitzutaten wie Chorälen und pathetischer Texte nahm man sich heuer eine ganz besondere Coverversion vor: John Cages legendäres - und komplett tonloses - Musikstück „4'33“.

Das als „Meisterwerk des musikalischen Minimalismus“ geltende Werk stammt aus dem Jahr 1953, es dauert exakt vier Minuten und 33 Sekunden und wurde für ein Orchester komponiert, das in dieser Zeit keinen Ton auf seinen Instrumenten spielt.

Cage Against The Machine bei der Aufnahme von John Cages "4'33"

CATM/Lawrence Watson

Mehr als 40 Musiker versammelten sich im Studio, um gemeinsam zu schweigen.

Der Nummer-eins-Titel zu Weihnachten gilt in Großbritannien als besonders prestigeträchtig, jedes Jahr wetteifern mehrere Interpreten um die Auszeichnung. 2009 gründeten zwei Facebook-Mitglieder im Scherz eine Gruppe, die dazu aufforderte, aus Protest möglichst oft „Killing in the Name“, einen Song aus dem Jahr 1992 von Rage Against The Machine, zu kaufen und zur Nummer eins zu machen. Die Idee verselbstständigte sich und am Ende der Woche hatte sich der Song etwa eine halbe Million Mal durch Downloads verkauft.

Rekord an Downloads in einer Woche

Obwohl auch der „X-Factor“-Gewinner Joe McElderry mit seinem Song „The Climb“ gemessen an den vorhergehenden „X-Factor“-Kandidaten durchaus gut verkaufte, blieb er um 50.000 Stück hinter Rage Against the Machine zurück und kam nur auf Platz zwei.

Der britische Musiker Pete Doherty

APA/EPA/Keystone/Peter Klaunzer

Pete Doherty hatte seine Teilnahme an der Aktion angekündigt, verpasste dann aber die Aufnahme.

„Killing in the Name“ gelang durch diese Initiative zudem der Rekord der höchsten Downloadanzahl eines Tracks in einer Woche. Während „The-X-Factor“-Juror Simon Cowell die Kampagne als „Hass-Mob“ bezeichnete, erfuhr sie von Musikern wie Dave Grohl, Paul McCartney und Muse Unterstützung.

Der Titel der heurigen Initiative, „Cage Against The Machine“, hat sich den Erfolg von „Killing in the Name“ zum Vorbild genommen - und darum auch den Komponisten Cage mit der Band Rage Against The Machine verschmolzen.

Mehrere Konkurrenten im Rennen

„4'33“ ist in diesem Jahr aber nicht die einzige Konkurrenz für „X-Factor“-Gewinner Matt Cardle, der mit einer Coverversion des Songs „When We Collide“ des schottischen Rocktrios Biffy Clyro in die Hitlisten will. Auch ein Orden französischer Nonnen will zu Weihnachten an der Spitze der britischen Charts stehen. Der Titel „Adoro te“ von The Nuns of Notre Dame de l’Annociation erschien ebenfalls am Montag.

Sollte „4'33“ es trotzdem schaffen, sämtliche Konkurrenten auszustechen, wäre in diesem Jahr die stille Nacht, zumindest auf britischen Radiosendern, womöglich erstmals wirklich still. Und die Tontechniker der BBC müssten, wie bereits bei der britischen Erstausstrahlung 2004, das Notsystem deaktivieren, das bei plötzlichen Programmausfällen automatisch Alarm schlägt.

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