Lob von allen Seiten für Espinosa
Auf der internationalen Bühne ist die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa bisher kaum aufgefallen, in Cancun aber wurde sie zum großen Star. Mehrere Minuten spendeten ihre Ministerkollegen aus aller Welt stehend Beifall. Die 52-Jährige genoss die Zustimmung sichtlich.
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Die Diplomatin und zweifache Mutter zeigte bei den UNO-Klimaverhandlungen, dass sie nicht nur eine geschickte Unterhändlerin ist, sondern auch Durchgreifen kann. Als sich Bolivien als einziges der über 190 Länder dem von ihr vorgelegten Kompromiss stur über Stunden widersetzte und damit das gesamte Verhandlungswerk zu scheitern drohte, machte sie dem entschlossen ein Ende. Auch ohne die Zustimmung der Bolivianer ließ sie den Hammer niederknallen und erklärte das Abkommen des Gipfels im Badeort Cancun für angenommen. Sie erntete Lob von allen Seiten.
Zahlreiches Lob und „Vergöttlichung“
„In dieser Nacht haben Sie mehr Lob bekommen, als die Mehrheit der Menschen in ihrem ganzen Leben erhalten wird“, sagte der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg anerkennend. Der indische Umweltminister Jairam Ramesch war so begeistert von der Leitung der UNO-Klimakonferenz durch Espinosa, dass er sie zur „Göttin“ erklärte. Zu nächtlicher Stunde lobte Ramesch die ausgewogene Art und Weise, in der die Konferenzpräsidentin Standpunkte aller Seiten berücksichtigt habe.
„Der große mexikanische Revolutionsführer Porfirio Diaz hat gesagt: ‚Die große Herausforderung für Mexiko ist, dass es sich sehr dicht bei seinem nördlichen Nachbarn befindet, aber sehr weit weg von Gott‘“, sagte Ramesch. „Aber heute Nacht, ist Gott sehr dicht bei Mexiko gewesen“, fügte er hinzu, denn „eine Göttin ist heute hier gewesen.“
Obama: Exzellente Arbeit von Mexiko
US-Präsident Barack Obama gratulierte seinem mexikanischen Kollegen Felipe Calderon. Mexiko habe bei der Konferenz exzellente Arbeit geleistet und es geschafft, mit dem verabschiedeten Klimaschutzpaket auf das historische Abkommen von Kopenhagen aufzubauen, sagte Obama in dem Telefonat am Samstag, wie das Weiße Haus in Washington mitteilte. Das Gipfelergebnis habe den Kampf gegen den Klimawandel vorangebracht.
Offenheit statt Mauschelei
Espinosa hatte sich viel Respekt erworben, weil sie sich sehr um eine transparente Verhandlungsführung bemühte. So wurde die Bildung kleinerer Verhandlungs- und Arbeitsgruppen nicht in Hinterzimmern ausgepokert, sondern offen im Plenum besprochen. Parallelverhandlungen wurden möglichst vermieden.
Auch durften Delegierte als Beobachter an Verhandlungen im kleinen Kreis teilnehmen, für die ihr Land nicht ausgewählt wurde. Mit diesem Vorgehen grenzte sich Espinosa deutlich von den teils chaotischen Abläufen der gescheiterten Vorgängerkonferenz von Kopenhagen ab, wo Vorfestlegungen und unklare Einladungsprozeduren für großen Ärger gesorgt hatten.
Botschafterin in Wien und Berlin
In den vier Jahren an der Spitze des mexikanischen Außenministeriums hatte sie nie derart auf dem Weltparkett geglänzt. Präsident Felipe Calderon holte Espinosa Ende 2006 in sein Kabinett. Damals war sie Botschafterin in Wien. Zuvor hatte sie diesen Posten von 2001 bis 2002 in Berlin inne.
Espinosa besuchte als Kind die deutsche Alexander-von-Humboldt-Schule in Mexico City. Ihre Deutschkenntnisse perfektionierte sie später bei einem einjährigen Aufenthalt im deutschen Ahrensburg. Nach dem Studium der Internationalen Beziehungen wurde sie Karrierediplomatin. In den 1990er Jahren war sie unter anderem mehrere Jahre an der UNO-Vertretung Mexikos in New York tätig und später an Verhandlungen der lateinamerikanischen Staaten mit der Europäischen Union beteiligt.
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