Zeitung: Merkel wollte Tschechen und Polen in Euro-Zone locken
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nach Angaben der tschechischen Tageszeitung „Lidove noviny“ (Samstag-Ausgabe) heuer den Regierungschefs Tschechiens und Polens vorgeschlagen, dass ihre Länder der Euro-Zone beitreten. Deutschland will demnach die Position des „mit Verantwortung wirtschaftenden Nordens“ gegenüber dem „verschwenderischen Süden“ in der Euro-Zone stärken.
„Wir möchten Euch im Club (Euro-Zone, Anm.) sehen“, soll Merkel dem tschechischen Premier Petr Necas bei seinem Besuch in Berlin im September gesagt haben. Zuvor habe sie dasselbe auch dem polnischen Regierungschef Donald Tusk gesagt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf nicht genannte „Quellen aus dem Umkreis“ von Necas.
Kein Kommentar aus Prag
Weder von Necas noch von Tusk habe Merkel eine entgegenkommende Antwort bekommen. Nach dem Euro-Beitritt müssten nämlich die neuen Mitglieder an der Hilfe für die bankrottgefährdeten Länder der Euro-Zone beteiligt sein, schreibt das Blatt mit Hinweis auf Protokolle aus Gesprächen von Necas mit Merkel.
Necas wollte das nicht kommentieren. „Ich weiß nicht, warum ich mehr sagen sollte, als das, was wir damals auf der Pressekonferenz gesagt haben. Die Protokolle haben einen vertraulichen Charakter“, sagte der Premier im Interview mit der Zeitung.
„Agrarischer Süden“ dominiert
„Lidove noviny“ schrieb weiter, dass Deutschland bei Verhandlungen mit dem „verschwenderischen Süden“ in die Minderheit geraten sei. Jetzt habe Deutschland an seiner Seite nur die Niederländer, Österreicher, Finnen und Slowaken. Die Verhandlungen würden von dem „agrarischen Süden“ dominiert, mit Frankreich an der Spitze, das von den Spaniern, Italienern, Portugiesen, Belgiern, Griechen und Iren unterstützt werde.
Necas sagte „Lidove noviny“, dass er „keinen großen Grund“ dafür sehe, warum Tschechien jetzt den Beitritt zur Euro-Zone beantragen sollte. „Ich denke nicht, dass es dazu in absehbarer Zeit kommt. Bestimmt nicht unter meiner Regierung“, betonte Necas, dessen Premier-Amtszeit 2014 zu Ende geht.