Beschwerde bei Barroso
Einen heftigen politischen Kampf hat sich Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader mit seiner Nachfolgerin Jadranka Kosor geliefert. Das mündete sogar in einer schriftlichen Beschwerde Sanaders an EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso, in der er darauf hingewiesen hatte, dass er „politisch verfolgt“ werde.
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Sanader wähnte sich als Opfer einer Medienkampagne, die Ministerpräsidentin Kosor und Parlamentspräsident Vladimir Seks von seiner ehemaligen Partei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) gegen ihn gestartet hätten. Der Grund dafür waren Berichte der Zeitung „Jutarnji list“, wonach Sanader und seine Familie eine teure Wohnung in New York gekauft oder gemietet hätten und wertvolle Bilder, unter anderen von Pablo Picasso, gekauft hätten.
Beide Seiten ritten heftige Attacken gegeneinander - mit Vorwürfen der Unfähigkeit, Lügen und Verleumdungen. Wenn er das größte Übel gewesen sei, warum seien Kosor und Seks ihm treu mehr als zehn Jahre gefolgt, fragte Sanader.
Überraschender Rücktritt
Sanader war im Juli 2009 überraschend von seiner Funktion als Regierungschef zurückgetreten und hatte Kosor zu seiner Nachfolgerin nominiert. Im Jänner 2010 versuchte er mit einem „Putsch“, wieder an die Macht zu kommen, wurde von Kosor aber im Eilverfahren aus der HDZ ausgeschlossen.
Im Oktober schließlich aktivierte er sein Mandat im Sabor, kehrte ins Parlament zurück und sorgt seither für Unruhe in seiner ehemaligen Partei.
Spitzenpolitiker verhaftet
Die politische Gemengelage ist schwer zu durchschauen. Unklar bleibt, was Intrige, Rache, Lüge und was wirkliche Tatsachen sind. Jedenfalls sind in den 15 Monaten der Regierung Kosor rund 40 Spitzenpolitiker und -funktionäre verhaftet worden. Der frühere Vizepremier Damir Polancec muss wegen Korruption 15 Monate ins Gefängnis, der Prozess gegen den Verteidigungsminister läuft.
Staatspräsident Ivo Josipovic schätzt, dass Kroatien jährlich 12,5 Milliarden Kuna (700 Millionen Euro) durch Korruption verliert. Der „Kopf des Korruptionskraken“ soll Sanader sein, behaupten die Medien und die Opposition seit Wochen über den Mann, der sich vom „kroatischen Adenauer“ zum bestgehassten Politiker entwickelt hat.
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