Einer für alles
Im Juli 2009 hat Google die IT-Welt mit einer starken Ansage überrascht: Bis Ende 2010 wollte der Konzern ein Betriebssystem auf den Markt bringen, auf dem nur ein einziges traditionelles Programm laufen würde - der Webbrowser Chrome. Die restliche Software für Chrome OS sollte aus dem Netz kommen. Das sei sicherer und effizienter als traditionelle Systeme wie Windows, meint Google.
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Chrome OS besteht aus einem Linux-System, das auf seine wesentlichen Komponenten reduziert wurde und hauptsächlich dazu dient, Googles mittlerweile bewährten Webbrowser Chrome zu starten. Das neue Betriebssystem ist für den Einsatz auf kompakten Mobilgeräten optimiert, die ihren Nutzern schnellen und unkomplizierten Zugriff aufs Netz bieten sollen.
Programme wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und einfache Bildbearbeitungssoftware laufen bei Chrome OS als Web-Apps direkt im Browser, auch die vom Nutzer erzeugten Dokumente möchte Google entweder auf den eigenen Servern oder auf den Maschinen anderer Speicherdienstleister im Netz sehen.
Programme und Daten im Netz
Chrome OS kann aber auch auf lokale Speichermedien wie externe Festplatten und USB-Sticks zugreifen. Als Bootmedium nutzt Chrome OS keine Festplatte, sondern SSD-Speicher. Viele Browserapps, wie beispielsweise Googles Onlinebürosoftware Docs & Spreadsheets, verfügen auch über einen Offlinemodus, so dass der Nutzer auch dann weiterarbeiten kann, wenn das System gerade keine Verbindung zum Internet hat.
Die Root-Partition, also der Bereich, in der das Betriebssystem steckt, ist aus Sicherheitsgründen schreibgeschützt. Bei jedem Start und bei jedem Systemupdate - Chrome wird im Hintergrund von Google permanent aktuell gehalten - prüft das System, ob die Signaturen der ausgeführten Programme intakt sind. Falls nicht, tritt ein Notfallprozess in Kraft, und das System startet von der gesicherten Partition neu.
Schutz vor Schadsoftware
Chrome OS verfügt über ein integriertes Backup-System, das sich auch alle Einstellungen des Nutzers merkt, so dass bei einem solchen Sicherheitsneustart keine Daten verloren gehen. Google verspricht den Anwendern auch Schutz vor Viren und anderer Schadsoftware.
Der Nutzer arbeitet nicht unter Administratorrechten, und jedes Browserfenster von Chrome OS läuft als eigener Prozess unabhängig von den anderen. Sprich: Wenn in einem Fenster eine Schadsoftware läuft, sollen deren Aktivitäten auf dieses eine Fenster beschränkt bleiben.
Entwicklung parallel zu Android
Das Konzept, das Betriebssystem auf die notwendigsten lokalen Komponenten abzumagern und die Software „aus dem Netz“ zu holen, ist freilich alles andere als neu. Es wurde unter anderem in den 1990er Jahren im Rahmen des Java-Booms von Sun verfolgt - mit anderen Details und unter anderen Voraussetzungen bei Technik und Infrastruktur.
Nicht zu verwechseln ist das neue Browser-OS mit Googles weit verbreitetem Mobilbetriebssystem Android, so laufen Android-Programme nicht in Chrome OS. Google stellte allerdings in Aussicht, dass die beiden Systeme langfristig zusammenwachsen werden. Chrome OS ist ein freies Betriebssystem, das unter der BSD-Lizenz steht. Mitte November 2009 veröffentlichte Google den Quellcode des Projekts unter dem Namen Chromium OS im Internet. Der Unterschied zwischen Chrome und Chromium besteht darin, dass Ersteres von Google verwaltet und Zweiteres von der Entwicklergemeinde frei verbessert und verändert werden kann.
Günter Hack, ORF.at
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