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Kinder brauchen Bücher

Die erste Aufgabe von Kinderbüchern ist es, Kindern Lust aufs Lesen zu machen. Diese Aufgabe wird auch heuer wieder von einigen Neuerscheinungen bravourös gemeistert. Von Mutmach-Geschichten für kleine Leser und Zuhörer bis zu Fantasy-Romanen für Teenager reichen die empfohlenen Bücher.

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Gerade bei den Büchern für junge Menschen ist es aber nicht zuletzt von Bedeutung, dass sie auch den Qualitätsansprüchen von Erwachsenen genügen. Schließlich will man beim Vorlesen nicht einschlafen. Im Fall der hier vorgestellten Bücher kann man sagen: Vorlesen regt an.

Buchcover von "Zogg"

Beltz Verlag

Drache will gelernt sein

Zogg ist der größte kleine Drache in seiner Klasse, wo er alles lernt, was ein Drache können muss. Doch tut er sich beim Fliegen, Brüllen und Feuerspeien ziemlich schwer. Zum Glück taucht immer rechtzeitig ein nettes Mädchen auf, das Zogg aus der Patsche hilft. Doch dann kommt die schwerste Prüfung: Zogg muss eine echte Prinzessin entführen. Woher soll er die nehmen? Ganz nebenbei handelt die Geschichte auch von der Emanzipation einer Prinzessin, die lieber Ärztin werden möchte, und von einem Ritter, der sich endlich nützlich machen will. Reizendes und quietschbunt illustriertes, in Reimen erzähltes Bilderbuch aus der Werkstatt von Donaldson/Scheffler.

Julia Donaldson (Text), Axel Scheffler (Illustrationen): Zogg. Beltz & Gelberg, 32 Seiten, 12,95 Euro, ab drei Jahren.

Buchcover von "Kaugummi und Verflixungen"

Picus Verlag GmbH

Die „Verflixungen“ des Lebens

Es gibt ein eigenes Genre innerhalb der Kinderliteratur. Man könnte es „Selbstermächtigungsbücher“ oder „Starkmachbücher“ nennen. Ein besonders gelungenes Werk dieser Kategorie ist Andrea Karimes „Kaugummi und Verflixungen“. Ihr Text und die großartigen Bilder von Anne-Kathrin Behl verlassen ausgetretene Pfade und überraschen durch kleine Skurrilitäten, die das Buch trotzdem für Kinder nicht langweilig werden lassen - was sonst bei allzu ambitionierter künstlerischer Herangehensweise oft passiert. Die Story ist einfach und stark: Der grauhaarige Außenseiter in der Klasse lernt das Mädchen Huma kennen und mit ihr die Freundschaft. Gemeinsam ertragen sich die „Verflixungen“ des Lebens leichter.

Andrea Karime: Kaugummi und Verflixungen. Picus, 72 Seiten, 14,90 Seiten, ab sechs Jahren.

Monster oder Angsthasen?

Erik und Max müssen für ein paar Tage zu Tante Gerda. Dort ist es leider recht fad. Was die Buben nicht wissen: Gleich in der Nähe, im finstern Wald, leben drei Monster, sämtlich „hässlich, gierig und stur“. Sie haben immer Hunger - und nach Monsterart vor allem Appetit auf kleine Kinder. Da es im Wald an solchen magelt, nehmen sie einstweilen mit Regenwürmern und Ameiseneiern vorlieb, bis es zu einer vielversprechenden Begegnung kommt ... Gar nicht zum Fürchten sind die drei Monster Hurgall, Hobroff und Hilmerald, denn sie sind nicht nur dumm, sondern zum Glück für die Kinder auch sehr feig. Lustiges, harmloses Selberlesebuch mit zartem Gruselfaktor.

Sakia Hula (Text), Tizia Hula (Illustrationen): Mahlzeit, Monster! Obelisk, 80 Seiten, 11,95 Euro, ab sechs Jahren.

Handverlesene Betthupferl

Daniel Kampa hat für den Diogenes-Verlag „Ratzfatz“ zusammengestellt - „die schnellsten Vorlesegeschichten der Welt“. Die handverlesenen Texte sind von höchster Qualität und lassen sich alle in ein bis fünf Minuten vorlesen. Die Geschichten und Gedichte, die hier versammelt sind, geben den Kleinen, ohne dass sie es bemerken werden, einen Überblick über die Gattungen und die Literaturgeschichte. Die Liste der Verfasser kann sich sehen lassen: von den Brüdern Grimm über Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Rene Goscinny bis zu Astrid Lindgren, Maurice Sendak, Tomi Ungerer, John Irving und Doris Dörrie. Ein wildes, lustiges kleines Buch.

Daniel Kampa (Hrsg.): Ratzfatz. Die schnellsten Vorlesegeschichten der Welt. Diogenes, 224 Seiten, 15,40 Euro, ab sechs Jahren.

Kein Kitschalarm bei diesem Pferdebuch

Barbara Frischmuths Kinderbücher sind eine Freude - auch für Eltern zum Vorlesen. Ihr Buch „Ida und Ob“ schrieb sie Anfang der 70er Jahre, nun wurde es in einer schönen Ausgabe in der Edition O neu aufgelegt. Und weil es nicht zuletzt um Pferde geht, liegen dem Buch sechs Pferdepostkarten bei. „Ida und Ob“ erzählt von einem Mädchen, das in den Ferien zum Onkel aufs Land fahren muss und dort zumindest genug erleben sollte, um den Freunden zu Hause etwas erzählen zu können. Aber das ist schwierig in Oberquetschbrunningen. Das Buch ist alles - nur kein seichter Pferdeschmachtroman. Eine Empfehlung für Mädchen und Buben gleichermaßen.

Barbara Frischmuth: Ida und Ob. Edition O, 155 Seiten, ab sieben Jahren.

Der größte Pirat der Karibik

Wir schreiben das Jahr 1760: Höllenhund Will fühlt sich als waschechter Pirat, auch wenn er eigentlich Willfried Zacharias Karl Otto Stupps heißt, 14 Jahre alt ist und in Berlin lebt. Doch diese Umstände stören Will nicht, denn sein erklärtes Ziel ist es, der größte Pirat der Karibik zu werden. Sein Wunsch scheint sich zu erfüllen, als ein Amulett in seinen Besitz gelangt, das zu einem Schatz führen soll. Doch eine ganze Horde wilder Piraten ist ebenfalls hinter dem Schatz her, und es beginnt eine atemberaubende Jagd quer durch die Karibik. „Wilde Kerle“ meets „Fluch der Karibik“ – ein actiongeladenes Piratenabenteuer.

Joachim Masannek: Honky Tonk Pirates. Das verheißene Land. Cbj, 224 Seiten, 10,30 Euro, ab elf Jahren.

Teenies im Phobinasium

Maddie, Theo, Lulu und Garrison könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch verbindet sie eine Sache: Sie alle haben vor etwas Angst. Das Phobinasium, eine streng geheime Bildungseinrichtung, scheint die letzte Hilfe für die vier Teenager zu sein. Die Lehrmethoden der Direktorin Mrs Wellington sollen einzigartig sein. Doch niemand weiß so recht, was tatsächlich in dem mysteriösen Haus vor sich geht, und schon bald stecken die vier inmitten eines unglaublichen Abenteuers, das sie mit ihren größten Ängsten konfrontiert.

Gitty Daneshvari: Das Geheimnis von Summerstone - Die furchtlosen Vier. Cbj, 304 Seiten, 15,40 Euro, ab elf Jahren.

Buchcover von "Theo Boone und der unsichtbare Zeuge"

Heyne Verlag

Thriller-Star Grisham für Kinder

Mit „Theo Boone und der unsichtbare Zeuge“ hat sich Erfolgsautor John Grisham zum ersten Mal in das Jugendbuch-Genre vorgewagt. Theo ist von der Welt des Justizwesens geradezu gefesselt. Ganz klar, dass ihn ein aufsehenerregender Mord in seiner Heimatstadt brennend interessiert. Endlich kann er aus nächster Nähe einen großen Prozess verfolgen. Doch es scheint das perfekte Verbrechen zu sein, denn niemand kann dem Verdächtigen seine Schuld beweisen. Niemand außer Theo, der einen Augenzeugen für die Tat findet.

John Grisham: Theo Boone und der unsichtbare Zeuge Roman. Heyne, 272 Seiten, 15,50 Euro, ab zwölf Jahren.

Haps Zauberkräfte

Als Hap erwacht, kann er sich an nichts mehr erinnern - weder, woher er kommt, noch, wer er ist. Doch er scheint etwas Besonderes zu sein, denn er spricht unzählige Sprachen, kann im Dunkeln sehen, erstaunlich hoch springen und er braucht keinen Schlaf. Zusammen mit Lord Umber und seinen Gefährten, zu denen auch der riesige Waal Boroon zählt, versucht Hap, Licht in seine Vergangenheit zu bringen, und stößt dabei auf noch mehr unheimliche Rätsel. Ein spannender Fantasy-Roman mit tollen Kulissen und vielen Abenteuern.

P. W. Catanese: Die Bücher von Umber - Der gefundene Junge. Carlsen, 320 Seiten, 15,40 Euro, ab 13 Jahren.

Die gefährliche Psychologin

Einen besseren besten Freund als Leon könnte sich Noel gar nicht vorstellen. Mit ihm kann er Spaß haben und richtige Männergespräche führen. Auch Anni ist glücklich, ihre Freundin Nina zu haben, der sie sich immer anvertrauen kann. Doch eines ist sonderbar: Niemand außer Neol und Anni kann Leon und Nina sehen. Sind die beiden tatsächlich nur imaginäre Freunde? Psychologin Dr. Stikk soll Noel und Anni helfen, doch viel zu spät wird klar, dass Dr. Stikk ihre eigenen, für die Teenager tödlichen Ziele verfolgt.

Arne Sommer: Duplex. Thienemann, 201 Seiten, 13,40 Euro, ab 13 Jahren.

Lebensgefährliche Sinnsuche

Der Jugendroman „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ wurde nach seinem Erscheinen in Dänemark zunächst als Schullektüre verboten, später erhielt er mehrere Preise. Mittlerweile ist das umstrittene Buch auch in Österreich erschienen. „Nichts“ erzählt die Geschichte eines 13-jährigen Buben, der im Leben keinen Sinn mehr sieht. Seine Freunde versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, und opfern zum Beweis Dinge, die ihnen etwas bedeuten. Was mit harmlosen Fotos beginnt, droht bald zu eskalieren: Als ein Mädchen seine Unschuld verliert und ein Schüler einen Finger abschneiden muss, setzt das eine Kettenreaktion der Gewalt frei.

Janne Teller: Nichts. Was im Leben wichtig ist. Hanser, 139 Seiten, 13,30 Euro, ab 14 Jahren.

Elisabeth Nikbakhsh, Johanna Grillmayer, Simon Hadler und Sophia Felbermair, ORF.at