Pentagon „hyperventiliert“
Seit der Ankündigung der Enthüllungswebsite WikiLeaks vor wenigen Tagen, in Kürze neue Dokumente veröffentlichen zu wollen, rotiert die US-Regierung. Offenbar geht es dabei um US-Berichte mit Korruptionsvorwürfen gegen ausländische Regierungen und vertrauliche Gesprächsprotokolle, aber auch Politiker sollen namentlich genannt werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv berichtete.
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Der Umfang der Dateien ist laut WikiLeaks siebenmal größer als die rund 400.000 Pentagon-Berichte, die im Oktober zum Irak-Krieg veröffentlicht worden waren. „Diese Enthüllungen sind schädlich für die Vereinigten Staaten und unsere Interessen“, betonte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Es werden ernsthafte diplomatische Verstimmungen mit anderen Staaten befürchtet. Auch das Pentagon „hyperventiliert“, stellte WikiLeaks via Twitter lapidar fest.
Im Mittelpunkt sollen laut Vorabberichten Politiker aus Russland, Afghanistan und den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens stehen. Vermutet werden aber auch Berichte mit kompromittierenden Inhalten über Europa und den Fernen Osten.
USA üben Schadensbegrenzung
Die USA wollen den Schaden, den diese Dokumente anrichten können, so weit wie möglich begrenzen. Noch vor der Veröffentlichung informierten sie daher Regierungsvertreter in Großbritannien, Kanada, Australien, Israel, Dänemark, der Türkei und Norwegen über die Inhalte dieser vertraulichen Dokumente, damit diese es nicht aus den Medien erfahren.
Die Behörde forderte laut CNN alle ihre Auslandsvertretungen auf, ihren elektronischen Schriftverkehr zwischen 2006 und 2009 zu analysieren, da Dokumente aus diesem Zeitraum erscheinen könnten. Das Pentagon stockte seine spezielle Arbeitsgruppe für den Umgang mit WikiLeaks-Veröffentlichungen wieder auf 100 Mitarbeiter auf. Das US-Verteidigungsministerium befürchtet wie auch das Außenministerium betroffen zu sein, wenn Quellen für geheimdienstliche Informationen aufgedeckt werden.
Peinliche Details
Ärger könnten vor allem peinliche Details aus dem Schriftverkehr von US-Botschaften mit dem Außenministerium verursachen, berichtete die „Washington Post“. Diese Notizen beinhalten etwa vertrauliche Aussagen von hochrangigen Regierungsmitgliedern der Gastgeberländer über die inneren Abläufe im politischen Geschäft.
Das Außenministerium befürchtet nun, dass die USA künftig nicht mehr solche Informationen wie Zusammenfassungen von Treffen, Analysen und Gesprächsprotokolle erhalten. „Wenn dieses Vertrauen gebrochen wird, dann hat das Auswirkungen“, befürchtet US-Außenamtssprecher Philip Crowley.
Neue Eiszeit mit Moskau?
Die vorgewarnten Staaten setzen sich bereits mit dem Material auseinander. „Die ganze Sache ist ziemlich groß“, wird etwa ein australischer Regierungsbeamter in der „Washington Post“ zitiert. Auch hohe israelische Regierungsvertreter wurden über drohende Unannehmlichkeiten informiert.
Besondere Schwierigkeiten könnten die Dokumente den Beziehungen der USA zu Russland bringen. Wie die Zeitung „Kommersant“ berichtete, enthalten die Dokumente Kommentare zu Russlands Politik und „wenig schmeichelhafte Aussagen“ über russische Führungspersönlichkeiten. Auch die Türkei könnte sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Berichten zufolge könnten die Enthüllungen zeigen, dass die USA kurdische Rebellen im Irak unterstützten, die gleichzeitig von der Türkei bekämpft wurden. Zudem sollen andere Dokumente zeigen, dass die Türkei Al-Kaida im Irak geholfen habe.
Haftbefehl gegen Assange
WikiLeaks-Gründer Julian Assange machte sich mit seinen Enthüllungen der vergangenen Monate zum Irak und Afghanistan insbesondere in der US-Regierung viele Feinde. In Schweden wurde gegen ihn Mitte November ein Haftbefehl erlassen. Assange werden Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen.
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