Auch Spanien wackelt
An den Finanzmärkten breiten sich trotz des Schutzschirms für Irland Ängste vor einem Ausweiten der Euro-Schuldenkrise aus. Misstrauische Anleger zwangen am Dienstag das hoch verschuldete Spanien dazu, für neue Kredite deutlich höhere Zinsen zu zahlen. Auch die Gefahrenzulagen für die Staatsanleihen anderer schuldengeplagter Länder wie Irland, Griechenland und Portugal legten deutlich zu.
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Vor allem sorgte die politische Krise in Irland für Sorgenfalten bei den Anlegern. So blieb völlig unklar, ob die angeschlagene Regierung einen Nothaushalt auf die Beine stellen und damit den Weg für Finanzhilfen ebnen kann. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) stufte indes die Kreditwürdigkeit Irlands deutlich herab. S&P senkte die langfristige Bonität um zwei Noten von „AA-“ auf „A“, wie die Agentur in der Nacht auf Mittwoch in London mitteilte. Die kurzfristige Kreditwürdigkeit wurde von „A-1+“ auf „A-1“ reduziert. Zudem stellte die Agentur weitere Herabstufungen in Aussicht.
Krise noch nicht ausgestanden
Spanien konnte sich auf dem Finanzmarkt mit dem Verkauf von Staatsanleihen insgesamt 3,3 Mrd. Euro leihen. Dabei musste das Land aber trotz einer regen Nachfrage teilweise fast doppelt so hohe Zinsen zahlen wie noch Ende Oktober. Der Risikoaufschlag auf spanische Anleihen kletterte auf den höchsten Stand seit der Euro-Gründung.
Die Anleger sind nicht davon überzeugt, dass mit der Hilfe für Irland nun ein Schlussstrich unter die Haushalts- und Bankenprobleme vieler EU-Länder gezogen wird. Viele wirtschaftliche Kennziffern aus Portugal seien sogar schlechter als die irischen, so Experten. Man müsse also kein Prophet sein, um zu sagen, dass Portugal als Nächstes mehr Geld brauchen wird.
Gesunde Banken in Spanien
Beim Nachbarn Spanien wird die Gefahr einer Ansteckung durch die Schuldenkrise als geringer eingestuft. Sollte es aber so weit kommen, dass auch Madrid die Hilfe der EU in Anspruch nehmen müsste, geriete der Euro ernsthaft in Gefahr. Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone - fast doppelt so groß wie Griechenland, Irland und Portugal zusammen.
Spanien hat mit Irland gemeinsam, dass eine Immobilienblase geplatzt ist. Das setzte einem jahrelangen Bauboom ein abruptes Ende. Die großen spanischen Banken wie Santander oder BBVA überstanden die Krise aber gut und erzielen wieder Milliardengewinne. „Spanien hat derzeit kein Problem mit der Höhe der Staatsverschuldung“ schreibt die Wirtschaftszeitung „Expansion“. „Sorge bereitet dagegen der rapide Anstieg der Schulden.“
Wachstum muss her
Hier liegt das Dilemma der spanischen Regierung. Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero muss einerseits sparen, um die Neuverschuldung zu drosseln. Andererseits müsste er die - in der Stagnation festsitzende - Wirtschaft ankurbeln, damit Spanien von seiner Arbeitslosenquote von 20 Prozent herunterkommt, der höchsten in Westeuropa. „All die Opfer bei den Einsparungen nutzen wenig, wenn es kein Wachstum gibt und die Arbeitslosigkeit nicht abnimmt“, meint die Zeitung „El Pais“.
Hilfen für Griechenland fließen
Dagegen sicherte sich Griechenland mit seinen Sparanstrengungen weitere Milliardenhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Auch dort hat der eiserne Sparkurs der Regierung infolge des Rettungspakets heftige Proteste ausgelöst. Die wichtigste Gewerkschaft des Landes erklärte am Dienstag, angesichts der Sparmaßnahmen in vielen Ländern europaweite Streiks organisieren zu wollen.
Die Gläubiger sind dagegen mit der Regierung zufrieden: IWF, EU und die Europäische Zentralbank (EZB) attestierten nach einer Überprüfung der Finanzen gute Fortschritte beim Sparen und wollen deshalb weitere Hilfszahlungen von neun Mrd. Euro freigeben. Griechenland hatte im Mai als erstes Land der Euro-Zone ein Rettungspaket mit dem IWF und der EU vereinbart, um eine Staatspleite abzuwenden. Es hat ein Volumen von insgesamt 110 Mrd. Euro.
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