Lage äußerst angespannt
Die Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea haben sich am Dienstag gefährlich zugespitzt. Nach einem Angriff mit Dutzenden Granaten auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong eskaliert die Lage zusehends. Zwei südkoreanische Soldaten sollen laut Medienangaben bei dem Angriff getötet worden sein. Die südkoreanische Armee wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt.
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Südkorea hatte dagegen nach Darstellung Nordkoreas am Dienstag das Nachbarland zuerst angegriffen. Nordkorea habe auf den Beschuss mit Dutzenden Artilleriegeschoßen reagieren müssen, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Das Feuer sei erwidert worden. Die KCNA machte keine Angaben dazu, ob es auf nordkoreanischer Seite Verletzte gab.
Südkorea hielt nach eigenen Angaben kurz vor dem Beschuss durch Nordkorea ein reguläres Militärmanöver vor der Westküste ab. Dabei seien Dutzende Geschoße getestet worden, sagte ein südkoreanischer Militärvertreter am Dienstag. Die Testgeschoße seien allerdings in Richtung Westen und nicht in Richtung Norden abgefeuert worden.
Gefecht dauerte eine Stunde
Laut dem südkoreanischen Militär hatte Nordkorea Dutzende Artilleriegeschoße auf Yeonpyeong abgefeuert habe. Ziel soll die Militärbasis gewesen sein. Daraufhin habe Südkorea zurückgeschossen. Bei dem nordkoreanischen Angriff wurden der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge im Süden zwei Soldaten getötet. Das Gefecht habe rund eine Stunde gedauert. Das südkoreanische Militär erklärte, es sei der höchste Alarmzustand seit dem Ende des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 ausgerufen worden.
Seit dem Krieg befinden sich die Länder offiziell noch im Kriegszustand, denn es wurde lediglich ein Waffenstillstandsabkommen, aber kein Friedensvertrag geschlossen.
Feuer breitete sich schnell aus
Das südkoreanische Fernsehen berichtete, bei dem Angriff seien auch Bewohner der Insel verletzt worden. Dem Sender YTN zufolge leben auf der Insel zwischen 1.200 und 1.300 Menschen. Die Bevölkerung sei in Bunkern in Sicherheit gebracht worden. Einige Bewohner seien in Fischerbooten von der Insel geflohen, hieß es.
Mehrere Häuser auf der Insel gerieten in Brand. Das Fernsehen zeigte Bilder, auf denen Rauch von den Gebäuden aufstieg. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst unklar. Laut einem Augenzeugen soll sich das Feuer, das 60 bis 70 Häuser erfasst habe, aber rasch ausbreiten.
Präsident: Reaktion auf Militärübung
Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak hielt eine Dringlichkeitssitzung in einem unterirdischen Bunker ab. Der Beschuss sei vermutlich eine Reaktion auf eine südkoreanische Militärübung, ließ er mitteilen. Nach Angaben eines Sprechers wies er an, Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.
YTN berichtete, die Regierung in Seoul habe mit einer entschiedenen Reaktion gedroht, sollte der kommunistische Nachbar seine Provokationen fortsetzen. Das Außenministerium wies unterdessen Berichte zurück, wonach man den Angriff vor die Vereinten Nationen tragen wolle.
Kriegsschiff im März versenkt
Die Lage auf der koreanischen Halbinsel war bereits vor dem neuerlichen Zwischenfall äußerst angespannt. Südkorea macht Nordkorea für die Versenkung eines seiner Kriegsschiffe im Gelben Meer verantwortlich. Bei dem Vorfall kamen im März 46 Soldaten ums Leben. Nordkorea bestreitet eine Verwicklung. Die Regierung in Pjöngjang erkennt die von den Vereinten Nationen zum Ende des Korea-Krieges 1953 einseitig gezogene Seegrenze nicht an.
Streit über Atomprogramm
Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang waren in den vergangenen Jahren insbesondere wegen des nordkoreanischen Atomprogramms gespannt. Nordkorea hatte vor wenigen Tagen einem US-Atomexperten zufolge die Fertigstellung einer neuen Anlage zur Urananreicherung verkündet. Der frühere Leiter des US National Laboratory in Los Alamo, Siegfried Hecker, sagte am Samstag, er habe das Werk im Kernforschungszentrum in Yongbyon kürzlich besichtigt. In der Anlage seien erst vor kurzem 2.000 Zentrifugen installiert worden. Nordkorea produziere dort nach eigenen Angaben auf niedrigem Niveau angereichertes Uran für einen neuen Reaktor.
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