„Wenn das stimmt, müssen wir zusperren“
Die jüngsten Budgetentwicklungen haben offenbar massive Auswirkungen auf Österreichs außeruniversitäre Vorzeigeforschungseinrichtungen. Die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sprach zuletzt von einer „Vollbremsung“ beim Budget, weswegen laut ÖAW-Präsident Helmut Denk bereits offen die Schließung von Instituten ins Auge gefasst wird.
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Laut Denk versucht man das „natürlich zu vermeiden“ - allerdings sei die ÖAW dafür verantwortlich, „dass jene Institute, die in der ersten Liga spielen, das entsprechende Budget kriegen“. Außer Frage stehe dabei, dass das nur auf Kosten anderer Institute gehe.
Österreichs „erste Liga“
Zur „ersten Liga“ zählen die ÖAW-Spitzen Helmut Denk und Arnold Suppan das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI), das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM), das Institut für Demografie, das Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) sowie das Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM).
Denk erinnerte in diesem Zusammenhang an die starke ausländische Konkurrenz für Österreichs Spitzenforschungsinstitute, wobei etwa Einrichtungen in der Schweiz das Dreifache für Grundlagenforschung zur Verfügung haben. Um weiter international mithalten zu können, muss laut Denk nun das Budget eben in jene Institute umgeschichtet werden, „die wir aus diesen Gründen weiter fördern müssen“.
ÖAW-Generalsekretär Arnold Suppan sprach zudem auch die möglichen Auswirkungen auf Personalebene an. Demnach sei nicht nur die traditionelle Übernahme der Beamtenabschlüsse für die ÖAW-Mitarbeiter 2011 nicht mehr finanzierbar. Vielmehr stünden bis zu zehn Prozent der insgesamt rund 1.300 ÖAW-Jobs auf der Kippe. Betroffen seien primär wissenschaftliche Jobs und hier nicht zuletzt die jüngeren Mitarbeiter und somit der Forschernachwuchs - mehr dazu in science.ORF.at.
IFK bangt um Existenz
Noch weit mehr betroffen von dem bei der Regierungsklausur in Loipersdorf entstandenen Budgetentwurf sehen sich aber jene Institute, die nicht wie die Universitäten, Fachhochschulen, ÖAW, Wissenschaftsfonds FWF und die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft (LBG) zu den „Kernbereichen“ zählen.
Rund 70 Forschungseinrichtungen in Österreich, die von kleinen Einrichtungen bis hin zu international renommierten Institutionen wie das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), die Research Studios Austria Forschungsgesellschaft und das Bruno-Kreisky-Archiv reichen, müssen demnach mit teils drastischen Einsparungen rechnen.
Beim IFK habe man erst am Donnerstag vonseiten des Wissenschaftsministeriums erfahren, dass die Basisförderung für zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute eingestellt werde, so IFK-Direktor Helmut Lethen gegenüber ORF.at. Von diesen Kürzungsmaßnahmen sei das IFK im Umfang von hundert Prozent betroffen, weswegen nun bereits im kommenden Jahr das Aus drohen könnte. Auch Maria Mesner, Historikerin und Leiterin des Bruno-Kreisky-Archivs, sieht kaum Anlass zum Optimismus. „Wenn das stimmt, was wir gestern gehört haben, müssen wir zusperren“ - mehr dazu in science.ORF.at.
„Auslöschung von geistigem Kapital“
Von einem anteiligen Beitrag zum Sparen könne laut der per Petition gegen den „budgetären Kahlschlag der Wissenschaft“ ankämpfende Plattform extra-universitärer Wissenschaften bei dem in der Regierungsklausur in Loipersdorf beschlossenen Budgetentwurf jedenfalls keine Rede sein.
Ungeachtet der erfolgreichen Forschungsarbeit, die nicht zuletzt auch bei der Einwerbung von EU-Forschungsmitteln eine zentrale Rolle spielt, sehe man sich nun vielmehr mit der „Auslöschung von geistigem Kapital Österreichs und einer intellektuellen Infrastruktur, die über mehrere Jahrzehnte aufgebaut wurde“, konfrontiert.
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