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Über 900 „Hate Groups“

In den USA sind extremistische Gruppierungen deutlich auf dem Vormarsch. Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Centre (SPLC) listet auf einer „Landkarte des Hasses“ („Map of Hate“) ganze 932 Gruppen auf, die derzeit - zumindest verbal - mobil machen.

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Besonders bedenklich: Unter diesen „Hate Groups“ finden sich laut SPLC bereits über 500 Gruppen von „Patrioten“ und rechten Milizen mit Namen wie Central Texas Militia, Oregon Militia Corps und Freedom Force International. Gemeinsam ist ihnen eines: Die Verbreitung von extremer Antiregierungspropaganda und Verschwörungstheorien.

Die meisten dieser Gruppen seien nicht direkt in Gewalttaten involviert, hieß es in einem Bericht der Bürgerrechtsorganisation im Frühjahr, durchaus aber in die Verbreitung extremer politischer Ansichten.

„Patrioten“ und bewaffnete Gruppen

Den Boden bereiteten ihrem Erfolg die zunehmend offene Feindseligkeit der amerikanischen Rechten gegenüber dem demokratischen US-Präsidenten Barack Obama, berichtete der britische „Guardian“ Anfang März, aber auch die Wirtschaftskrise. Nicht ganz unschuldig an der Entwicklung seien letztlich auch konservative Massenmedien wie der Sender Fox News.

Die Zahlen, welche die 1971 gegründete Bürgerrechtsbewegung in ihrem Bericht unter dem Titel „Rage on the Right“ („Zorn in der Rechten“) nennt, sprechen eine ähnlich klare Sprache wie die Ansichten der Bewegungen: Waren 2008 in den USA 149 Gruppen von „Patrioten“ und 42 bewaffnete Milizen aktiv, so lag die Zahl 2009 bereits bei 512 (plus 244 Prozent) bzw. 127.

Feindbild Staatsmacht

„Es gibt bereits Anzeichen von (...) Gewalt, die von der radikalen Rechten kommt“, zitierte damals der „Guardian“ aus dem SPLC-Bericht. Seit Obamas Amtsantritt seien bereits mehrere Polizisten von Rechtsextremisten ermordet worden. Weiters habe es Festnahmen wegen Anschlagsplänen auf den ersten schwarzen Präsidenten der USA gegeben.

Als „zornig und bewaffnet“ bezeichnete die britische Zeitung die Gruppen - nicht zu Unrecht. Über ein Internetvideo einer der Gruppen antwortet ein gewisser Jim Stachowiak (in Tarnkleidung und mit einem russischen AK-47-Sturmgewehr im Hintergrund) auf die Vorwürfe des Bürgerrechtszentrums, das er verächtlich als „Southern Poverty Lie Centre“ (anstatt „Law“, „Lügenzentrum“) bezeichnet. Er verwehrt sich dagegen, von der „Territorialregierung“ mit Terroristen gleichgestellt zu werden. Seine Bewegung (offenbar im Umfeld der „Freedom Force International“) sei dazu da, „die Verfassung zu schützen und zu verteidigen“.

„Amerika, mach dich bereit“

Schon die Einleitung zur Erklärung des Mannes lässt nicht viele Fragen offen: „Amerika, mach dich bereit für die Revolution. Patriotische Gruppen sind im Vormarsch.“ Eine Bedrohung gehe von den Bewegungen nicht aus, sagt Stachowiak. „Wir werden nicht die sein, die den ersten Schuss abgeben“, eine Entwaffnung würde seine Gruppe jedoch nicht zulassen. Die Central Texas Militia lud Anfang Februar zu einem „Trainingstag“ nach Kingsbury. Mitzubringen: ein Gewehr mit 200 Schuss Munition und eine Handfeuerwaffe mit 300 Schuss Munition.

Gleichfalls in ihren Ansichten radikale, wenn auch nicht gewaltbereite Gruppen hätten, so der „Guardian“, mittlerweile auch beträchtlichen Einfluss auf die konservative politische Szene in den USA gewonnen. „Die Zeichen der Radikalisierung sind überall sichtbar“, zitierte die Zeitung aus dem SPLC-Bericht. Bei Auftritten Obamas seien bereits mehrmals bewaffnete Männer aufgetaucht.

„Das Blut von Tyrannen“

Einmal, im August letzten Jahres, erklärte der Waffenaktivist William Kostric bei einer derartigen Gelegenheit öffentlich, dass „der Baum der Freiheit“ von Zeit zu Zeit gegossen werden müsste - und zitierte den früheren US-Präsidenten Thomas Jefferson (1801 bis 1809) - „mit dem Blut von Tyrannen“. Kostric hatte eine Pistole bei sich.

Denselben Spruch trug der rechtsextreme Timothy McVeigh bei seiner Verhaftung auf einem T-Shirt. Er war der Haupttäter des Bombenanschlags von Oklahoma City im Jahr 1995 mit 168 Toten und über 800 Verletzten.

Absurde Ansichten

Obwohl meist nichts als absurd, verbreiten sich die Ansichten der selbsternannten Paradeamerikaner offenbar rasant - egal ob einmal der frühere US-Präsident Dwight. T. Eisenhower (1953 bis 1961) ein kommunistischer Agent gewesen sein oder die US-Regierung heimliche Pläne zur Internierung aller „amerikanischen Patrioten“ planen soll.

Bedenklich sei, warnt die Bürgerrechtsbewegung, dass derart abstruse Ansichten mittlerweile Teil des politischen Mainstreams geworden seien, etwa über die TV-Show des Moderators Glenn Beck auf Fox News. Er vertritt unter anderem die Ansicht, dass Obamas Regierung einen kommunistischen Putsch plane.

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