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„Ich will kein Gratis-iPhone“

Im verschnörkelten Ambiente des Ringstraßenhotels Imperial thront Apple-Mitgründer Steve Wozniak auf einem Sessel und lässt sich zum Interview schwarzen Kaffee servieren. Der 60-Jährige hat einen schelmischen Ausdruck auf dem Gesicht und spricht über den Apple II, das Silicon Valley, Gratis-iPhones und warum Google doch noch böse werden könnte.

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Wozniak ist der Inbegriff eines „Geeks“ und macht seinem Ruf auch bei der Frage nach seiner technischen Ausrüstung alle Ehre. „Das Wichtigste ist mein Laptop - ein MacBook Pro mit Highend-Ausstattung und entspiegeltem Display, dann habe ich drei iPhones, auch einen Palm Pre und ein Android-Handy. Ich habe auch einen Gameboy, ein iPad 3G - die trage ich alle in meinem Rucksack mit mir herum, ich packe nichts davon in meinen Koffer.“

Wozniak - der auf Einladung der Telekom Austria nach Wien kam - betont im Interview, dass er für Apple-Produkte bezahlen muss. „Ich will keine Privilegien nutzen, um Dinge gratis zu bekommen. Hin und wieder ruft mich Steve Jobs an und sagt, er schickt mir was Neues vorbei. Okay. Aber ich würde nie danach fragen.“

Steve Wozniak beim Interview

ORF.at/Wolfgang Rieder

Wozniak trauert im ORF.at-Interview den guten alten Zeiten nach

„Wir wollten Computer einfacher machen“

Wozniak wird von vielen als Genie bezeichnet, und das merkt man ihm auch an. Falsche Bescheidenheit liegt ihm nicht. Auf die Frage, ob ihm bei der Entwicklung des Apple II sofort klar war, was das für ein Erfolg werden sollte, antwortet er mit einem klaren Ja: „Niemand hätte jemals erwartet, dass es Farbe auf dem Computer geben würde, oder dass Grafik für Games oder die Dateneingabe nach Mustern jemals zu einem finanzierbaren Preis möglich sein würden. Der Apple II war auch der erste Computer auf der Welt mit einem Plastikgehäuse.“

Steve Jobs und ihm sei das bewusst gewesen. Und die beiden ergänzten sich als Team - Wozniak als Bastler und Jobs als Geschäftsmann - perfekt. „Wir wollten Computer einfacher machen. Steves Ansatz war es, dass sich die Nutzer nicht für die Technologie dahinter interessieren. Das war logisch, denn er war ja auch kein Programmierer und Techniker.“

Silicon Valley im Wandel der Zeit

Von der Do-it-yourself-Philosophie von damals sei aber nicht viel übrig geblieben. „Damals war es so, dass die Leute mit den technischen Skills mehr aus einem Computer herausholen und sich daraus Vorteile verschaffen konnten. Heute hat jeder diese Technologien oder kann sie sich kaufen. Ein iPad zu besitzen gibt niemandem mehr Möglichkeiten.“

Ingenieure wie er selbst würden seiner Meinung nach bis heute zu wenig gewürdigt. „Im Silicon Valley gibt es eine Menge Geeks. Ingenieure, die Technologien entwickeln, damit spielen und sie verstehen. Sie werden aber nicht besonders gut bezahlt. Wir erschaffen neue Dinge, und andere Leute verdienen damit. Trotzdem ist das Valley ein ziemlich lockerer Ort, an dem sich alles um Technologie dreht.“

Zufrieden mit Apples Werdegang

Auch wenn sich Wozniak schon bald aus dem Apple-Tagesgeschäft zurückzog, scheint er sich bis heute stark mit der Firma zu identifizieren. „Ich bin sehr stolz auf Apple und wie es sich entwickelt hat. Es ist die beste Firma der Welt in vielerlei Hinsicht. In meiner Jugend war das noch Sony. Unser Ziel war es von Anfang an, die neueste Technologie zu verwenden und Produkte herzustellen, die besser als andere aussehen.“

Mit dem iPhone ist Wozniak zufrieden, auch wenn er zugibt, dass Apple den Nutzern gewisse Restriktionen auferlegt. Die Vorteile überwiegen aber seiner Meinung nach dennoch gegenüber anderen Plattformen wie etwa Android. „Ich mag den Android-Ansatz, aber die Geräte überzeugen mich bis jetzt noch nicht so wie das iPhone. Man findet selten alles, was man will, in einem Produkt. Das iPhone schafft das ganz gut. So ziemlich alles, was ich mir anfänglich gewünscht habe, kann es mittlerweile auch.“

Steve Wozniak beim Interview

ORF.at/Wolfgang Rieder

Google und die Android-Falle

Suchmaschinenbetreiber Google, wie Apple in einer Garage gegründet, sieht Wozniak im Bezug auf das Unternehmenscredo „don’t be evil“ erfolgreich. „Wenn sie ein neues Produkt veröffentlichen, ist es im Regelfall sehr offen und funktioniert auch mit anderen Programmen. Man muss ja nicht ausschließlich Google-Anwendungen verwenden. ‚Böse‘ würde ich sie erst nennen, wenn sie lausige Produkte machen. Das könnte mit Android passieren, weil es einfach so viele Geräte gibt, mit denen sie mithalten müssen. Das könnte sie hinunterziehen und davon abhalten, die richtig guten Verbesserungen zu machen.“

Nayla Haddad, ORF.at

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