Laugengehalt leicht erhöht
Der durch einen Unfall in einer ungarischen Aluminiumfabrik ausgelaufene Giftschlamm hat die Donau erreicht. Bei Messungen am Zusammenfluss von Raab und Donau sei ein leicht erhöhter Laugengehalt festgestellt worden, sagte ein Vertreter der Wasserbehörde Donnerstagfrüh. Das Ökosystem des zweitlängsten Flusses Europas sei gefährdet.
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Der ph-Wert gibt die Säure- oder Laugenhältigkeit an. Der ph-Wert 7 markiert den neutralen Zustand
Normalerweise liege der ph-Wert bei acht, die Messungen hätten aber pH-Werte zwischen 8,96 und 9,07 ergeben, sagte Jozsef Toth von der Wasserbehörde. Der örtliche Katastrophenschutz bestätigte, dass sich das Gift auf dem Wasserweg ausbreitete. „Der rote Schlamm hat in der Früh den sogenannten Mosoni-Arm der Donau erreicht, rund zehn Kilometer vom Hauptarm des Flusses entfernt“, sagte der örtliche Leiter des Katastrophenschutzes, Tibor Dobson.

APA/M. Hirsch/mh
Über die Flüsse Marcal und Raab gelangt der Schlamm in die Donau.
Schlamm löst sich auf
In dem von dem Unglück stark betroffenen Bach Torna, der in die Raab fließt, hatte der pH-Wert am Montag kurz nach dem Unglück bei 13,5 gelegen. Nach Angaben von Dobson sank der Wert bis Donnerstagfrüh auf zehn. Der pH-Wert des Grundwassers in der betroffenen Region lag den Angaben zufolge bei neutralen 7,5. Im dem Donau-Nebenfluss Raab löste sich nach Beobachtungen eines AFP-Reporters der hochgiftige rote Schlamm so weit auf, dass er mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen war. Dennoch trieben im Wasser tote Fische. Am Ufer der Donau dagegen waren noch einige Angler zu sehen.
Der ungarische Katastrophenschutz versuchte zu beruhigen. Die laugenhaltige Brühe sei durch den Zusatz von Gips in den Fluss Marcal bereits vor dessen Einmündung in die Raab so weit verdünnt worden, dass sie kaum noch gefährlich sei, berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf den Katastrophenschutz.

AP/Bela Szandelszky
„Wir hoffen, das eindämmen zu können“
„Das ist ein ernstzunehmendes Umweltproblem“, erklärte EU-Kommissionssprecher Joe Hennon. „Wir sind nicht nur über die Situation in Ungarn besorgt, sondern auch darüber, was die Katastrophe jenseits der Grenzen anrichten kann.“ Hennon versicherte, die EU sei jederzeit bereit, Hilfe anzubieten, sollte sich die Katastrophe weiter ausbreiten oder die ungarische Regierung um Hilfe bitten.
Donau-Schutzorganisation gibt Entwarnung
Nach Einschätzung der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) wird der Unfall insgesamt nur geringe Auswirkungen auf den zweitgrößten Fluss Europas haben. „Im Moment zeichnet sich die Situation so ab, dass es auf lokaler Ebene ein sehr großer Unfall ist, es aber wenig internationale Auswirkungen haben wird“, sagte IKSD-Chef Philip Weller in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.
Man habe ein gemeinsames Warnsystem, jeder Staat sei verpflichtet, die anderen bei für die Donau gefährlichen Zwischenfällen zu alarmieren, erklärte Weller. "Das ist in diesem Fall ausgelöst worden."
Momentan habe man die Hoffnung, dass die von Ungarn getroffenen Maßnahmen eine grenzüberschreitende Ausweitung verhindern. Mit Chemikalien habe man den für Lebewesen gefährlich hohen pH-Wert des eingeströmten Giftschlamms senken können. Auch Versuche, die Ausbreitung mit technischen Mitteln zu verlangsamen, seien nach seinen Informationen erfolgreich, sagte Weller.
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