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Würdigung der DDR-Bürgerrechtler

Mit der Würdigung der DDR-Bürgerrechtler und dem Ruf nach mehr gegenseitigem Verständnis in Ost und West haben am Samstag in Bremen die Feiern zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit begonnen. Für den deutschen Bundespräsident Christian Wulff ist es ein „Anlass zum Feiern, aber auch zum Innehalten“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den Beitrag der Bürger in Ost und West.

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„Wir erinnern uns heute daran, dass es mutige Bürger waren, die sich die Freiheit erkämpft haben. Deshalb feiern wir das heute mit einem Bürgerfest“, sagte Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) bei der Eröffnung der zentralen Feier im kleinsten Bundesland. Politiker warben um mehr Verständnis zwischen den Menschen. Bremen ist Gastgeber der Jubiläumsfeiern, weil es zurzeit den Vorsitz im Bundesrat hat.

Gewaltige Veränderungen

Der frühere DDR-Bürgerrechtler und Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck appellierte bei der Feierstunde in Berlin für mehr Anstrengungen zur Integration und für sozial Benachteiligte. „Es schwächt die Schwachen, wenn wir nichts mehr von ihnen erwarten.“ Beispielsweise sollten Kinder aus Einwandererfamilien möglichst früh in Krippen und Kindergärten, um Deutsch zu lernen. Der Tag der deutschen Einheit sei für ihn „ein politischer Erntedanktag“.

Wulff hob die tiefgreifende Umwälzung durch die Überwindung der deutschen Teilung hervor. „Die Veränderungen, die unser Land in dieser Zeit erfahren hat, sind gewaltig, besonders in Ostdeutschland. Aber nicht nur dort, sondern in allen Teilen Deutschlands hat sich unser Leben enorm gewandelt.“

Merkel: Anerkennung für Menschen aus der DDR

Kanzlerin Merkel wünscht sich mehr Anerkennung für die Lebensleistung der Menschen aus der DDR. „Schade ist nur, dass manche bis heute nicht sehen oder verstehen wollen, dass das Staatsgebilde der DDR das eine war - und das Leben jedes Einzelnen das andere“, sagte die CDU-Vorsitzende der „Bild am Sonntag“. Sie fügte hinzu: „Das Leben in der DDR war beschwerlich und reglementiert und beschränkt, aber wir haben versucht, etwas daraus zu machen.“

In ihrem wöchentlichen Video-Podcast sagte Merkel, die Ostdeutschen hätten den Mut gehabt, für die Freiheit zu kämpfen. Gleichzeitig habe es eine riesige Welle der Solidarität der Menschen in der alten Bundesrepublik gegeben. Nur durch diese Gemeinschaftsleistung sei es gelungen, den Aufbau der neuen Länder schnell voranzubringen und Deutschland als ein Land zu gestalten, das in der Welt heute geachtet werde.

Appelle für Solidarität

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) warnte vor einer Relativierung der bisherigen Leistungen. Der Einigungsprozess habe erstaunliche Fortschritte gemacht, sagte er der „Welt am Sonntag“. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker appellierte an die Deutschen, in der gegenseitigen Solidarität nicht nachzulassen. „Sich vereinigen heißt Teilen lernen, das gilt bis zum heutigen Tag“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“.

Für beispielhaftes Engagement beim Zusammenwachsen von Ost und West verlieh die Bundeszentrale für Politische Bildung die mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Einheitspreise zum neunten Mal in verschiedenen Kategorien. Den Ehrenpreis der Jury bekam der EU-Parlamentarier Werner Schulz (Grüne), der in der DDR Bürgerrechtler war.

Für die Linke „ist die deutsche Einheit weder vollendet noch gelungen“, wie die Parteivorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch erklärten. „Viele Menschen haben die Ereignisse vor 20 Jahren zu Recht als Anschluss und nicht als Wiedervereinigung empfunden.“

Teure Feiern?

Bei einem Festakt im bayerischen Coburg feierten die Ministerpräsidenten von Bayern, Sachsen und Thüringen, Horst Seehofer (CSU), Stanislaw Tillich und Christine Lieberknecht (beide CDU), die Wiedervereinigung. Lieberknecht dankte dabei für die Hilfe der alten Bundesländer und der Europäischen Union beim Aufbau Ost.

Kritik regte sich an der Vielzahl von Feiern. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Garrelt Duin bezeichnete die für Sonntagabend geplante separate Veranstaltung des Bundestags in Berlin als „One-Man-Show von Bundestagspräsident Lammert“ mit unverhältnismäßigen 756.000 Euro Kosten. „Die Feier in Berlin ist mit keiner Botschaft verbunden, die man nicht auch schon in Bremen hätte transportieren können“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

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