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„Noch eine Menge zu tun“

Am Sonntag beging Deutschland den 20. Jahrestag seiner Wiedervereinigung. Am 3. Oktober 1990 trat die Deutsche Demokratische Republik (DDR) auf Basis des Einigungsvertrags der Bundesrepublik Deutschland (BRD) bei. Doch nach zwei Jahrzehnten Bemühungen, das wirtschaftliche Gefälle zwischen Ost und West auszugleichen, ist das noch nicht zur Gänze gelungen.

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Menschen in den Bundesländern der ehemaligen DDR sind etwa häufiger von Armut bedroht als Bürger im Westen, wie aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes in Berlin aus Anlass 20 Jahre Wiedervereinigung hervorgeht. Verantwortlich dafür, heißt es schon im Vorwort dazu, sind strukturelle Altlasten: „20 Jahre Deutsche Einheit – das sind 20 Jahre Überwindung der unnatürlichen Teilung unseres Landes, 20 Jahre Annäherung, Fortschritt und Gemeinschaft, aber auch 20 Jahre nachwirkende Unterschiede sozialer und wirtschaftlicher Natur in Ost und West. Das Glück über die Einheit bleibt bis heute ebenso spürbar wie manche Folgen der jahrzehntelangen Teilung.“

Niedrigere Löhne, größere Armutsgefahr

Eine dieser Folgen ist das Einkommensgefälle in Richtung Osten: Die Löhne sind dort deutlich niedriger als im Westen. Das Armutsrisiko ist daher etwa in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt deutlich höher als in den süddeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg.

„Insgesamt waren 2007 in Deutschland 15 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. (…) In den neuen Ländern und Berlin lagen die Quoten für einzelne Personengruppen zumeist deutlich über denen im früheren Bundesgebiet“, so das Statistische Bundesamt. Die Einkommen und Vermögen im Osten liegen bei „lediglich rund 68 Prozent“ des Westniveaus. Inklusive Sozialleistungen wie Kindergeld etc. erreicht der Wert immer noch keine 80 Prozent.

„Angleichungsprozess kam zum Erliegen“

Zwar hätten die Gehälter in Ostdeutschland in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung deutlich angezogen, so der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler. 1991 erreichten die Löhne in den neuen Bundesländern gerade einmal 46,5 Prozent des Niveaus im Westen. Fünf Jahre später lag der Wert bei 73,2 Prozent. „Dieser Angleichungsprozess kam jedoch in den Folgejahren so gut wie zum Erliegen“, so Egeler. Dabei seien die Kollektivverträge längst angeglichen. Eine Folge davon: Abwanderung in Richtung Westen.

Seit dem Ende der DDR ging die Bevölkerungszahl im Osten um 1,7 Millionen zurück. Allerdings ist die Ursache auch eine niedrigere Geburtenrate. Die sank in 20 Jahren um fast zwölf Prozent, am stärksten in den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Die größten Bevölkerungszuwächse verzeichneten wiederum Württemberg und Bayern.

Hartz-IV-Quote im Osten deutlich höher

Mehr als doppelt so hoch wie im Westen ist im Osten auch die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz-IV). Sie liegt bei 17 gegenüber acht Prozent. „Um von einheitlichen Lebensbedingungen und Lebensverhältnissen sprechen zu können, gibt es noch eine Menge zu tun“, so Egeler. Im Statistischen Jahrbuch 2010, das aus Anlass des Jubiläums Mitte der Woche unter dem Titel „20 Jahre deutsche Einheit. Wunsch oder Wirklichkeit“ erschien, heißt es dazu: „Wir haben in den 20 Jahren in gemeinsamer Anstrengung vieles erreicht. Die Wiedervereinigung Deutschlands ist eine Erfolgsgeschichte. Unser Ziel bleiben gleichwertige Lebensbedingungen im ganzen Land. Dafür bedarf es weiterer Anstrengungen von Politik und Wirtschaft.“

Ähnlicher Lebensstil, unterschiedliche Ausgaben

Deutlich angeglichen haben sich seit 1990 die Konsumgewohnheiten, nicht aber die Ausgaben der privaten Haushalte: In den neuen Bundesländern lag der Wert 2008 bei 80 Prozent des Niveaus in den alten Bundesländern. Im Osten gaben Privathaushalte durchschnittlich 1.857 Euro pro Monat aus, im Westen 2.333. „Hier ist die Einheit weitgehend vollzogen“, heißt es zum Punkt Ausstattung der Haushalte in den neuen und alten Bundesländern. „Für fast alle höherwertigeren Gebrauchsgegenstände zeigen sich ähnliche Ausstattungsquoten.“ Seit 1993 verfügen 95 Prozent aller Haushalte im Osten über zumindest ein TV-Gerät. „Telefonisch erreichbar – sei es über Handy oder Festnetz – ist mittlerweile jeder Haushalt.“

Lebenserwartung angeglichen

In den letzten 20 Jahren deutlich angeglichen hat sich die Lebenserwartung. Sie stieg in den neuen Bundesländern deutlich an, „aufgrund verbesserter Lebens- und Arbeitsbedingungen“, wie es im Statistischen Jahrbuch dazu heißt. Heute werden Frauen in Deutschland im Durchschnitt 82,4 und Männer 77,2 Jahre alt. Bis 1993 bestand noch eine Differenz von über drei Jahren und drei Monaten.

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