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Betrug per „Pushen“ und „Bashen“

Wenn Börsenbriefe und selbsternannte „Analysten“ Anlegern Renditen von mehreren hundert Prozent binnen kürzester Zeit versprechen und die „heißesten“ Kandidaten auf dem Aktienmarkt auch noch gratis präsentieren, dann ist vor allem eines angebracht: eine gesunde Skepsis. Nicht selten geht eine der empfohlenen „Raketen“ am Ende nach hinten los – und der Kleinanleger schaut durch die Finger.

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Erst Ende vergangener Woche gab die Staatsanwaltschaft München bekannt, dass sie wegen des Verdachts des Betrugs Ermittlungsverfahren gegen über 30 Personen in Deutschland und Österreich eingeleitet hat. Drei Personen waren bereits zuvor in Untersuchungshaft genommen worden, bestätigte die Oberstaatsanwaltschaft München Anfang der Woche einen Bericht der „Financial Times Deutschland“.

In Deutschland, aber auch in Österreich kam es zu mehreren Hausdurchsuchungen. Auch Räume der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wurden laut Presseberichten unter die Lupe genommen. Ein früherer SdK-Chef soll in U-Haft sitzen, ebenso der Herausgeber eines Börsenbriefs.

Ein bekanntes Spiel

Konkret erheben die deutschen Behörden folgenden Vorwurf: Die mutmaßlichen Betrüger sollen mit Aktien mit sehr niedrigem Wert („Penny Stocks“) oder aber gleich wertlosen Papieren zahlreiche Anleger geprellt und damit selbst Millionen verdient haben. Das funktioniert für gewöhnlich so: Mehr oder minder wertlose Aktien werden von den Akteuren in dem „Spiel“ erst in großem Stil billig angekauft und anschließend beworben, um den Kurs zu pushen.

„Analysen“ ohne jede Substanz

Die „heißesten“ Tipps tauchen regelmäßig in unterschiedlichen Newslettern und Börsenforen im Internet auf. Oft handelt es sich dabei um völlig unbekannte Unternehmen, die im Freiverkehr (Open Market) über die Börse gehandelt werden und über die wenig bis keine Informationen verfügbar sind: Bergbaugesellschaften, die angeblich vor dem Fund des Jahrhunderts stehen, Biotech-Firmen mit vermeintlich revolutionären Patenten etc., deren „Kursexplosion“ unmittelbar bevorstehen soll. Untermauert werden derart windige Prognosen oft mit (in den seltensten Fällen nachvollziehbaren) Unternehmensnachrichten etwa über den bevorstehenden Einstieg eines Großinvestors oder pseudo-wissenschaftlichen Daten.

Übrig bleibt der Kleinanleger

Tatsächlich lassen sich die Kurse derartiger Unternehmen wegen geringer Marktkapitalisierung und kleiner Handelsvolumina vergleichsweise leicht in die gewünschte Richtung treiben. Im äußersten Fall reicht schon ein Investment von wenigen tausend Euro aus, um den Wert bereits merklich zu bewegen.

„Scalping“ bei Wertpapieren

Billige Aktien werden durch gezielt lancierte Informationen vom Käufer gepusht. Nachdem der Kurs durch steigendes Anlegerinteresse gestiegen ist, trennt sich der „Pusher“ mit Gewinn wieder von seinen Anteilen.

Angelockt durch die beginnende Rallye springen Privatanleger auf – und auf dem Höchststand verabschiedet sich im schlimmsten Fall der „Analyst“, der zuvor den „Geheimtipp“ gepusht hatte („Scalping“). Der Kurs fällt, und der Anleger schaut durch die Finger - bis hin zum Totalverlust, wenn er nicht noch vorher die Notbremse zieht. Doch dazu bleibt oft nicht viel Zeit, da die Kurse rascher in den Keller rasseln, als sie zuvor gestiegen waren.

Beginn des großen „Reinemachens“?

Im aktuellen Fall sollen die mutmaßlichen Betrüger auch in die andere Richtung gearbeitet haben. Laut „Financial Times Deutschland“ wetteten sie auf fallende Kurse und „halfen“ mit Negativmeldungen über die betreffenden Unternehmen nach. Rund 20 Aktien sollen betroffen sein, und darunter keineswegs wie so oft Schrottaktien, sondern etwa auch Papiere des Photovoltaik-Herstellers Conergy, des Payment-Dienstleisters Wirecard und des Motorenbauers Thielert. Auch Journalisten werden beschuldigt, Kurse hinauf- bzw. hinuntergeschrieben haben, berichtete die „Financial Times Deutschland“ am Montag.

Die Zeitung vermutet, dass es sich bei der Aktion der Münchner Behörden um den „Auftakt eines großen Reinemachens“ handle. „Vor allem bei denen, die mit dem Pushen und und Bashen von Nebenwerten zu tun haben, geht nun die Angst um.“ Deren gibt es mittlerweile einige.

Skepsis angebracht

Natürlich sind nicht alle Börsenbriefe unseriös, einige achten sogar sehr auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit ihrer Wertpapierdeals und Musterdepots, andere weniger. Wo der Graubereich beginnt, lässt sich schwer sagen. Anleger sollten jedenfalls mehr als skeptisch sein, wenn über Unternehmen keine wirklich aussagekräftigen Informationen verfügbar sind und deren Aktien stattdessen mit Superlativen a la „Geheimnis“, „Kursexplosion“ und „Jahrtausendinvestment“ beworben werden.

Georg Krammer, ORF.at

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