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Blairs filmreife Erinnerungen

Die Memoiren des britischen Ex-Premiers Tony Blair sind in Großbritannien und den USA ein Verkaufsschlager. Nur zehn Tage nach dem Verkaufsstart sind bereits 150.000 Bücher über den Ladentisch gegangen. Dabei scheint es die Leser auch nicht zu stören, dass nicht alle Begebenheiten, an die sich Blair zu erinnern glaubt, auch tatsächlich so stattgefunden haben dürften.

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In seinem Buch „A Journey: My Political Life“ beschreibt Blair auch den Moment, als er 1997 bei seinem Antrittbesuch im Buckingham-Palast Queen Elisabeth II. gegenübertrat. Sie soll ihn mit den Worten „Sie sind mein zehnter Premierminister“ begrüßt haben. „Der erste war Winston. Das war noch bevor Sie geboren waren.“

Genau diese Szene kennen Filmliebhaber auch aus dem Spielfilm „The Queen“ von Regisseur Stephen Frears aus dem Jahr 2006. Dort begrüßt Helen Mirren als Elizabeth Michael Sheen, der den jungen, unerfahrenen aber sehr engagierten Blair spielt.

Tony Blair und Queen Elizabeth II

AP/Max Nash

Wie begrüßte die Queen ihren neuen Premier wirklich?

Einen Gin und Tonic zu viel?

Doch so gut diese Szene auch ist - sie ist dennoch erfunden. Peter Morgan, der das Drehbuch zu dem Film schrieb, erklärte gegenüber der Zeitung „Daily Telegraph“, dieser Dialog basiere nur auf seiner Fantasie. Demnach gebe es nur drei Möglichkeiten, wie es zu dieser überraschenden Übereinstimmung kam: „Erstens, ich habe perfekt richtig geraten, was sehr unwahrscheinlich ist. Zweitens, Blair hat das Zitat, das ich erfunden habe, einfach übernommen“, erklärte Morgen. Oder drittens: Der Premierminister hatte „den einen oder anderen Gin Tonic zu viel und hat die Szene aus dem Film mit der Realität verwechselt.“ Doch dafür müsste der Ex-Premier den Film auch gesehen haben - was er bisher immer bestritten hat.

Filmszene "The Queen"

APA/dpa/Film Concorde

„Die Queen“

Regisseur Stephen Frears zeigt in seinem Film 2006 die Situation der britischen Königsfamilie nach dem Tod von Prinzessin Diana. Helen Mirren bekam für ihre Hauptrolle 2007 den Oscar.

Ein Sprecher des Knopf-Verlages, bei dem das Buch erschienen ist, dementiert die Vorwürfe Morgans. Das sei nur ein „guter PR-Schachzug, um mehr Menschen auf seine Onlinefilmseite Netfix zu locken“, erklärte Paul Boggards, Blairs Medienberater. Was bei dem Treffen mit der Queen nun tatsächlich gesagt wurde, bleibt damit wohl für immer ein Geheimnis.

Rekordverkäufe

Den Lesern scheinen diese Unschärfen in Blairs Erinnerungen jedoch wenig auszumachen. Im Gegenteil, bis jetzt ist das Buch ein regelrechter Verkaufsschlager. Allein in Großbritannien ging es laut Nielsen BookScan bereits wenige Tage nach Erscheinen 92.000-mal über die Ladentische. In den USA musste bereits die zweite Auflage in Auftrag gegeben werden. Auf der „New York Times“-Bestsellerliste ist „A Journey“ bereits auf Platz drei, beim Internetbuchhändler Amazon unter den 13 meistverkauften Büchern. Damit schlägt Blair sogar seinen Landsmann David Beckham, dessen Memoiren „My Side“ 2003 alle Rekorde brachen.

Party wurde abgesagt

Und das, obwohl bereits angekündigte Signierstunden aus Angst vor wütenden Gegnern des Irak-Kriegs abgesagt werden mussten. So hatten Demonstranten den Politiker am Samstag vor einer Buchhandlung in Dublin mit Eiern und Schuhen beworfen. Dazu hielten sie Plakate mit Parolen wie „Blair hat gelogen, Millionen sind gestorben“ hoch. Am Mittwoch musste auch die geplante Veröffentlichungsparty im Londoner Tate Modern verschoben werden. Blair habe seine geladenen Gäste nicht den „unangenehmen Konsequenzen der Protestaktionen aussetzen wollen“, sagte der Sprecher.

In dem Buch mit dem Titel „A Journey“ („Mein Weg“) verteidigte Blair seine Entscheidung, 2003 gemeinsam mit den USA in den Krieg gegen den Irak zu ziehen. Die Erlöse aus dem Verkauf seiner Biografie will Blair einer Hilfsorganisation spenden, die schwer verletzte Kriegsveteranen unterstützt. Medienberichten zufolge erhielt er bereits vor Veröffentlichung des Buches umgerechnet 5,6 Millionen Euro Honorar. Wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung sprang „A Journey“ auf Amazon auf Platz zwei der britischen Verkaufsliste.

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