Gegen Kyoto-Abkommen
Kaum ein anderer Umweltforscher polarisiert wie er: Björn Lomborg sorgt mit seinen Aussagen regelmäßig für Schlagzeilen. Mit dem Buch „The Sceptical Environmentalist“ („Der skeptische Umweltschützer“) machte er sich international einen Namen: Der Zustand der Welt sei in den vergangenen Jahren eher besser als schlechter geworden, argumentierte er darin anhand amtlicher Statistiken.
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Die Thesen des 45-jährigen Dänen stießen gerade in Wirtschaftskreisen auf offene Ohren. Vor allem seine Ablehnung des Kyoto-Abkommens zur Verringerung der Treibhausgase fand zum Beispiel beim Weltwirtschaftsforum Gefallen. Erderwärmung sei ein marginales Problem, behauptete Lomborg. Die finanziellen Mittel für das Erreichen des Kyoto-Ziels wären anders besser angelegt.
Selektiv, unprofessionell, konfus?
In der Fachwelt sind Lomborgs Thesen äußerst umstritten. Umwelt- und Klimaforscher sprechen von Scharlatanerie. Beim dänischen Komitee für Wissenschaftliche Unredlichkeit sind Beschwerden eingetroffen.
Kritiker bezeichnen seine Arbeit als selektiv, unprofessionell und konfus, schreibt der „Guardian“. Rajendra Pachauri, Vorsitzender des UNO-Weltklimarates, verglich ihn sogar mit Adolf Hitler: Wegen der statistischen Verbrechen, in denen er Menschen zu sehr als Zahlen behandle.
Das „Time Magazine“ hingegen reihte den kontroversen Wissenschaftler 2004 unter die 100 einflussreichsten Menschen. Die renommierte Cambridge University Press (CUP) veröffentlichte zahlreiche seiner Bücher in Großbritannien und den USA. Und die Dokumentarfilmemacherin Ondi Timoner verfilmte gemeinsam mit dem „X-Men“-Filmproduzenten Ralph Winter Lomborgs Buch „Cool It“. Subtitel: „The first optimistic film about global warming“ („Der erste optimistische Film über globale Erwärmung“).
Legitimation für dänische Anti-Umweltpolitik
Lomborg behauptet immer wieder, ehemaliges Greenpeace-Mitglied zu sein. Bei der Umweltorganisation weiß man davon aber nichts.
Von der konservativen dänischen Regierung wurde er 2002 zum Leiter eines neuen staatlichen „Instituts für Umweltbewertung“ ernannt. Gleichzeitig setzte Dänemark die strengen Umweltgesetze der sozialdemokratischen Vorgängerregierung außer Kraft - mit dem „wissenschaftlichen Sanktus“ Lomborgs.
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