Herausforderung, der man sich „stellen muss“
Der Zustand der Umwelt ist besser als behauptet, Katastrophenszenarien sind maßlose Übertreibung und das Kyoto-Protokoll zum Abbau von Treibhausgasen „ineffizient“. So lauten die Thesen des dänischen Statistikprofessors Björn Lomborg, die ihn weltweit als Anti-Ökologie-Guru bekannt machten. In seinem neuen Buch rudert Lomborg zurück und pocht vehement auf ein Entgegensteuern gegen den Klimawandel.
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Die Tatsache, dass der Klimawandel eine Bedrohung für die Menschheit bedeutet, stellte Lomborg nie in Zweifel. Das Ausmaß der Katastrophe jedoch, wie es vom Gros der Umweltschützer und in vielen Medien gezeichnet wird, sieht der Wissenschaftler als Schwarzmalerei.
Sein neuestes Buch, das im September in Großbritannien erscheinen wird, scheint einigen seiner alten Thesen jedoch zu widersprechen: Lomborg fordert nun plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit und Anstrengungen für den Klimaschutz ein, wie der „Guardian“ aus seinem Buch „Smart Solutions to Climate Change: Comparing Costs and Benefits“ vorab berichtet.
Das Buch scheine „so viel“ von dem zu widersprechen, was Lomborg zuvor gesagt habe, schreibt der „Guardian“. Der Wissenschaftler „verirre“ sich damit auch auf neues, kontroversielles Territorium. So plädiert Lomborg, der stets viel zu teure Klimaschutzmaßnahmen aufs Schärfste kritisiert hatte, plötzlich dafür, mehr Geld für Klimatechnikmaßnahmen auszugeben.
100 Mrd. Dollar jährlich als Lösung?
Der Klimawandel sei „ohne Zweifel eines der Hauptanliegen, dieser Welt“ und eine „Herausforderung, der sich die Menschheit stellen muss“. 100 Milliarden Dollar (knapp 79 Milliarden Euro) pro Jahr könnten das „Klimawandelproblem bis zum Ende dieses Jahrhunderts im Wesentlichen lösen“.
Wenn wir auf unsere Umwelt aufpassen und sie auch in Zukunft bestmöglich erhalten wollten, „haben wir nur eine Möglichkeit: Wir alle müssen ernstlich und sofort beginnen, mit den effizientesten Möglichkeiten die globale Erwärmung in Ordnung zu bringen“.
Alte These: „Keine massiven Störungen“
Manche seiner Thesen, so der „Guardian“, stünden nun in direktem Widerspruch zueinander. So schrieb Lomborg in seinem letzten Buch „Cool It“ etwa, dass der Klimawandel „keine massiven Störungen oder große Totenzahlen“ verursachen werde, die Auswirkungen zwar dennoch vorwiegend negativ seien, es aber „offensichtlich“ sei, dass es „viele andere, dringlichere Probleme“ gebe.
Veröffentlichte Zahlen zum Klima seien übertrieben, viele der gesetzten Maßnahmen wenig erfolgreich und viel zu teuer. Das ausgegebene Geld sei besser in Malaria- oder HIV-Bekämpfung investiert.
Geld soll effizient investiert werden
„Der Punkt ist“, zitiert die britische Zeitung den umstrittenen Wissenschaftler, „es ist nicht das Ende der Welt.“ Man solle deshalb abschätzen, was „alle anderen sagen“ und „unser Geld gut investieren“, so Lomborg nun, der ob seiner provokanten Thesen von Rajendra Pachauri, Vorsitzender des UNO-Weltklimarates, etwa mit Adolf Hitler verglichen wurde.
Als einfache und effiziente Maßnahme gegen Wärmestaus in Städten schlägt er etwa schon im Buch „Cool It“ vor, Teerflächen und Gebäude weiß anzustreichen, um so die allgemeine Rückstrahlungsfähigkeit und den natürlichen Schatteneffekt von Gebäuden zu steigern.
Lomborg: Keine Kehrtwende
Wenig überraschend dementiert Lomborg, von Kritikern auch als Scharlatan bezeichnet, dass seine Aussagen nun eine Kehrtwende darstellen würden. Er habe nie widersprochen, dass es eine vom Menschen verursachte globale Erwärmung gäbe.
Außerdem habe er schon vor langem akzeptiert, dass die Schadenskosten bei zwei bis drei Prozent des weltweiten Vermögens betragen würden, zitiert ihn der „Guardian“. Lomborg behauptet dabei, dieselben Zahlen zu nennen wie Klimaexperte Lord Stern, der in einem Bericht für die britische Regierung vorschlägt, weltweit ein bis zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Bekämpfung des Klimawandels bereitzustellen, um zukünftige Schäden zu vermeiden.
Der Stern-Bericht spricht jedoch von Schäden im Bereich von fünf bis 20 Prozent des BIP, nicht von zwei bis drei. Die Differenzen ergäben sich laut Lomborg aus unterschiedlichen „Abschlagsfaktoren“. Dabei handelt es sich um die Berechnung des Werts des Geldes heute, das für die Zukunft ausgegeben oder gespart wird. Keiner der beiden Werte sei messbar „richtig“, sagt Lomborg: Es seien Urteile, allerdings mit weitreichenden Auswirkungen für darauf basierende Analysen der Kosten und Erträge des Geldes, das nun in den Kampf gegen den Klimawandel investiert werde.
Kritiker nicht ausreichend informiert?
Falsche Auffassungen seiner Position hätten meist jene Personen, die seine Arbeit gar nicht gelesen hätten, sagte Lomborg: „Ich versuche, das zu bekämpfen.“
Eine andere Ursache für Missverständnisse könnten, so der „Guardian“, auch Unterschiede zwischen dem Inhalt und dem Ton seiner Arbeit sein. In ihr werden knappe Statements zur Tatsache der durch Menschen verursachten globalen Erwärmung begleitet von ausführlichen Argumenten darüber, warum Treibhausgase und Temperaturen vor langer Zeit höher gewesen seien, und dass mehrere Effekte, wie der steigende Meeresspiegel und die Bedrohung der Polarbären, verzerrt seien.
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