Fox-Moderator als Speerspitze
Mit einer Großkundgebung in Washington am Samstag wollen rechtsgerichtete Gegner von US-Präsident Barack Obama gegen die Politik der Regierung mobilmachen. Unter der Führung des umstrittenen TV-Moderators Glenn Beck haben sich Zehntausende Anhänger der erzkonservativen „Tea Party“-Bewegung an einem symbolträchtigen Ort, dem Lincoln Memorial, zu einer Demonstration ihrer Macht getroffen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Sie versammelten sich an jenem Ort also, an dem Martin Luther King auf den Tag genau vor 47 Jahren eine Rede in dem berühmten Ausruf gipfeln ließ: „I Have a Dream“ (Ich habe einen Traum).
Scharfmacher Beck
Für viele ist der Aufmarsch der „Tea Party“-Leute unter ihrem Wortführer Beck eine politische Provokation. In den Augen von Kritikern kommt die Versammlung am Lincoln Memorial, das so große Bedeutung für die Bürgerrechtsbewegung hat, einer Entweihung gleich.

Reuters/Chris Keane
Glenn Beck auf der Jahresversammlung der National Rifle Association (NRA)
Organisator Beck vom Fernsehsender Fox, selbst ernannter Retter der USA, wurde überhaupt erst durch das gefährliche Spiel mit Ressentiments zur Galionsfigur jener US-Bürger, die sich angesichts der anhaltend schlechten Wirtschaft und des Budgetfiaskos in dumpfer Wut gegen das Politikestablishment in Washington im Allgemeinen und gegen Präsident Obama im Besonderen ergehen. Beck gilt neben der früheren republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin und Alaska-Gouverneurin Sarah Palin, die am Samstag auch eine Rede halten wird, als Speerspitze der „Tea Party“-Bewegung.
„Ehre wiederherstellen“
In Obama und dessen Regierung sieht Beck nicht weniger als eine „Verschwörung gegen die USA“. So unterstellte er dem Präsidenten einen „tief sitzenden Hass auf Weiße“. Damit rief Beck in Erinnerung, dass Obama eben kein Weißer sei. In seinen Sendungen lässt Beck kaum eine Verschwörungstheorie – von dessen angeblicher Geburt in Kenia bis hin zu geplanten Umerziehungslagern für US-Bürger - gegen den Präsidenten aus.
In solchen Äußerungen sehen Kritiker ein Spiel mit Vorurteilen. Worin Beck selbst seine Mission sieht, lässt das Motto der Kundgebung am Samstag erahnen: Es lautet „Wiederherstellung der Ehre“.
„Versuch der Geschichtsfälschung“
Es sei der unverfrorenste Trick Becks bisher, kommentiert der progressive Journalist und Buchautor Will Bunch auf der Website von CNN. Beck werde wohl versuchen, eine Bürgerrechtsbewegung seiner Vorstellung zu proklamieren. „Dabei wird er das fortsetzen, was er schon die vergangenen 18 Monate getan hat: Die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie eine Laugenbrezel zurechtzubiegen“.
Gerade an dem symbolischen Ort und dem Jahrestag der Martin-Luther-King-Rede sei das besonders frech. Die Bürgerrechte für seine Bewegung zurückzuverlangen, sei nichts anderes als ein Versuch, die US-Geschichte von den Gründervätern an umschreiben zu wollen. Die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung des 20. Jahrhunderts für gleiche Rechte für ethnische Minderheiten, Frauen und Homosexuelle würden von Beck als Marsch in Richtung Sozialismus umgedeutet.
Wie stark ist die „Tea Party“?
Kritiker unterstellen der „Tea Party“, die sich als Sammelbecken wütender konservativer Regierungskritiker versteht, rassistische Untertöne. Deren Vertreter streiten das ab. Klar ist aber, dass die den Republikanern nahestehende Bewegung vor allem von älteren, weißen US-Bürgern getragen wird und aggressiv Ressentiments gegen Obama nährt.
Die „Tea Party“ fordert eine Rücknahme der Gesundheitsreform, Steuererleichterungen, einen Abbau der Sozialleistungen, einen isolationistischen Kurs in der Außenpolitik und eine strenge Haushaltssanierung. Bei den Kongresswahlen im November tritt sie nicht selbst an. Sie versucht aber, dafür zu sorgen, dass die Republikaner besonders rechtsgerichtete Kandidaten für die Wahl aufstellen.
Offen ist, ob sich das Mobilisierungspotenzial der „Tea Party“ im November auch in politische Macht an der Wahlurne niederschlägt. Die Großkundgebung am Samstag soll nach dem Willen der Veranstalter einen Eindruck von der Stärke der Basisbewegung geben. Beck rechnet mit etwa 100.000 Teilnehmern.
Links: