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Adidas & Co. interessiert

Das Wachstum in der Outdoor-Branche ist trotz Wirtschaftskrise ungebrochen und im vergangenen Jahr weiter mit zwei bis drei Prozent gewachsen. Zu einem der größten der Branche entwickelte sich das deutsche Unternehmen Jack Wolfskin. Der Umsatz legte 2009 wieder um 22 Prozent auf 251 Millionen Euro zu. Die Eigentümer wollen diesen Erfolg nun zu Geld machen.

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Seit fünf Jahren sind die Finanzinvestoren Barclays Private Equity und Quadriga Capital Eigentümer des Outdoor-Ausrüsters. Nun soll die Investmentbank Morgan Stanley laut der Nachrichtenagentur Reuters damit beauftragt worden sein, nach Interessenten für den Outdoor-Ausrüster zu suchen. Der Markt ist interessant, denn für wetterfeste Kleidung, die nicht mehr nur in der Natur, sondern immer mehr auch in der Freizeit in Städten getragen wird, sind Konsumenten offenbar auch bereit, höhere Preise zu zahlen.

Geschäftsführer mit Freiheitsdrang

Bisheriger Erfolgsgarant war Firmenchef Manfred Hell, der sich selbst als Naturbursche bezeichnet und dem von den Eigentümern des Unternehmens weitgehend freie Hand gelassen wurde. Die Zusammenarbeit mit ihm wäre auch entscheidend für eine gelungene Übernahme. „Hell kann man nicht an die Leine legen, sonst geht der einfach“, wird er von ihm nahestehenden Personen beschrieben. Es sei schwer vorstellbar, dass er sich beispielsweise in der Hierarchie eines adidas-Konzerns einordne und jedes Quartal Zahlen vor Analysten rechtfertigen wolle.

Unternehmensprofil

Gegründet wurde Jack Wolfskin 1981 in Deutschland, 1997 wechselte der Firmensitz nach Idstein in Hessen. In Deutschland gibt es 2.400 Verkaufsstellen, rund 1.000 weitere in anderen europäischen Ländern. Derzeit arbeiten 400 Mitarbeiter für das Unternehmen.

Als mögliche Käufer werden vor allem adidas und Puma gehandelt, auch Nike könnte Interesse haben. Die traditionellen Sportartikelhersteller haben den Outdoor-Bereich für Bergsteiger, Wanderer und Fahrradfahrer weitgehend vernachlässigt. Für sie liegt darin nun großes Potenzial, durch eine Übernahme sprunghaft zu wachsen.

Adidas will wachsen

Schon im März hatte adidas-Chef Herbert Hainer Interesse in Richtung Jack Wolfskin bekundet: „Wenn ich eine Akquisition sehe, dann am ehesten im Outdor-Bereich.“ Er erwartet vor allem ein Wachstum in Sportarten wie Trekking, Wandern und Mountainbiking: "Wir werden investieren, was nötig ist, um eine Größe in diesem Bereich zu sein. Ein Siebenjahresplan soll adidas bis 2015 zu einer der führenden Outdoor-Marken werden, berichtete der „Spiegel“. Analysten halten adidas für den realistischeren Käufer. Puma sei noch mit der Integration der Golfmarke Cobra beschäftigt, adidas hingegen konnte die lange schwächelnde US-Tochter Reebok wieder stärken.

„Wir verspüren reges Interesse“, zitiert Reuters eine Person aus dem Umfeld der Verkäufer. Aggressive Bieter gebe es aber keine. Die Preisvorstellungen der Verkäufer belaufen sich offenbar auf 400 bis 500 Millionen Euro. Diese werden in der Branche als hoch bewertet. Im Vergleich dazu: Der japanische Sportkonzern Asics übernahm im Juli die schwedische Outdoor-Marke Haglöfs um rund 100 Millionen Euro. Beobachter halten es auch für möglich, dass bei Jack Wolfskin erneut Finanzinvestoren zum Zug kommen könnten.

Konsolidierung erwartet

Während der Umsatz von Jack Wolfskin mit über 250 Millionen Euro angegeben wird, hält sich das Unternehmen zum Gewinn bedeckt. Brancheninsder gehen bei einer unterstellten Umsatzrendite von rund fünf Prozent von etwa 15 Millionen Euro Profit aus: „150 bis 200 Millionen Euro wären dann ein fairer Preis.“ Das Rennen um Jack Wolfskin werde dennoch spannend, denn eine Übernahme aus der Branche würde die Kräfteverhältnisse im Outdoor-Markt stark verschieben. Beobachter erwarten in jedem Fall eine Konsolidierung der Branche.

Derzeit ist der Outdoor-Markt nicht von wenigen großen Konzernen, sondern von einigen mittelständischen Unternehmen dominiert, darunter Schöffel aus Deutschland, Patagonia aus den USA und Northland aus Österreich. Ausnahme ist die zum Jeans-Konzern VF Corp (Wrangler, Lee) gehörende Marke The North Face, die sich mit dem Hauptkonkurrenten Jack Wolfskin den größten Teil des Marktes sichert und sich mit Jack Wolfskin insbesondere auf dem britischen und deutschen Markt misst.

Jack Wolfskin startet im September mit dem ersten Geschäft in London, weitere Geschäfte sollen dort in den nächsten Monaten folgen, berichtete die „Financial Times Deutschland“ („FTD“). Großbritannien gilt aber auch für The North Face mit einem Umsatz von gesamt 1,3 Milliarden Dollar (knapp eine Mrd. Euro) 2009 neben den USA als wichtigster Markt. Das kalifornische Unternehmen wiederum will auf in Deutschland dem deutschen Unternehmen Jack Wolfskin Konkurrenz machen.

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