„Geschäft zu gut, um wahr zu sein“
Frei nach dem Motto „Frechheit siegt“ hat ein arbeitsloser Lkw-Fahrer mit einem besonders dreisten Schwindel einen der reichsten Männer der Welt genarrt. Anthony Lee verlangte für das Londoner Ritz-Hotel 250 Millionen Pfund (298 Mio. Euro) und bekam dafür sogar eine Million Pfund als Vorauszahlung. Am Dienstag wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt.
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Der 49-Jährige hatte einen Kaufinteressenten davon überzeugt, dass er mit den zurückgezogen lebenden Besitzern des Hotels befreundet sei und Verhandlungsvollmacht besitze. Aus „familiären Gründen“ sei das Traditionshaus weit unter Wert für nur 250 Millionen Pfund zu haben, versprach er potenziellen Käufern. Und prompt biss in der Person des Immobilienmaklers Terence Collins ein Interessierter an.

AP/North Yorkshire Police
Der 49-jährige Anthony Lee narrte Geschäftsleute und luchste ihnen eine Million Pfund ab.
Milliardäre als „gute Freunde“
Der Plan war simpel: Lee würde von seinem „guten Freund“, dem Milliardär Sir Frederick Barclay, der gemeinsam mit seinem Bruder Sir David Barclay das Ritz besitzt, das Hotel um 200 Millionen Pfund abkaufen und Collins für 250 Millionen Pfund überlassen. Dieser würde es dann für deutlich mehr Geld erneut weiterverkaufen. Der „Deal“ wurde bereits 2006 geschlossen.
Um seine Rolle noch glaubhafter zu gestalten, erfand Lee noch einen „mysteriösen“ irischen Geschäftsmann, der ebenfalls Kontakte zu den Barclays habe. Während des Gerichtsprozesses musste Collins zugeben, dass er diese Person niemals kennengelernt hatte. Auf die Frage, ob er glaubte, dass Lee die Barclay-Brüder gekannt hätte, räumte Collins ein, dass er tatsächlich dachte, sie seien miteinander bekannt.
Besichtigungstour durch Hotel
Auf der Suche nach einem potenten Investor stieß Collins auf den dänischen Geschäftsmann und Millionär Marcus Boekhoorn. Er lockte ihn mit dem Versprechen, dass der Ritz-Besitzer „rasch und diskret“ sein Hotel über eine dritte Person verkaufen wolle. Boekhoorn wurde sogar zu einer Tour durch das Hotel eingeladen, wo bereits über Umbauarbeiten gesprochen wurde. Selbst die eine Million Pfund, die Lee als Vorauszahlung verlangte, zahlte Boekhoorn daraufhin bereitwillig.
Bis hierher funktionierte der Schwindel einwandfrei. Doch als Lee die Million tatsächlich auf seinem Konto vorfand, wurde er geldgierig. Er versuchte mehr Geld herauszuschlagen und verlangte plötzlich 470 Millionen Pfund für das Hotel. Damit platzte das Geschäft und Boekhoorn verlangte seine Anzahlung zurück. Doch das Geld war längst weg. Lee gab vor Gericht an, es bei einem weiteren Immobiliendeal mit Collins verloren zu haben.
„Einfach, aber gut durchdacht“
Die Ermittlungen zu dem Fall dauerten zwei Jahre, der Prozess weitere vier Wochen. Vor Gericht versicherten Frederick und David Barclay, Lee noch nie gesehen, geschweige ihn mit dem Verkauf beauftragt zu haben, wie der britische Sender BBC berichtete. „Das Geschäft war einfach zu gut, um wahr zu sein“, erklärte Staatsanwalt Anuja Dhir. Der ganze Plan sei „einfach, aber gut durchdacht“ gewesen und habe darauf abgezielt, Personen zu schaden. Unter anderem hätte der gute Ruf von Boekhoorn gelitten.
Geld verprasst?
Auch über den Verbleib des Geldes hatte der Staatsanwalt eine eigene Theorie. Lee soll die Million mit Freunden geteilt und bei einer Vergnügungstour verprasst haben.
Lee, der nur einmal eine polizeiliche Verwarnung wegen Diebstahls bekommen hatte und etwas mit seiner Miete im Rückstand war, versicherte dem Richter, er sei „nur ein aufrechter Mann aus Yorkshire“. Richter Stephen Robbins sah jedoch seine Schuld als bewiesen an und setzte am Dienstag das Strafmaß mit fünf Jahren Haft fest.
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