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Künstliches Fahrgeräusch für E-Autos

Nach der schweren Krise der letzten zwei Jahre setzen zahlreiche Autokonzerne voll auf das Elektroauto. Der umweltfreundliche Antrieb soll das als teurer Klimaverpester in die Kritik geratene Fortbewegungsmittel Nummer eins der westlichen Welt wieder zukunftsfähig machen. Und das könnte auch die Geräuschkulisse auf der Straße revolutionieren.

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In den Entwicklungsabteilungen der Konzerne wurde zwar seit Jahrzehnten mehr oder weniger intensiv am E-Auto gebastelt. Doch alle Versuche verliefen immer rasch im Sand - nicht ganz zufällig, wie Kritiker immer vermuteten. Wie dem auch sei: Mit den ständig steigenden Treibstoffpreisen, dem Erfolg von Hybridautos und vor allem dem politischen Druck, die CO2-Emissionen zu senken, entdeckte die Branche ihre Liebe zu den E-Autos wieder.

Stille Konkurrenz

Und nun soll es ganz schnell gehen: Ab Ende des Jahres bekommen die „herkömmlichen“ Autos mit brummendem, jaulendem, schnurrendem und tuckerndem Verbrennungsmotor Konkurrenz von Vehikeln mit E-Motor. Deren vielleicht größtes Problem abseits von der durch die Batterie begrenzten Reichweite und der benötigten Ladezeit: Die Autos sind zu leise.

Höheres Risiko

Diese an sich angenehme Begleiterscheinung bedeutet jedoch ein höheres Sicherheitsrisiko, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, wenn diese nicht mehr hören, dass sich ein Auto nähert - und in welcher Geschwindigkeit. Eine Studie der US-amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) kam zu dem Schluss, dass bei bestimmten Fahrmanövern die Gefährdung für Fußgänger und Radfahrer bei Hybrid- und Elektroautos erhöht ist. Konkret betraf dies Fahrten bei niedriger Geschwindigkeit, untertags, bei klarer Sicht.

Das Problem besteht laut US-Untersuchungen vor allem bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h, bei höherer Geschwindigkeit sorgen die Reibung der Räder und der Fahrtwind für die gewohnte Geräuschkulisse, die Passanten bei Autos erwarten.

Noch ist alles möglich

Mehrere Firmen haben eigene Soundsysteme für den Einsatz in Hybrid- und E-Autos entworfen. Möglich ist dabei theoretisch alles: Vom Brummen eines Verbrennungsmotors über das Zwitschern von Vögeln (bei Überlandfahrten wohl nicht empfehlenswert) bis hin zu Geräuschen, die den Filmen „Star Wars“ und „Blade Runner“ entnommen sind. Und manche Systeme überlassen es dem Fahrer, das Warngeräusch zu aktivieren oder ausgeschaltet zu lassen.

Spätestens wenn die ersten neuen serienproduzierten Elektroautos von den Bändern rollen, werden aber wohl gesetzliche Auflagen zum neuen Straßensound kommen. Längst gibt es in der EU-Kommission, im US-Kongress und auch in der japanischen Regierung Überlegungen, eine Mindestlautstärke gesetzlich vorzuschreiben. Die EU-Kommission will bis 2012 entscheiden, ob ein künstliches Warngeräusch verpflichtend in Elektoautos eingebaut werden muss.

Sicherheit mit Darth Vader

Völlig offen ist noch, ob in einem solchen Fall auch die Charakteristik des Motorersatzgeräuschs eingegrenzt wird, wie die britische „Daily Mail“ bereits im Mai berichtete. Die Frage ist jedenfalls nicht trivial. Denn es ist wohl fraglich, ob es die Sicherheit erhöht, wenn ein Elektroauto mit dem brummenden Geräusch des Lichtschwerts von Darth Vader oder mit dem Warp-Sound des „Raumschiffs Enterprise“ vorbeifährt.

Unklar ist auch, ob Autolenker das Geräusch selbst ein- und ausschalten können oder ob es automatisch eingeschaltet wird. Für die Automarken bietet sich jedenfalls die Chance, nicht nur durch die Formgebung der Karosserie, sondern auch mit einem unverkennbaren Geräusch die Markenidentität zu stärken.

Nissan als Pionier

Als erster Autobauer bringt Nissan sein Elektroauto Leaf ab Ende des Jahres auf den Markt und hat das selbst entwickelte Geräuschsystem im linken vorderen Kotflügel eingebaut. Nissan entschied sich für ein eigenes Geräusch, das nichts mit dem gewohnten Motorengeräusch gemein hat.

Der Sound erinnert eher an einen sehr kleinen Düsenjet. Das Geräusch beim Reversieren ist metallisch und abgehackt - ähnlich wie bei rückwärts fahrenden Lkws. Das System wird mit dem Motorstart automatisch eingeschaltet, kann vom Lenker aber auch abgedreht werden.

Sound aussuchen

Der Sound garantiert, dass der von seinem Äußeren her wenig spektakuläre Nissan Leaf zumindest am Anfang für Aufsehen sorgen wird. Auch die Behörden werden aufmerksam verfolgen, wie der Nissan-Sound bei Fußgängern und Radfahrern ankommt. Nissan könnte so die künftigen Soundregeln entscheidend mitprägen. Wer künftig ein Auto kauft, kann dann möglicherweise nicht nur zwischen verschiedenen Farben, sondern auch zwischen mehreren Sounds wählen.

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