Die Überraschungsstars des Sommers
Was Krankheiten betrifft, waren die Salzburger Festspiele im Jahr 2018 leidgeprüft. Noch nie in der beinahe hundertjährigen Geschichte wurde ein Jedermann krank. Nur einmal musste der Jedermann 1933 ersetzt werden - damals galten aber Filmaufnahmen als der wahrscheinlichsten Ausfallsgrund von Schauspieler Paul Hartmann, für den Raul Lange, der im Stück die Stimme Gottes spielte, eingesprungen war.
Heuer erwischte es Tobias Moretti mit einer viralen Lungenentzündung. Star-Salome Grigorian fiel im Finale mit ihrer doch sehr im Wasserbad angelegten Rolle einmal krankheitsbedingt aus. Und just bei der ORF-Fernsehübertragung musste wenige Stunden vor dem Auftritt Albina Schagimuratowa als Köngin der Nacht w. o. geben.
#throwbackthursday: Die 23-jährige Sopranistin Emma Posman erinnert sich an letzten Samstag, als sie in letzter Minute...
Gepostet von Salzburger Festspiele | Salzburg Festival am Donnerstag, 9. August 2018
Publikum feiert den Last-Minute-Einsatz
Vor allem die Rollendebüts von Posman und Hochmair haben das Publikum heuer in den Bann gezogen. Posman sprang just am Abend der ORF-TV-Übertragung am 4. August ein, weswegen nicht nur die Anwesenden im Festspielhaus die Königin der Nacht bejubeln konnten, sondern ein breites Publikum dieses besondere Debüt mitverfolgen konnte.
Ähnlich spannend fünf Tage später der Auftritt von Hochmair als Jedermann. Hatte Posman drei Stunden für ihren Auftritt als Königing der Nacht, blieben Hochmair für die Hauptrolle, wie er und Schauspielchefin Bettina Hering erzählten, 30 Stunden Vorbereitung. Ein Knopf im Ohr soll Hochmair an diesem Premierenabend, bei dem über zweitausend Besucher wie elektrisiert dasaßen, gerettet haben.
Dass dieser Premierenabend so gut gelaufen ist samt den nachfolgenden Vorstellungen, in denen Hochmair noch eingesprungen ist, wusste vor allem einer zu feiern: Hochmair selbst. Nicht alle im Ensemble fanden das so prickelnd. Vor allem nicht die Kommentare in den Zeitungen, die Hochmair schon als neuen und künftigen Jedermann auf den Schild hoben. Deutlich wurde aber auch: Hochmair und Buhlschaft Stefanie Reinsperger, das war eine mehr als funktionierende und beinahe fast logisch wirkende Paarung.

APA/Barbara Gindl
Erleichterung nach dem gelungen Hochmair-Einstand: Reinsperger umarmt den Jedermann
Auch Salome musste ersetzt werden
Im Finale der „Salome“ erwischte es schließlich Grigorian, die von der Schwedin Byström als Salome ersetzt wurde. Byström, erfahren in ihrem Fach, tat das mit Bravour und, man muss sagen, großer Selbstverständlichkeit.

Salzburger Festspiele / Marco Borelli
Byström: Fürs Einspringen nicht nur von Franz Welser-Möst gelobt, sondern vom Publikum bejubelt
Im Fokus vieler Interviews stand in den vergangenen zwei Wochen jedenfalls die junge Belgierin Posmann. Ihr erfolgreiches Debüt auf der großen Bühne des Festspielhauses wird nicht zuletzt auch mit der in Salzburg betriebenen Nachwuchsarbeit begründet.
Posmann singt ja die Königin der Nacht auf der Young-Singers-Project-Schiene der Festspiele, die gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Einerseits will etwa die „Zauberflöte für Kinder“ neue Publikumsschichten für die Zukunft heranbilden, auf der anderen Seite hat man eine Bühne für die Sängerinnen und Sänger von morgen, die sich hier erstmals vorerproben können.
Das Resümee von Barbara Rett
ORF-Festspielexpertin Barbara Rett zieht ein Resümee über die erinnerungswürdigsten Momente der diesjährigen Salzburger Festspiele.
Rett: „Jung sein ist nicht genug“
Das unterstreicht auch ORF-Moderatorin Barbara Rett als längjährige Kennerin der Salzburger Festspiele. „Jung sein ist nicht genug“, so Rett im Rahmen des Magazins „Jedermann/Jedefrau“: „Man braucht harte Arbeit, also zehn Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration und natürlich auch eine Prise Glück.“
Viele Stars von heute habe man sich durch die zahlreichen Nebenschienen für junge Talente bei den Salzburger Festspielen tatsächlich herangezogen, konstatiert Rett. Die hinzufügt: „Gut sein genügt nicht, man muss schon besonders gut sein.“ Und in Zeiten von YouTube, Castings per Video zählte natürlich auch der Faktor Selbstpräsentation. Und last, but not least: der Geschmack der Medien, die ja letztlich immer nach der nächsten Netrebko Ausschau hielten.
Gerald Heidegger, ORF.at