Die Schauspielerinnen von "Maikäfer flieg": Lana Mae Lopicic, Zita Gaier, Ursula Strauss

ORF.at/Simon Hadler

Diagonale mit viel guter Laune eröffnet

Mit viel guter Laune ist am Dienstagabend die erste Diagonale unter der Leitung von Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger eröffnet worden. Die beiden forderten in ihrer Einstandsrede auf: „Lassen Sie uns für den Film in all seiner Vielfalt brennen.“ Zuerst wurde der Eröffnungsfilm „Maikäfer flieg“ gefeiert, danach eine Party.

Angesichts der Jugendlichkeit des neuen Führungsduos kalauerte Moderator Christoph Grissemann: „Aber seit sie die Diagonale übernommen haben, sind sie um Jahre gealtert.“ Im Verlauf des Abends wurden Schernhuber und Höglinger dann auch noch von Produzentin Gabriele Kranzelbinder auf der Bühne als die „Diagonale-Jungs“ bezeichnet. In ihrer Rede zitierten die beiden passenderweise Tocotronic - „Im Zweifel für den Zweifel/Und für die Pubertät“ - und forderten das Publikum auf, den österreichischen Film zu feiern, „zu saufen, zu tanzen und zu rauchen“.

Diagonale-Eröffnung: Schernhuber und Höglinger

ORF.at/Simon Hadler

Schernhuber und Höglinger kurz vor ihrer Eröffnungsrede. Nervös?

Weil es nicht überall so lustig zugeht wie bei der Diagonale, nutzten Schernhuber und Höglinger ihre Rede für einen Appell an die europäische Gemeinschaft in Sachen Flüchtlinge. Angesichts der „schrecklichen Bilder aus Idomeni“ forderten sie die Politik auf, nicht vermeintliche nationale Interessen in den Vordergrund zu rücken und nicht neue Grenzen hochzuziehen. Was bei keiner Diagonale fehlen darf: die Aufforderung an Fördergeber, Geld für den österreichischen Film in die Hand zu nehmen - mehr über die Diagonale-Eröffnung auch in oe1.ORF.at.

Erni Mangold, Heinz Fischer und der Kohlenkeller

Mit Standing Ovations wurde Erni Mangold bedacht, der man den Großen Schauspielpreis des Filmfestivals überreichte. Mangold, mit 89 Jahren mehr als dreimal so alt wie der 27-jährige Schernhuber, bedankte sich wie gewohnt mit trockenem Humor und sprödem Charme. Als Preis wurden ihr ein großer Stab und ein Kimono geschenkt, den Mangold sogleich überwarf und konstatierte, sie fühle sich nun wie der Nikolo. In höchsten Tönen hatten sie zuvor die Laudatoren Hilde Dalik und Murathan Muslu sowie Bundespräsident Heinz Fischer bei einem seiner letzten Auftritte in Amt und Würden gelobt.

Bundespräsident Heinz Fischer bei der Diagonale

ORF.at/Simon Hadler

Bundespräsident Heinz Fischer: ein Lächeln für jede Kamera

Fischer ging in seiner Rede aber vor allem auf den Eröffnungsfilm ein, der die Verfilmung eines Buches von Christine Nöstlinger ist, in dem sie mit vielen autobiografischen Bezügen von einer Kindheit im Wien des Jahres 1945 erzählt.

Nöstlinger im Interview

Christine Nöstlinger im spannenden Interview mit dem „kultur.montag“ über ihre Kindheit zu Kriegsende, über ihren verschlungenen Weg Richtung Schreiben und über Feminismus.

Fischer erinnerte sich daran, wie er bei Bombenangriffen im Kohlenkeller sitzen musste. Durch die Erschütterungen bei Detonationen sei der Kohlenstaub aufgewirbelt worden. Noch heute verbinde er den Geruch von Kohlen mit dem Krieg.

Wage-Mut: „Maikäfer flieg“

Jungstar Zita Gaier im Interview über ihre Christl aus „Maikäfer flieg“: Sie findet das Mädchen „cool“. Und Ursula Strauß über die Mutter: „eine starke Frau“.

Mirjam Unger, Ernst Molden und die All Stars

Trotz des ernsten Themas ließ es sich das Team von „Maikäfer flieg“ nicht nehmen, ausgiebig zu feiern. Regisseurin Mirjam Unger bedankte sich gut gelaunt bei Schernhuber und Höglinger dafür, die Diagonale eröffnen zu dürfen. Und sie bedankte sich bei ihrem Team, allen voran den Kindern - ganz oben im Bild zu sehen Lana Mae Lopicic (links) und Hauptdarstellerin Zita Gaier (Mitte) mit Ursula Strauss - mehr über den Film in „Nöstlinger meets Pippi Langstrumpf“.

Diagonale-Band des "Maikäfer Flieg"-Teams

ORF.at/Simon Hadler

Links Krista Stadler und Ursula Strauss, in der Mitte, unerschütterlich, Ernst Molden, rechts das turtelnde Ehepaar Mirjam Unger und Gerald Votava

Eine schöne Idee dann im Anschluss: Ernst Molden spielt auf der Gitarre Songs, begleitet von Walther Soyka auf der Ziehharmonika - und die Stars von „Maikäfer flieg“ singen zuerst abwechselnd und schließlich gemeinsam dazu. Bei manchen stimmte der Einsatz, bei anderen das Talent, Spaß machte das Ganze aber immer. Noch ein Tipp zum Abschluss: Wer nächstes Mal kommen möchte, sollte ein Lunchpaket mitnehmen - recht bald gab es nur noch Beilagen (trockenes Couscous mit trockenem Brot). Aber wegen des Buffets geht man ja nicht hin. Es geht hier um den österreichischen Film.

Simon Hadler, ORF.at

Link: