Filmstill aus "Daft Punk Unchained"

Viennale/Dj Falcon

„Daft Punk Unchained“: Zwei Helme für die Freiheit

Die Dokumentation „Daft Punk Unchained“ wirft - neben der chronologisch abgehandelten Karriere der Daft-Punk-Musiker Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo - auch einen flüchtigen Blick auf die Anfänge des mysteriösen Duos. Zumindest in diesen wenigen Fragmenten wird gezeigt, wer die zwei französischen Musiker wirklich sind und warum sie nach der Jahrtausendwende beschlossen haben, „Roboter“ zu werden.

Nicht ein einziges Mal meldet sich Daft Punk in dieser 85-minütigen Doku zu Wort, um Stellung zu nehmen. Ob es die Musiker nicht wollten oder ob Regisseur Herve Martin-Delpierre nie die Intention hatte, Daft Punk zu interviewen, ist unklar. Sicher ist, es hätte gestört und den Mythos um die Band vernichtet. So endet der Film mit der Grammy-Preisverleihung am 26. Jänner 2014, bei der die Band fünf Auszeichnungen für ihr viertes und bisher letztes Studioalbum „Radom Access Memories“ entgegennahm – und auch dabei stumm blieb.

Filmstill aus "Daft Punk Unchained"

Viennale/Getty Images/Kevin Winter

Daft Punks Auftritt bei den Grammy Awards 2014

Technologie als Teil der Musik

Im Laufe der Doku deuten nur kurze Ausschnitte aus vergangenen Radiointerviews mit dem Daft-Punk-Duo die Sicht auf ihre Karriere an. Ihr Bestreben, anonym zu bleiben, ist jedoch fast noch Aufsehen erregender als ihr musikalischer Werdegang – wohlgemerkt auch aufgrund weniger Live-Auftritte und Interviews. Stellungnahmen von Journalisten, dem ehemaligen Bandmanager Pedro Winter oder dem DJ und BBC-Radiomoderator Pete Tong zeichnen ein deutliches Bild ihrer musikalischen Ziele.

Filmstill aus "Daft Punk Unchained"

Viennale/Philippe Levy

Bangalter und de Homem-Christo kommen ursprünglich aus der Rave-Szene

Die ersten Versuche als Rockband „The Two Darlin’“ scheiterten und nachdem sie das britische Musikmagazin „Melody Maker“ als „daft punky trash“ bezeichnete, war der Bandname geboren. Mit einem revolutionären Sound und mithilfe des Produzenten-Duos Slam etablierten sich die Musiker nun schnell in der französischen Rave- und Technoszene der 1990er Jahre. „Die Besonderheit unserer Musik und Arbeit ist die Interaktion zwischen Musik und Technologie. Sozusagen betrachten wir Technologie als Teil unserer Band“, so Bangalter in einem Interview mit „Autre Radio Autre Culture“ 2009.

Die Person im Hintergrund

Schon früh entwickelte sich das Bestreben zur Wahrung der Privatheit. Nach dem Vertrag mit Virgin Records und ihrem ersten Album „Homework“ (1997) kauften sich die beiden vor jedem geschäftlichen Meeting etwas, das ihr Gesicht verdeckte. Statt der Limousine nahmen sie lieber die U-Bahn. Ihre Musik sollte im Mittelpunkt stehen. Dass es später ihre Freiheit bedeuten könnte, ahnte das besondere Duo bereits in ihren Anfängen.

„Roboter sind Geschöpfe mit Herz“

Im Jahr 2000 war es dann so weit. Daft Punks Millenium-Bug war ihre „Transformation“ in Roboter. Dafür ließen sie sich Helme von Special-Effects-Designer Tony Gardner in Los Angeles anfertigen und nahmen sie in der Öffentlichkeit nie wieder ab. Ihr einstündiges Anime-Musical „Interstella 5555“ – produziert von ihrem Jugendidol und Anime-Regisseur Leiji Matsumoto – zeigte, dass ihr „Maschine-Mensch-Sein“ sich stark an die japanische Definition eines Roboters anlehnte: „Roboter sind keine Monster, sondern Geschöpfe, die ein Herz und einen freien Geist besitzen“, formuliert es Matsumoto in der Dokumentation.

Filmhinweis

„Daft Punk Unchained“ lief bei der Viennale am 29. Oktober um 23.00 Uhr im Gartenbaukino und ist beim Streaming-Anbieter Netflix zu sehen.

Was sich durch den Streifzug durch ihre Karriere zeigt: Daft Punk agierten immer nach ihren eigenen Regeln und bestanden auf ihre künstlerische und persönliche Freiheit. Der Film zeichnet ein sehr homogenes Bild der maschinell wirkenden Künstler. Denn trotz der extravaganten Art, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, und ihres artifiziellen Musikgenres - also einer großen Portion Künstlichkeit - wirkten sie authentischer als manch andere Musiker. Oder wie David-Bowie-Komponist Paul Williams es mit den Worten von Oscar Wilde ausdrückte: „Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske, und er wird dir die Wahrheit sagen.“

Yasmin Szaraniec, für ORF.at

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