„Far Right“: Kurz bestätigt Kontakt zu „FT“-Journalisten
Ein Artikel der „Financial Times“ („FT“), in dem Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) als „Rechtsaußen-Kanzler“ („far right“, Anm.) bezeichnet wurde, hat Ende Juni für Wirbel gesorgt. Nun bestätigte Kurz eine Intervention der österreichischen Botschaft beim Medium. Das geht aus einer Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Liste-Pilz-Mandatars Bruno Rossmann hervor.

Screenshot ft.com
Es sei eine „Routineaufgabe einer Botschaft, sowohl mit Redakteuren als auch mit Vertretern und Vertreterinnen von Thinktanks regelmäßigen Kontakt zu halten und österreichische Positionen zu erklären“, heißt es in der Beantwortung des Kanzlers. Deshalb habe die Botschaft auch die „Financial Times“ kontaktiert. Die Erläuterungen seien „offenkundig vom Redakteur verstanden und eine entsprechende Korrektur vorgenommen“ worden.
Kurz: Medium hat sich entschuldigt
Ende Juni hatte Kurz vor einem Ausschuss gesagt, dass sich das Medium für die Bezeichnung „far right“ entschuldigt habe. Auf ORF.at-Anfrage hatte der Journalist Edward Luce mitgeteilt, dass er sich dafür jedenfalls nicht entschuldigt habe. Er räumte aber ein, den Ausdruck zu adaptieren. Luce wäre auch die Bezeichnung „Ermöglicher der extremen Rechten“ passend erschienen. Die Beschreibung „Rechtsaußen-Kanzler“ lässt sich in der „Financial Times“ nicht mehr finden.
Für den Abgeordneten Rossmann gibt die Beantwortung durch Bundeskanzler Kurz allerdings „Anlass zu Ärger“, wie er ORF.at mitteilte. „Kurz ist auf keine einzige Frage eingegangen, sondern hat nur pauschal geantwortet. Und selbst die Antwort ist unzureichend“, sagte der Liste-Pilz-Mandatar.
Da auch die Frage, ob er vor dem Ausschuss die Unwahrheit gesagt hat, unbeantwortet blieb, habe Kurz „indirekt bestätigt, dass er gelogen hat“, so Rossmann. Der Bundeskanzler ging ebenfalls nicht näher auf die Fragen ein, ob eine alternative Formulierung vorgeschlagen wurde oder warum die Botschaft eine Aussage der Politikwissenschaftlerin Constanze Stelzenmüller hinterfragte.
Trump und Putin in Helsinki
Die Botschaft in Washington wollte laut Luce nämlich wissen, warum er Stelzenmüller in seinem Artikel zitierte. Sie bezeichnete ein mögliches Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin in Wien als „nicht weise“. Der Gipfel fand wenige Wochen später in Helsinki statt.