Hungerstreik: Flüchtlingsbub darf doch nach Australien

Ein zwölfjähriger Flüchtlingsbub darf das australische Flüchtlingslager auf der Pazifikinsel Nauru verlassen, wie der „Guardian“ (Australien-Ausgabe) heute berichete. Der Bub war im Hungerstreik getreten und hatte mehr als 20 Tage nichts gegessen und jedwede medizinische Hilfe verweigert. Entgegen der australischen Gepflogenheit wurde der Bub mit seiner Familie nach Australien gebracht.

Hintergrund ist die schwere Erkrankung des Buben durch den Hungerstreik. Er befindet sich seit seinem achten Lebensjahr auf der nach außen hin abgeschotteten Insel, so der „Guardian“. Die australische Grenzbehörde hatte sich lange geweigert, den Zwölfjährigen mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner Schwester von der Insel auf das Festland zu lassen. Der Bub hatte sich auch geweigert, ohne seine Familie die Insel zu verlassen, heißt es weiter.

Bub wäre binnen Tagen verstorben

Laut einem Insider auf der Insel war es höchste Zeit, den Buben zu verlegen. Ohne medizinische Versorgung wäre der Schwerkranke binnen Tagen gestorben, heißt es weiter. Eine Untersuchung am Sonntag hatte ergeben, dass er sich in kritischem Zustand befindet. Die Ärzte hatten eine künstliche Zwangsernährung als unmoralisch abgelehnt. Man habe ihn nicht gegen seinen Willen behandeln wollen. Der Zwölfjährige hatte zuletzt nur noch 36 Kilogramm und konnte nicht mehr allein stehen.

Flüchtlingslager ausgelagert

Australien hatte vor fast genau fünf Jahren, am 19. Juli 2013, einen generellen Aufnahmestopp für Bootsflüchtlinge verhängt. Seither wurden mehr als 3.100 Menschen in Internierungslager nach Manus und Nauru verfrachtet, die etwa 1.000 beziehungsweise 3.000 Kilometer vom australischen Kontinent entfernt liegen. Mit dem Ministaat Nauru und mit Papua-Neuguinea, wozu Manus gehört, hatte Canberra dazu Verträge abgeschlossen. Die Familie des Buben, die aus dem Iran geflohen ist, hat offiziellen Flüchtlingsstatus.