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Finanzminister kündigte Maßnahmen an

Im Streit zwischen Washington und Ankara sind Montagfrüh drastisch erhöhte US-Strafzölle in Kraft getreten. Seit 6.01 Uhr MESZ wird Stahl aus der Türkei mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bisher 25 Prozent belegt, wie das Weiße Haus zuvor verkündet hatte. US-Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung am Freitag angeordnet.

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Die türkische Lira geriet zu Wochenbeginn neuerlich stark unter Druck. Im asiatischen Handel sank der Wert der türkischen Währung am Montag im Vergleich zum Euro und zum US-Dollar zeitweise erneut zweistellig. Erstmals mussten mehr als sieben Lira für einen US-Dollar und mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden, ehe sich der Kurs leicht erholte. Seit Jahresbeginn hat die türkische Lira bereits 45 Prozent ihres Werts verloren.

Bankenaufsicht begrenzt Swap-Transaktionen

In der Türkei wurden unterdessen am Montag erste Schritte gegen die Krise eingeleitet: Die türkische Bankenaufsicht BDDK begrenzte die Swap-Transaktionen der Banken mit ausländischen Investoren. Sie sollten künftig nur noch 50 Prozent des Eigenkapitals der jeweiligen Bank ausmachen, teilte die Aufsicht mit. Das gelte auch für das Spot- und Termingeschäft, hieß es in der Erklärung.

Der türkische Finanzminister Berat Albayrak kündigte indes einen Aktionsplan für die Banken und die Realwirtschaft an. Die Institutionen würden die notwendigen Maßnahmen ergreifen und mit den Märkten kommunizieren, sagte Albayrak in einem Interview der Zeitung „Hürriyet“. Der Aktionsplan und die Maßnahmen seien vorbereitet und fertig. Details nannte er nicht.

Zentralbank sagte Liquiditätsversorgung zu

Die türkische Zentralbank sagte den Geldinstituten des Landes eine ausreichende Liquditätsversorgung zu. Sie werde den Banken jedwede Liquidität zur Verfügung stellen, die sie benötigten, hieß es. An Tagen mit relativ hohem Finanzierungsbedarf werde es beispielsweise mehr als eine Rückkaufaktion (Repo-Auction) mit Laufzeiten von sechs bis zehn Tagen geben.

Zusätzlich zum US-Dollar könnten Euro zur Absicherung von Lira-Reserven genutzt werden. Mit allen ihren aktuellen Entscheidungen würden dem Finanzmarkt rund zehn Milliarden Lira, sechs Milliarden Dollar und drei Milliarden Dollar an Goldguthaben als Liquidität zugeführt. Die Zentralbank kündigte weiters an, sie werde den Markt und die Preisbildung genau beobachten und alle notwendigen Schritte ergreifen, um die Finanzstabilität zu sichern.

Erdogan spricht von „Kampagne“

Am Wochenende hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Ton in dem Streit der beiden NATO-Partner stark verschärft. In mehreren Reden sprach er von „Kampagnen“ gegen die Türkei und griff die USA erneut heftig an. Diese würden einen „Wirtschaftskrieg“ gegen sein Land führen.

Er forderte zudem einheimische Unternehmen auf, sich von der erschwerten Wirtschaftslage nicht beeinflussen zu lassen. Es sei nicht nur die Pflicht der Regierung, die Nation am Leben zu erhalten - „es ist auch die Pflicht der Industriellen und der Händler“, sagte Erdogan am Sonntagabend. Er warnte die Firmen davor, Bankrott anzumelden: „Wenn ihr das macht, begeht ihr einen Fehler!“ Erdogan verlangte außerdem, dass die türkischen Industriellen keine Fremdwährungen ankaufen sollten - das könnte die türkischen Banken noch mehr unter Druck setzen.

Im Zentrum des Streits stehen zwei Geistliche: Washington fordert die Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorvorwürfen in der Türkei unter Hausarrest steht. Ankara wiederum verlangt bisher vergeblich die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Innenministerium geht gegen Kritik vor

Das türkische Innenministerium kündigte an, gegen negative Kommentare zur Wirtschaft in Sozialen Netzwerken vorzugehen. Entsprechende rechtliche Maßnahmen gegen solche Mitteilungen würden eingeleitet, hieß es am Montag. Seit dem 7. August seien 346 Nutzerkonten in Sozialen Netzwerken ausgemacht worden, in denen der Verfall der Landeswährung auf provozierende Art und Weise kommentiert wurde.

Kein Zeitrahmen für Aluminiumzölle

In einem Tweet hatte Trump am Freitag zudem angekündigt, die Strafzölle auf Aluminium aus der Türkei auf 20 Prozent zu verdoppeln. Für die neuen Abgaben wurde noch kein Datum genannt. Trump hatte ausdrücklich auf die schlechten Beziehungen zu Ankara und auf den Absturz der türkischen Lira verwiesen, den er mit seiner Ankündigung weiter beschleunigte.

Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums exportierte das Land im vergangenen Jahr Eisen, Stahl und Aluminium im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (950 Mio. Euro) in die USA - das habe einem Anteil von 0,7 Prozent aller Ausfuhren entsprochen.

Euro auf neuem Einjahrestief

Unterdessen steht auch der Euro weiter unter Druck. Montagfrüh kostete die Gemeinschaftswährung zeitweilig 1,1365 US-Dollar und damit so wenig wie zuletzt im Juli 2017. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag noch auf 1,1456 Dollar festgesetzt. Der Euro verliert derzeit an Wert, weil der Kursverfall der türkischen Lira Sorgen um einige europäische Banken mit viel Geschäft in der Türkei hervorruft.

Erfasst werden von der Lira-Krise auch zunehmend Währungen von großen Schwellenländern. Besonders betroffen war der südafrikanische Rand, der zwischenzeitlich um zehn Prozent absackte. Auch der mexikanische Peso gab nach, allerdings weniger stark. Auch die asiatischen Börsen hatten unter der Krise zu leiden. In Tokio und an chinesischen Handelsplätzen wurden teilweise deutliche Verluste verzeichnet.

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