Themenüberblick

„Grounding“ naht

Österreich verfügt derzeit über 15 Eurofighter, davon sind aufgrund von Wartungszyklen und technischen Problemen immer nur einige wenige einsatzbereit. Die Beschaffung der Jets und mögliche Ungereimtheiten dabei beschäftigen immer noch die Politik - ab 6. September in dem mittlerweile dritten parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Dieser dürfte nun zusätzlichen Verhandlungsbedarf bekommen: Ende 2021 muss das Bundesheer den Eurofighter ganz stilllegen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Einem Bericht der „Kronen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe) zufolge ergibt sich das aus dem Bericht der Luftraumüberwachungskommission des Bundesheeres. Das Verteidigungsministerium bestätigte am Samstag, dass sich das „Grounding“ („Einstellung des Flugbetriebs“) der Eurofighter ab 2022 aus Schätzungen der Evaluierungskommission ergibt. Sollte nichts getan werden, wären ab diesem Zeitpunkt keine Softwareupdates mehr möglich. „Dann ist zu vermuten, dass er (der Eurofighter, Anm.) ab diesem Zeitpunkt nicht mehr fliegen kann“, sagte ein Sprecher von Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ). Die Nachrüstung für einen Betrieb über dieses Datum hinaus würde laut „Kronen Zeitung“ 200 Millionen Euro kosten.

Verteidigungsminister Mario Kunasek

APA/Helmut Fohringer

Kunasek ist der bereits sechste Verteidigungsminister, der sich mit den Eurofightern herumschlagen muss

Vier Nachfolgemodelle

Nicht bestätigen wollte das Ministerium die im Bericht genannten Kostenschätzungen für die vier Varianten der künftigen Luftraumverteidigung. Hier seien verschiedene Kostenangaben vermischt worden, sagte der Ministersprecher. Außerdem habe die Kommission auch verschiedene Varianten für die neu zu beschaffenden Trainingsflugzeuge berechnet: „Je nachdem, welches Modell man als Jettrainer verwendet, ändert das auch den Preis des Gesamtsystems.“

Der Bericht der „Kronen Zeitung“ nennt vier Möglichkeiten. In allen vier Varianten würden zehn Trainingsflugzeuge als Nachfolger für die veralteten Saab 105 OE bestellt, die nach 2020 nicht mehr funktionstüchtig sind. Zwei Varianten sehen die Nachrüstung der Eurofighter vor, um den Betrieb über 2021 hinaus möglich zu machen (mit Gesamtkosten inklusive Trainingsjets zwischen 2,3 und 2,4 Mrd. Euro bis 2029). Zwei weitere Varianten sehen neben den neuen Trainingsjets den Ausstieg aus dem Eurofighter und den Umstieg auf andere Kampfjets vor: Der Umstieg auf 18 Saab-Gripen würde bis 2029 2,7 Mrd. Euro kosten, 18 F16-Jets drei Mrd. Euro.

Saab 105 OE

picturesdesk.com/EXPA/Juergen Feichter

Die Saab 105 OE, hier bei der Flugshow Airpower, kann höchstens noch zwei Jahre eingesetzt werden

Schatten der Vergangenheit

Das Verteidigungsministerium wollte am Samstag keine Kostenangaben für die unterschiedliche Varianten bestätigen. Klar sei lediglich, dass die Luftraumüberwachung pro Jahr etwa 200 Mio. Euro koste (für Anschaffung, Betrieb, Infrastruktur und Personal). Was den möglichen Umstieg auf Gripen oder F16 angeht, sei Kunasek für eine „ergebnisoffene“ Prüfung. Hier werde man auch berücksichtigen, wie sich der Eurofighter-Konzern im laufenden Strafverfahren gegenüber der Republik verhalte.

Veröffentlicht wird der Evaluierungsbericht vom Verteidigungsministerium weiterhin nicht. Das soll erst geschehen, wenn die weitere Vorgehensweise geklärt ist, so der Ministersprecher. Derzeit sei der Bericht in der Regierungskoordinierung mit der ÖVP. Deren offizielles Statement: „Vor Entscheidungen sind noch Fragen aus der Vergangenheit im Eurofighter-U-Ausschuss zu klären.“

Links: