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Still und heimlich entlassen

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist angespannt - nicht zuletzt wegen der Vorwürfe einer russischen Einmischung in den US-Wahlkampf. Der US-Kongress untersucht zurzeit vor allem die Aktivitäten russischer Hacker. Einen anderen - ebenfalls prekären - Fall machte nun der britische „Guardian“ publik: Eine russische Spionin soll jahrelang in der US-Botschaft in Moskau gearbeitet haben.

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Die russische Staatsangehörige sei vom für die Sicherheit des US-Präsidenten zuständigen Secret Service angestellt worden und bei einer Routinesicherheitskontrolle durch das US-Außenministerium unter Verdacht geraten, berichtete der „Guardian“. Erst vor Kurzem sei sie von der US-Spionageabwehr enttarnt worden.

Bei der Untersuchung sei festgestellt worden, dass die Frau regelmäßig nicht genehmigte Treffen mit dem russischen Geheimdienst FSB abhielt. Die Frau habe Zugang zum Intranet und E-Mail-System des Secret Service und damit zu potenziell sensiblen Daten gehabt. Zu streng vertraulichen Informationen habe sie aber keinen Zugang gehabt, berichtete CNN unter Berufung auf nicht genannte Quellen.

Massenentlassung kam gelegen

Um einen Skandal und peinliche Untersuchungen zu verhindern, sei die mutmaßliche Spionin im Sommer des Vorjahres „unauffällig“ entlassen worden, zitierte der „Guardian“ eine ebenfalls nicht namentlich genannte Quelle. Dem Secret Service dürfte gelegen gekommen sein, dass damals ohnehin 750 Beschäftigte der US-Botschaft entlassen wurden. Washington reagierte damit auf die Vorwürfe gegen Russland, sich in die US-Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt zu haben.

Spionageverdacht in US-Botschaft

Die russische Spionin soll vor einem Jahr in aller Stille entlassen worden sein, um einen öffentlichen Skandal zu verhindern. Der britische „Guardian“ machte den Fall nun publik.

Mit der Entlassung scheint die Sache für den Secret Service aber erledigt gewesen zu sein. Laut „Guardian“ leitete die Behörde keine internen Ermittlungen ein: weder um den möglichen Schaden zu begutachten noch um zu prüfen, ob die Frau andere Menschen angeheuert habe, sie mit weiteren Informationen zu versorgen.

Secret Service relativiert

Der Secret Service relativierte den Fall gegenüber dem „Guardian“. In einer Erklärung der Behörde hieß es, alle ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten zum „Ziel einer Beeinflussung durch einen ausländischen Geheimdienst“ werden. Sie seien jedoch zu keinem Zeitpunkt in der Lage, an „Informationen zur nationalen Sicherheit“ zu gelangen. Neben dem Personenschutz für den US-Präsidenten unterliegt dem Secret Service auch die Strafverfolgung auf Bundesebene. Vertreter der Behörde sind auch an verschiedenen US-Botschaften im Ausland im Einsatz.

„Deutlich mehr Informationen gegeben“

Der „Guardian“ schrieb, ihm sei der Namen der mutmaßlichen Spionin bekannt, und er wisse auch, welche Position sie beim Secret Service innegehabt habe. Auf zahlreiche E-Mail-Anfragen der Zeitung habe die Frau aber nicht geantwortet. Auch das US-Außenministerium wollte sich zu dem konkreten Fall auf Anfrage des Blattes nicht äußern.

In einer Mitteilung an CNN erklärte das Ministerium später, man sei sich bewusst, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der US-Regierung wegen ihrer Rolle zum Ziel für ausländische Geheimdienste würden. „Wir gehen davon aus, dass sie alle mit dem FSB reden. Aber sie hat ihm deutlich mehr Informationen gegeben, als sie hätte tun sollen“, sagte ein hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter, der nicht genauer identifiziert wurde, CNN. Um die Spionin auf frischer Tat zu ertappen, habe man ihr spezifische Informationen gegeben und dann beobachtet, wie sie diese an den russischen Geheimdienst weiterleitete.

Weiterer Fall im Juli

Bei der mutmaßlichen russischen Spionin handelt es sich nicht um den ersten Fall. Erst Mitte Juli war in Washington eine Russin wegen der versuchten Infiltration von politischen Organisationen der Vereinigen Staaten festgenommen worden. Die US-Justizbehörden werfen der 29-jährigen Maria Butina vor, von 2015 bis mindestens Februar 2017 unter Anweisung eines Moskauer Regierungsvertreters in den USA gearbeitet zu haben.

Die Russin sei mit einem Studierendenvisum eingereist und habe versucht, Organisationen zu infiltrieren, die Einfluss auf die amerikanische Politik hätten. Die US-Bundespolizei FBI hält das Studium nach eigenen Angaben für eine Tarnung der Agententätigkeit. Butina befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

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