Zuckerbrot und Peitsche am NATO-Gipfel
Das NATO-Bündnis hat sich bereits im Voraus auf Kapriolen des US-Präsidenten Donald Trumps eingestellt, doch die Ereignisse im Laufe des Gipfeltreffens haben sich teils dramatisch zugespitzt. Der endgültige Eklat trat am zweiten Tag ein. Dennoch nahm der Gipfel eine überraschende Wende. Und endete mit dem von Trump geäußerten Wunsch nach Weltfrieden.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Es sollte ein NATO-Gipfel werden, doch es wurde zu einer erneuten Trump-Show. In einer Arbeitssitzung, in der die Politiker und Politikerinnen eigentlich über die Lage der Ukraine beraten wollten, ergriff Trump offenbar das Wort und brachte erneut das Thema Wehrausgaben auf den Tisch. In einer Brandrede drohte Trump mit einem Alleingang in Verteidigungsfragen, wenn die Bündnispartner nicht sofort zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgäben. Und versetzte den Gipfel damit in Alarmzustand.

AP/Geert Vanden Wijngaert
Nachdem der US-Präsident Donald Trump mit einem Alleingang drohte, wurde spontan eine Krisensitzung einberufen
Nach einer spontan einberufenen Krisensitzung der 29 Bündnispartner zeigte sich der US-Präsident dann aber zufrieden, lobte die Bündnispartner für ihre Anstrengungen und sicherte seine Bündnistreue zu. „Das Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur NATO ist sehr stark, bleibt sehr stark“, sagte Trump und verwies auf angebliche konkrete neue finanzielle Zusagen der Bündnispartner.
Er habe den Partnern gesagt, dass er sehr unglücklich wäre, wenn sie ihre Zahlen nicht erhöhen würden. „Sie haben sie substanziell erhöht“, sagte er. Auch Deutschland habe „sehr substanziell“ den Zeitplan für die Steigerung der Militärausgaben nachgebessert. Eine Bestätigung gab es dafür aber von anderer Seite nicht.
Überschwängliches Lob
Und auf einmal war Trump voll des Lobes für alle NATO-Partner, pries den großen „Gemeinschaftsgeist“ und das fantastische Treffen. Alle hätten sich bei ihm bedankt, und er spürte einen großen kollegialen Geist im Raum, den die Partner, so denke er, seit Jahren nicht mehr hatten. Die NATO sei nun eine „fein abgestimmte Maschine“.
„Die Leute zahlen Geld, das sie vorher nie gezahlt haben. Und sie sind glücklich, das zu tun.“ Auch vor Deutschland habe er große Achtung und von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel schwärmte er in höchsten Tönen. Die Kanzlerin habe „herausragenden Erfolg“, Deutschland und die USA hätten ein „hervorragendes Verhältnis“.
„Mein Ziel ist der Weltfrieden“
Am Ende wünschte er sich sogar den Weltfrieden. Das sei sein Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, würde er das Militär aufrüsten mit der „weltweit besten militärischen Ausrüstung“ – in der Hoffnung, dass diese nie zum Einsatz komme.

APA/AFP/Sebastien Pirlet
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg lobte Trump für sein Engagement
Auch der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg spielte die Auseinandersetzung herunter und nannte den Gipfel sehr gut. Er lobte das Engagement von Trump, dieser habe Handlungsdruck bei den Militärausgaben erzeugt, sagte Stoltenberg zum Abschluss. Seit Trumps Amtsantritt hätten Kanada und die europäischen Alliierten 41 Milliarden US-Dollar (34,94 Mrd. Euro) zusätzlich für Verteidigung ausgegeben.
Links: