Weniger Einwanderung in OECD-Staaten
In Österreich könnte die Zahl der Arbeitslosen durch Flüchtlinge bis 2020 um zwei bis vier Prozent steigen. Das geht aus dem zuletzt in Paris vorgelegten Migrationsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Auf dem Arbeitsmarkt machen Migranten vor allem bildungsfernen Männern Konkurrenz.
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„In Ländern mit einem starkem Zustrom von Flüchtlingen wie Schweden, Deutschland und Österreich wird die Auswirkung für bestimmte Gruppen einheimischer Arbeiter größer sein“, heißt es in dem „Internationalen Migrationsausblick 2018“. Besondere Effekte gebe es für „junge Männer mit geringer Bildung“ - also konkret 18- bis 34-Jährige.
„Politische Unterstützung verstärken“
Die Zahl der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt werde sich durch Flüchtlinge sowie Migranten (etwa aus Osteuropa) bis 2020 voraussichtlich um bis zu 15 Prozent erhöhen, schreiben die Autoren. Österreich kommt auf diesen Spitzenwert. Noch stärker sind wiederum bildungsferne junge Männer betroffen. Die OECD schätzt für Österreich, dass sich in diesem Bevölkerungssegment das Arbeitskräfteangebot bis 2020 um 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 erhöhen wird.
Deshalb rät die OECD ihren Mitgliedsländern dazu, nicht nur die Integration der Flüchtlinge zu fördern, sondern auch gezielt „die politische Unterstützung für gering ausgebildete Männer zu verstärken“. Auch Schwarzarbeit von Ausländerinnen und Ausländern betrifft laut der Studie junge Männer überdurchschnittlich stark. Hier seien besonders die Branchen Landwirtschaft, Bau und haushaltsnahe Dienstleistungen betroffen.
Schon mittelfristig „positive Auswirkungen“
Gleichzeitig relativiert die OECD die Prognosen: Die Erfahrung zeige, „dass Flüchtlinge nur eine geringe mittel- bis langfristige Auswirkung auf den Arbeitsmarkt für Einheimische haben“. Das zeigten vergangene Flüchtlingswellen, etwa jene vom Balkan in den 1990er Jahren. „Wenn es eine Auswirkung gab, dann war sie positiv“, heißt es im Bericht.
Generell macht sich die restriktivere Einwanderungspolitik vieler Industriestaaten bemerkbar: Im Vorjahr sank die Zahl der Einwandernden in den OECD-Staaten erstmals seit 2011 gesunken. Fünf Millionen Menschen ließen sich 2017 in den 35 Staaten nieder, das sind um fünf Prozent weniger als 2016, heißt es im Bericht.
Deutlich weniger anerkannte Flüchtlinge
Grund dafür ist die „deutliche Reduktion in der Zahl der anerkannten Flüchtlinge“, schreibt die OECD. Andere Zuwanderungsarten seien stabil geblieben oder sogar gestiegen, hieß es etwa mit Blick auf die Personenfreizügigkeit innerhalb der EU. Diese sei in allen EU-Staaten mit Ausnahme von Finnland, Frankreich und Schweden der „wichtigste Einwanderungskanal“.
Die Zahl der Asylanträge sei nach den Rekordjahren 2015 und 2016 auf 1,23 Millionen zurückgefallen, aber immer noch „höher als in jedem Jahr vor 2015“. Die USA blieben auch im ersten Amtsjahr von Präsident Donald Trump das OECD-Land mit den meisten Asylanträgen (330.000), gefolgt von Deutschland (198.000).
OECD-Zahlen zur temporären Arbeitsmigration
Erstmals legte die OECD in ihrem alljährlichen Bericht auch umfassende Zahlen zur temporären Arbeitsmigration vor. Es gab laut Bericht 4,2 Millionen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in den OECD-Staaten, was einen Anstieg von elf Prozent bedeutet. Die größten Aufnahmeländer waren Polen (672.000 Gastarbeiter, hauptsächlich aus der Ukraine) sowie die USA (660.000, Hauptherkunftsland Indien), die Zahl der Auslandsstudierenden nahm um acht Prozent auf 3,3 Millionen zu.
Der Bericht tritt auch der Darstellung entgegen, wonach die große Aufnahme von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren den europäischen Arbeitsmarkt über Gebühr belasten könnte. Der Zuzug von Flüchtlingen dürfte die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in Europa bis zum Jahr 2020 „um marginale 0,4 Prozent erhöhen“. Allerdings seien die Auswirkungen von Land zu Land unterschiedlich.
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