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„Die Luft steht“

Gefühlt vergeht derzeit kaum ein Tag ohne lokal schwere Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen. Viele haben den Eindruck, dass sich die Gewitterzellen heuer besonders langsam verlagern. Und der Eindruck täuscht nicht.

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Eine indifferente Wetterlage ohne nennenswerte Luftdruckgegensätze sei dafür verantwortlich, erklärt die ORF-Wetterredaktion das Phänomen: „Die Luft steht.“ Seit Wochen befindet sich Österreich schon im Einflussbereich eines Hochdruckgebiets mit feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Was fehlt, sind stärkere Frontensysteme, die einen Luftmassenwechsel einleiten könnten. Zudem weht nur schwacher Südwind.

Regen bleibt „hängen“

Durch die langsame Zuggeschwindigkeit der Gewitter kommt es häufig zu lokal enormen Regenmengen. Statt flächendeckenden Regens gibt es verheerende Schauer. Während kleinere Gebiete vor allem in Kärnten, der Steiermark und im Burgenland zuletzt wiederholt von schweren Unwettern betroffen waren, blieben benachbarte Regionen bisher meist verschont.

Überflutete Straße

APA/LFV/Franz Fink

Starkregen mit Überschwemmungen sorgen derzeit in der Süd- und Oststeiermark für Dauereinsätze der Feuerwehren

540 Liter zu 28 Liter

Vor allem an den Gebirgshängen der Steiermark, Kärntens und dem südlichen Burgenland bauen sich derzeit immer wieder gewaltige Gewittertürme auf, die kaum weiterziehen und an Ort und Stelle „ausregnen“. An der Alpennordseite ist es indes weitgehend zu trocken - vor allem in Oberösterreich, im nördlichen Salzburg und in Teilen Niederösterreichs. Die Unterschiede sind drastisch. Zum Vergleich: In Fladnitz (Kärnten) regnete es zwischen 1. April und 8. Juni (mittags) 540 Liter. In Linz wurden im selben Zeitraum gerade einmal 28 Liter Regenmenge gemessen.

Zusammenhang mit Erderwärmung

Ungewöhnlich sei, dass diese Wetterlage nun schon so lange anhalte, seit Ostern sei es viel zu warm, heißt es aus der ORF-Wetterredeaktion. Schwere Gewitter habe es zwar immer schon gegeben, sagte Thomas Wostal von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegenüber ORF.at, in diesem Frühjahr koche es angesichts der überdurchschnittlich warmen Temperaturen aber ununterbrochen hoch. Denn an den Hauptgewitterzutaten - warme und feuchte Luft - mangelt es im zweitwärmsten Frühling der Messgeschichte (nach 2007) wahrlich nicht.

Sturmwolken

Getty Images/bananashot

Gewittertürme bauen sich immer wieder an den Berghängen auf

Ein Zusammenhang zur Erderwärmung könne – zumindest indirekt - hergestellt werden. „Je wärmer die Luft wird, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen“, verweist Wostal auf eine meteorologische Tatsache. Bewiesen wurde eine Zunahme von heftigen Gewittern aufgrund zu weniger Messdaten über einen ausreichend langen Zeitraum noch nicht. „Aber es gab in den letzten 50 Jahren in Österreich eine deutliche Zunahme der maximalen Regenmengen an einem Tag, also intensiveren Starkregen“, so Wostal.

Wetterlagen halten sich länger

Häufiger habe man es in heimischen Lagen ja mit Wetterströmungen aus dem Nordwesten oder Westen zu tun, die relativ flott über das Gebiet ziehen, so Wostal. Das sei beim derzeit herrschenden Hochdruckgebiet eben nicht der Fall.

Wostal verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) aus dem Jahr 2014, wonach die großräumigen Hoch- und Tiefdruckgebiete langsamer ziehen als früher. „Da der Temperaturunterschied zwischen dem Norden und Süden geringer geworden ist, wurden auch die Systeme langsamer“, so Wostal. Die Folge: Wetterlagen wie etwa Hitzewellen halten sich länger.

Nichts Neues unter der Sonne

Die Prognosen der ORF-Wetterredaktion geben diesem Wetterphänomen recht. Sie halten für jene, die schon genug vom momentanen Wetter haben, wenig Erfreuliches bereit: Bis auf eine erwartete schwache Front zur Wochenmitte ist ein Ende der herrschenden Wetterlage vorerst nicht absehbar.

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