„Kein klares Migrationsmuster“
In den Köpfen junger Menschen ist die Bewegungsfreiheit innerhalb der EU fest verankert. Ein klares Muster der Migrationsbewegungen gibt es aber nicht. Fest steht allerdings: Es gibt Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Das sind einige Ergebnisse des Projekts „Ymobility“, die im Zentrum der Konferenz „Jugendmigration im Donauraum“ an der Uni Wien stehen.
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30 Prozent der Jungen zwischen 16 und 34 Jahren haben bereits konkrete Pläne oder werden wahrscheinlich in den kommenden fünf Jahren in ein anderes EU-Land ziehen. Vor allem junge Leute aus Rumänien (41 Prozent), Italien (39 Prozent) und Spanien (35 Prozent) zieht es ins Ausland. Gar keine Intentionen zu emigrieren haben hingegen 56 Prozent der jungen Slowakinnen und Slowaken und 55 Prozent der jungen Menschen aus Lettland (Durchschnitt 47 Prozent).
Männer sind mobiler
„Es gibt kein klares Migrationsmuster bei jungen Menschen in der EU“, sagte Aija Lulle von der University of Sussex im britischen Brighton. Vielmehr hänge es davon ab, woher die Person komme und wohin sie reise. Beispielsweise sei es in Großbritannien relativ einfach, einen Job zu finden, auch wenn die Sprachkenntnisse gering sind.
„In Deutschland und Schweden dagegen ist der Arbeitsmarkt praktisch geschlossen für Menschen, die die Landessprache nicht beherrschen“, sagte Lulle. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, sich in einem anderen EU-Land niederzulassen, bei jungen Männern um 33,5 Prozent höher als bei jungen Frauen. Auch Stadtbewohner zieht es um 23,1 Prozent öfter ins Ausland als Landbewohner.
Dreijährige Untersuchung
Gemeinsam mit neun weiteren Universitäten aus Großbritannien, Italien, Deutschland, Spanien, Irland, Lettland, Rumänien, Schweden und der Slowakei untersuchte die University of Sussex drei Jahre lang von 2015 bis März 2018 die Formen und Charakteristika von Jugendmobilität in der EU. Mehr als 30.000 junge Menschen füllten den „Ymobility“-Fragebogen aus, zusätzlich wurden 900 rund einstündige Interviews geführt.
Uni oder Arbeit
Häufig sind es Studierende, die es in andere Länder zieht, aber auch die Suche nach einem Job treibt junge Menschen ins Ausland. Die Entscheidung wird oft spontan und aus einer Abenteuerlust heraus getroffen. „Sie wachen eines Tages auf und beschließen, etwa nach London zu ziehen und zu schauen, was sich da ergibt. Entweder finde ich einen Job innerhalb von zwei Wochen oder ich gehe wieder zurück. Die meisten bleiben dann, zumindest für eine gewisse Zeit“, so Lulle.
Freunde oder Verwandte an Ort und Stelle seien ausschlaggebend für die Entscheidung. Das Gesundheitssystem oder Sozialleistungen seien für junge EU-Bürgerinnen und -Bürger hingegen keine Motivation zu emigrieren - egal woher sie kommen. Vielmehr spielten selbst bei Arbeitsmigranten renommierte Universitäten und gute Bildungseinrichtungen eine Rolle, gefolgt von Jobaussichten und Gehaltsniveau.
Unterstützung von Eltern oder Partnern
Auch zeigte sich, dass junge Europäerinnen und Europäer kaum Geld, das sie im Ausland verdienen, an die Daheimgebliebenen schicken. „Im Gegenteil, in den ersten Jahren werden viele von ihren Eltern oder dem Partner finanziell unterstützt. Einerseits, weil es in einigen Ländern schwer ist, einen Job zu finden, andererseits, weil etwa in London die Lebenshaltungskosten extrem hoch sind“, sagte die Wissenschaftlerin.
Viele junge Menschen gehen nach einigen Jahren zurück in ihr Herkunftsland. Genaue Zahlen kann Lulle nicht nennen, aber es seien deutlich mehr als die in globalen Studien genannten zehn bis 15 Prozent aller Migrantinnen und Migranten. Für die Herkunftsländer sei die Rückkehr junger Leute ein Gewinn. „Sie bringen viele neue Fertigkeiten mit, nicht nur Sprachwissen, sondern auch Arbeits- und Sozialkompetenzen“, so Lulle.
Politik soll „Rückkehrer“ besser eingliedern
Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Heimatland erneut verlassen, liege mit 70,2 Prozent höher als bei anderen Bürgern. „Eine unserer ersten Empfehlungen an die Politik ist deshalb, die Wiedereingliederung von Rückkehrern zu verbessern. Gehen sie nämlich wieder weg, ist das ein großer Verlust für das Land“, sagte Lulle. Weitere Empfehlungen an die Politik seien derzeit in Ausarbeitung.
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