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Touristenmassen an langen Wochenenden

In Venedig wächst der Protest gegen die Aufstellung von Drehkreuzen, die den bis zum 1. Mai erwarteten Touristenansturm regeln sollen. „Venedig ist kein Disneyland, das vor Horden neuer Barbaren geschützt werden muss“, erklärten Globalisierungsgegner, die dieser Tage gegen die Drehkreuze demonstrieren.

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Die Aktivisten kritisierten den Stadtrat, der „mit lächerlichen Lösungen“ auf den Massentourismus reagiere, zugleich nichts gegen die Abwanderung der Einwohner und gegen die „soziale Verarmung“ der Stadt unternehme. Wie mehrere Medien am Montag berichteten, versuchten rund 30 Aktivisten am Piazzale Roma die Drehkreuze zu demontieren. Weiters skandierten sie „Freiheit für Venedig“ und ähnliche Sprüche. „Wir lehnen die Idee von Checkpoints an den Eingängen zur Stadt ab. Die Stadt gehört uns“, so einer der Demonstranten gegenüber dem Independent.

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Demonstranten versperrten Touristen den Weg

Trotz der über 100.000 Besucher am Wochenende ließ die Polizei die Drehkreuze am Wochenende für alle offen - Demonstranten versperrten den Touristen aber den Weg.

An diesem verlängerten Wochenende hat die Polizei die Möglichkeit, Touristen an mehreren Stellen der Stadt den Zugang versperren und sie auf andere Wege zu leiten. Dafür wurden an der Ponte della Costituzione, einer Brücke über den Canal Grande, sowie nahe dem Bahnhof Santa Lucia Drehkreuze eingerichtet. Die Brücke zwischen der Lagunenstadt und dem Festland könnte für einen Teil des Verkehrs gesperrt werden. Die Maßnahmen könnten auch auf Touristenboote ausgedehnt werden: Bei zu großem Andrang ist das Anlegen vor dem Markusplatz tabu.

Touristen in Venedig gehen durch die neuen Drehkreuze

APA/AP/ANSA/Riccardo Gregolin

Bei geringerem Andrang bleiben die Vorrichtungen zwar an ihrem Platz, die Drehkreuze selber werden aber abmontiert

Bürgermeister will Touristen mit Technologie steuern

Bürgermeister Luigi Brugnaro will bei seinen Plänen bleiben. Er kündigte Tests mit Lasersystemen und Videoanlagen zur Regelung der Besucherströme an. „Wir wollen auf Technologie setzen, um den Touristenandrang zu regeln. Meine Aufgabe ist es, die Sicherheit der Stadt zu garantieren“, wurde Brugnaro von Medien zitiert.

Erst vergangenes Jahr konnten sich die Tourismusgegner zumindest über einen Teilerfolg freuen: Künftig sollen keine riesigen Schiffe mehr direkt am Markusplatz vorbei über den Giudecca-Kanal fahren. Nach dem Plan sollen die Kreuzfahrtdampfer künftig weiter südlich in die Lagune einfahren - so wie jetzt bereits Containerschiffe und Öltanker. Die größten Passagierschiffe sollen im Industriegebiet Marghera anlegen, in einem Hafen, der eigens dafür gebaut werden muss und wo die Passagiere aussteigen sollen. Kleinere Schiffe sollen weiter im bereits existierenden Hafen einlaufen, aber über einen Kanal fahren, der um mehrere Meter vertieft werden muss.

Kreuzfahrtschiff in Venedig

Reuters/Stefano Rellandini

Mit dem Kreuzfahrtschiff direkt in die Altstadt - ab 2019 soll das nicht mehr möglich sein

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl der Bewohner Venedigs von 175.000 auf ein Rekordtief von weniger als 55.000 Menschen gesunken, wie aus Angaben der Gemeinde hervorgeht. Noch im Jahr 2000 zählte die Lagunenstadt 66.386 Einwohner. Bis zu 130.000 Touristen tummeln sich hingegen zu Spitzenzeiten in der Lagunenstadt. Die Einheimischen betrachten diese Entwicklung mit wachsender Sorge. Wo sich früher Lebensmittelgeschäfte befanden, locken nun Souvenirshops. Auch die steigenden Preise machen den Bewohnern immer mehr zu schaffen. Und der tägliche Einkauf wird in der beinahe autolosen Stadt zu einer Herausforderung.

Probleme auch in Capri

Nach Venedig überlegt auch die italienische Urlaubsinsel Capri Zugangssperren für Touristen einzuführen. „Wir können zwar nicht verhindern, dass Touristen bei uns landen, wir müssen jedoch die Tourismusströme regeln. Wir werden wie in Venedig einige Tests durchführen“, kündigte der Bürgermeister der Insel, Gianni De Martino, gegenüber der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Sonntag-Ausgabe) an. Das Touristenchaos auf der Insel sei an einigen Tagen „dramatisch“.

Tatsächlich stöhnt die lediglich zehn Quadratkilometer große Insel seit Jahren unter dem zunehmenden Ansturm der „Eintagestouristen“. Diese würden die engen Wege und Gassen der Insel verstopfen, die umhegten Luxustouristen verärgern und letztlich zum Niedergang der Trauminsel mit der Blauen Grotte beitragen.

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